Schläge kommen ohne Vorwarnung

Mann (61) bei Trinkgelage übel zugerichtet: „Habe ihn sauber bearbeitet“

Die Attacke auf einen Rentner in Bad Tölz brachte einen 50-Jährigen erst vor Gericht und danach ins Gefängnis. 

Bad Tölz/WolfratshausenDas Opfer sah fürchterlich aus. „Er hat wie wild auf ihn eingeschlagen, dass sein Kopf Matsch ist. Solche Bilder sieht man selten“, beschrieb Richter Helmut Berger die Fotos aus den Ermittlungsakten. Sie zeigten das verquollene Gesicht eines Rentners (61), der bei einem Trinkgelage von einem arbeitslosen Maler (50) übel zugerichtet worden war. Der Täter wurde vom Amtsgericht zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Zu viert hatten die Männer, allesamt Nachbarn, „kräftig miteinander getrunken“, als sie sich am 26. September 2017 nachmittags in einer Wohnung im Kurviertel trafen: der Angeklagte, sein späteres Opfer, ein befreundeter Krankenpfleger (56) und der Wohnungseigentümer (53). Mehrere Flaschen Wodka, mit Cola gestreckt, und ungezählte Flaschen Bier waren ab dem Nachmittag geleert worden.

Angeklagter: „Habe ihn sauber bearbeitet“

Aus „nichtigem Grund“, wie der Richter in der Verhandlung feststellte, war der Beschuldigte irgendwann – die genaue Zeit war nicht mehr zu ermitteln – auf den Bekannten losgegangen. „Ich weiß schon, dass ich ihn sauber bearbeitet habe“, erklärte der Angeklagte, der sich an „fünf bis sieben Schläge“ erinnerte. Laut Anklage soll er dem auf einer Matratze liegenden Rentner zudem mindestens einmal das Knie in den Leib gerammt haben.

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Warum er derart ausgerastet war, dafür hatte er keine Erklärung. Der andere, mit dem er nie ein sonderlich freundschaftliches Verhältnis gepflegt hatte („wir haben uns nie so recht verstanden“), habe ihn womöglich provoziert. Die Aussagen der Zeugen, die sich teilweise gravierend von den Angaben, die sie gegenüber der Polizei gemacht hatten, unterschieden, waren bei der Aufklärung wenig hilfreich.

61-Jährigem wurde Stahlplatte eingesetzt

Der Geschädigte war massiv verletzt worden. Ärztliche Berichte dokumentierten unter anderem Prellungen am Augapfel, Risswunden, Hämatome, einen Rippenbruch und eine Fraktur des Augenhöhlenbodens. Dem 61-Jährigen musste eine Stahlplatte eingesetzt werden. In diesem Zustand hatte der Mann sich in der Nacht mit einem Taxi nach Waakirchen fahren lassen. Weil er sich nicht überzeugen ließ, ins Krankenhaus zu gehen, war der Taxifahrer auf dem Rückweg zur Polizei gefahren und hatte von seinem merkwürdigen Fahrgast berichtet. So kam die Prügelei ans Licht.

Der Angeklagte – ebenso wie der Geschädigte polizeibekannt – entschuldigte sich in der Verhandlung. „Ich kann nur sagen, dass mir das wirklich leid tut.“ Sein Opfer zuckte mit den Schultern: „Ist halt Scheiße gelaufen.“ Richter Berger verurteilte den Tölzer wegen gefährlicher Körperverletzung zu 21 Monaten Gefängnis. Erschwerend wirkte sich für den Angeklagten aus, dass er nach dem Vorfall offenbar versucht hatte, einen Zeugen mit Drohungen zu einer für ihn günstigeren Aussage zu bewegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. rst

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa / Karl-Josef Hildenbrand

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