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Carisma ist noch auf der Suche

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Zum Jahresende wurde Carisma gekündigt. arp/a

Gewerbeflächen zu einem günstigen Preis zu finden, ist im Miethochpreisland Tölz schwierig. Das haben die Kritiker der Caritas vorhergesagt, die bisher ergebnislos einen Ersatzstandort für ihren Carisma-Möbelmarkt in der Karwendelsiedlung sucht.

Bad Tölz – Der Fall hatte vor zwei Monaten für einige Aufregung gesorgt. Jahrelang hat Carisma mit seinem Möbelmarkt in der August-Moralt-Straße anerkanntermaßen ausgezeichnete Arbeit geleistet. Rund 20 Langzeitarbeitslose werden in dem Betrieb durch strukturiertes Arbeiten wieder an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt. Ein „segensreiches Wirken“ urteilt Stadtpfarrer Peter Demmelmair. Da wird „ein guter Job gemacht“, sagt auch die stellvertretende Leiterin des Tölzer Jobcenters, Andrea Schön.

Den gleichen Eindruck hatten wohl die früheren Eigentümer des Grundstücks, die eine vergleichsweise niedrige Pacht verlangten und die Immobilie schließlich sogar der Caritas vermachten. Leider war der Letzte Wille juristisch so abgefasst, dass der Deutsche Caritasverband zum Zug kam, nicht der Caritas-Kreisverband. Der im fernen Berlin ansässige Sozialkonzern lotete offenbar in einem bis heute nicht ganz durchsichtigen Verfahren die Bauchancen auf dem Areal aus und verkaufte den Grund dann an einen – namentlich nicht bekannten – Bauträger, der dort Wohnungen errichten will. Die Caritas kündigte Carisma zum 31. Dezember 2019. Und der Tölzer Kurier berichtete: „Die Caritas schmeißt die Caritas raus.“

Auch intern hagelte es Kritik, zumal sich die Bayerische Caritas vom Vorgehen der großen Schwester nur unzureichend informiert fühlte und – offiziell sagt das natürlich niemand – nun die Suppe auslöffeln muss, die ihr die Berliner eingebrockt haben. Sprich: Erstens einen neuen Standort für den Carisma-Möbelmarkt finden, der zweitens auch noch günstig in der Miete ist. Wie soll das gehen?

Beim Deutschen Caritasverband nachgefragt, erhält man zwei Monate nach Bekanntwerden des lukrativen Immo-Deals dieselbe Antwort wie im März: Der Käufer der Immobilie habe zugesichert, dass man die Immobilie notfalls auch ein halbes Jahr länger nützen dürfe. Die stellvertretende Pressesprecherin Anja Stoiser: „Das schafft Spielraum für die Suche nach einer Ersatzimmobilie.“

Besagter Spielraum wird auch nötig sein. Fünf bis sechs Objekte, so sagt Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schweiger, habe man bisher angeschaut. Er findet erfreulich, dass auch „Bürger auf uns zugegangen sind“. Es gebe derzeit zwei, drei Angebote in Tölz und Geretsried. Details nennt er nicht.

Zu hören ist aber, dass man auch eine ehemalige Moralthalle besichtigt hat. Allein die sanitären Anlagen hätten deutlich mehr gekostet als die großzügig vom Deutschen Caritasverband versprochene einmalige Förderung in Höhe von 15 000 Euro, gestreckt allerdings über drei Jahre.

Schweiger, der mit der Gesamtsituation auch nicht ganz glücklich ist und die Kritik jedenfalls „für nicht ganz verkehrt hält“, will mit Carisma in Tölz bleiben. Es müsse aber auch über einen Standortwechsel diskutiert werden. Überlegenswert sei auch, ob man sowohl im Nord- als auch Südlandkreis einen Standort habe. Der Hauptknackpunkt in seinen Augen: „Die Preislage am Markt ist herausfordernd.“

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