Ein Foto von seiner Impfung veröffentlichte Bürgermeister Ingo Mehner am Montag in den sozialen Medien.
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Ein Foto von seiner Impfung veröffentlichte Bürgermeister Ingo Mehner am Montag in den sozialen Medien.

Interview

43 Jahre alt und gesund: Tölzer Bürgermeister bekommt Astrazeneca-Impfstoff - „War an der Reihe“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner (43, CSU) machte am Montag in den sozialen Medien öffentlich, dass er im Tölzer Impfzentrum seine erste Corona-Impfung erhalten hat.

Bad Tölz – Politiker und die Corona-Impfung: Das ist für viele Menschen ein Reizthema. Einerseits löste es Empörung aus, wenn Landräte sich das Vakzin verabreichen ließen, bevor sie an der Reihe waren. Andererseits forderte zuletzt die Bild-Zeitung in großen Lettern, Kanzlerin Angela Merkel möge sich impfen lassen. In Bad Tölz machte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) am Montag in den sozialen Medien öffentlich, dass er im Tölzer Impfzentrum seine erste Corona-Impfung erhalten hatte. Ein „Impfdrängler“ sei er aber nicht, wie er auf Anfrage des Tölzer Kurier erläutert.

Herr Mehner, wie kommt es, dass Sie als gesunder Mann im zarten Alter von 43 Jahren schon geimpft wurden?

Ich habe mich sehr zügig beim Impfportal des Freistaats registriert. Dort habe ich mein Geburtsdatum eingegeben, und dass ich in der öffentlichen Verwaltung in leitender Position tätig bin. Ein Feld, in dem man „Bürgermeister“ als Beruf angeben konnte, gibt es dort nicht, damit hat es also nichts zu tun. Ich habe dann am Freitag eine SMS bekommen, dass ich an der Reihe bin. Ich erkläre es mir so, dass der Impfstoff von AstraZeneca, den ich bekommen habe, nur an Personen unter 65 verabreicht wird und sich bis jetzt noch nicht so viele Menschen in diesem Alter registriert haben, weil sie dachten, es dauere ohnehin noch, bis sie dran sind – aber das ist jetzt nur meine Spekulation. Jedenfalls habe ich am Impfzentrum viele Menschen gesehen, die augenscheinlich alle unter 65 waren und aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen kommen.

Sie haben Ihre Impfung in den sozialen Medien öffentlich gemacht. Hatten Sie keine Bedenken, dass das bei Menschen, die selbst noch auf ihre Impfung warten, nicht so gut ankommt?

Ich hatte keine Bedenken, ich wollte es einfach klar sagen, wie es ist. Natürlich muss man beim Thema Impfen damit leben, dass es unterschiedliche Reaktionen gibt. Die einen lehnen die Impfung generell ab, die anderen sind skeptisch bei speziellen Impfstoffen, wieder andere kritisieren die Impfreihenfolge. Natürlich ist die Frage, ob es höflicher ist, anderen Menschen beim Impfen den Vortritt zu lassen oder ob man als Vorbild voranschreiten sollte. Ich habe mich da in einer Vorbildfunktion gesehen, den Impftermin dann wahrzunehmen, wenn ich laut dem Priorisierungssystem an der Reihe bin.

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Warum haben Sie sich für eine Impfung entschieden?

Bei der Impfung geht es ja nicht nur um den eigenen Schutz. Ich sehe in der Impfung die einzige Chance, dass wir alle wieder zur Normalität zurückkehren können. Da hängt so viel an sozialen, menschlichen und wirtschaftlichen Aspekten dran. Allein schon daher fühle ich die Verpflichtung, meinen Beitrag zu leisten. Zudem ist meiner Meinung nach jeder gefordert, das Gesundheitssystem zu entlasten.

Manche Menschen haben Vorbehalte gegen den Impfstoff von AstraZeneca. Sie nicht?

Nein. Denn gegen eine schwerwiegende Erkrankung bietet dieser Impfstoff ja offenbar einen guten Schutz, und das ist es, worauf es ankommt. Wenn man eine Impfung angeboten bekommt, ist nicht die Zeit zum Rosinenpicken. Ich fände es ein komisches Zeichen, dann zu sagen: Dieser Impfstoff ist mir nicht gut genug.

Und wie haben Sie die Impfung vertragen?

Außer dem kleinen Pieks an der Einstichstelle spüre ich bisher nichts.

Lesen Sie auch: Der Tölzer Gesundheitsamtsleiter Dr. Stephan Gebrande spricht im Interview über ein Jahr im Ausnahmezustand, das Impfen, Virus-Mutationen und beantwortet die Frage, ob eine Rückkehr zur Normalität überhaupt erstrebenswert ist.

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