Etwa 40 Demonstranten hatten sich bei der Kundgebung versammelt.

In der Tölzer Marktstraße

Bad Tölz: Demonstranten finden Schutzmasken „dämlich“

Bei einer Kundgebung am Wochenende hat der in Bad Tölz ansässige Bundesverband Impfschaden die Corona-Maßnahmen scharf verurteilt.

Bad Tölz – Die Bundesregierung müsste wegen Freiheitsberaubung ins Gefängnis, 580 000 Corona-Tote sind im Grunde nicht erwähnenswert, und das Tragen von Corona-Masken sei „dämlich“: Dies ist nur ein kleiner Auszug der kühnen Thesen, die bei der „3. Kundgebung für Menschen, Freiheit, Frieden und Grundrechte“ am Samstag in der Marktstraße zu hören waren. Aufgerufen hatte zu der Demonstration der in Tölz ansässige Verein „Bundesverband Impfschaden“, der nach eigenen Worten „die Wiederherstellung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ einfordert.

In welche Richtung es geht, war schnell erkennbar. Eine Teilnehmerin hielt ein Plakat mit der Aufschrift „ich widerspreche“ in den Händen, auf einem anderen war zu lesen: „Keine Corona-Gehirnwäsche durch Politik und Medien“. Ebenso zu sehen waren T-Shirts mit der Aufschrift „Gib Gates keine Chance“. Ans Mikrofon trat eine Rednerin, die sich als „die Moni aus Tölz“ vorstellte und die Teilnehmer selbstironisch mit den Worten empfing: „Ich begrüße euch alle, ihr Aluhutträger, Verschwörer, Spinner und sonstige Menschen. Schön, dass ihr da seid, ich bin eine von euch!“

Was dann folgte, war allerdings weniger humorig. Die Corona-Schutz-Masken seien „dämlich“ und nach ihren Erkenntnissen „nichtsbringend“. Ihre Informationen beziehe sie nur noch aus alternativen Medien. Schließlich werde in den offiziellen Medien unter anderem nicht darüber berichtet, dass es in Bulgarien Menschen gibt, die friedlich gegen die Corona-Beschränkungen demonstrieren. Christian Drosten, einer der deutschen Top-Virologen, dürfe man nichts glauben, denn der liege mit seinen Aussagen immer daneben: „In der Schule würde man sagen: Klassenziel nicht erreicht.“

Kundgebung in Tölz: „Ich habe nie an den todbringenden Virus geglaubt“

Die Demonstranten quittierten diese Aussagen mit „Jawoll-Rufen“ und Applaus. Weltweit seien in diesem Jahr bereits 23 Millionen Menschen „einfach so“ gestorben, durch und mit Corona „gerade mal“ 580 000 Menschen: „Also nicht mal zwei Prozent“, rechnete „Moni aus Tölz“ vor. Tosenden Applaus gab es auch für ihre Aussage: „Ich habe nie an den todbringenden Virus geglaubt.“ Entsprechend habe sie reagiert. Durch den Lockdown sei sie „ziemlich gut“ gekommen. Da ihre Kinder nicht mehr zu ihren Freunden gehen durften, hätten ihre Kinder die Freunde einfach zu sich eingeladen und Partys gefeiert. „Sie haben mich mitmachen lassen, dadurch habe ich Trinkspiele kennen gelernt. Danke an die Jugendlichen.“ Auch für diese Aussage gab es Applaus.

Impfgegner: Jugendliche werden ihrer Freiheiten beraubt

Die Jugendlichen würden durch die Ausgangsbeschränkungen um einen Teil ihrer Jugend betrogen: „Das ist Freiheitsberaubung und wird normalerweise mit Haft bestraft“, befand die Rednerin. Wer sich um die Zukunft der Kinder Sorgen mache, werde als „Spinner oder Verschwörer“ bezeichnet. „Moni aus Tölz“ schreckte auch nicht davor zurück, Parallelen zum Dritten Reich zu ziehen: „Da sind die ersten Mahner auch bestraft worden.“ Helfen würde ihrer Ansicht nach nur ein Aufstand der Jugendlichen, von besorgten Eltern und „eingesperrten Senioren“.

Die Reaktionen auf die Reden waren zwiegespalten: Während sich die Sprecherin immer mehr in Rage redete und die Revolution einforderte, verrichteten die Passanten unbeeindruckt ihre Einkäufe. Die Demonstrationen und kühnen Thesen werden in den nächsten Wochen wohl zum Stadtbild gehören: Im Zwei-Wochen-Rhythmus will die Gruppe weiter demonstrieren.

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