Fritz Bernigshausen bei der Eröffnung der Felix-Dittmar-Ausstellung im Tölzer Stadtmuseum mit Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker.
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Fritz Bernigshausen bei der Eröffnung der Felix-Dittmar-Ausstellung im Tölzer Stadtmuseum mit Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker.

Nachruf

Ein wandelndes Kunstlexikon: Fritz Bernigshausen mit 76 Jahren an Corona gestorben

Es gab wohl keinen Menschen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, der sich besser als Fritz Bernigshausen mit den unglaublich vielen Malern des Isarwinkels und Loisachtals auskannte. Anfang Januar ist er im Alter von 76 Jahren in einem Pflegeheim in Schlehdorf gestorben.

Bad Tölz/Wackersberg - Bedrückend ist es für seine Frau Marika, dass ihr Mann nun „ausgerechnet an Corona sterben musste“. Er habe aber, das sei nur ein kleiner Trost, „wenigstens nicht lange leiden müssen“. Fritz Bernigshausen litt schwer an Parkinson.

Die Fischerei war genau so ein Hobby wie der Schießsport

Bernigshausen war im Isarwinkel bekannt. Aufgewachsen an der Peter-Freisl-Straße spielte er in der Jugend Fußball für den SV Tölz und SV Sachsenkam. Die Fischerei war genau so ein Hobby wie der Schießsport. Zunächst Schützenmeister von Ellbach war Bernigshausen 21 Jahre lang Tölzer Gauschützenmeister. Das Eisstockschießen gehörte ebenso zu seinen Leidenschaften wie das Schafkopfen. „Mir habn immer Karten dabei ghabt, wenn ma nübergfahrn san“, erzählt seine Frau wehmütig. Bis zuletzt, als die körperlichen und geistigen Kräfte schon nachließen, habe er gekartelt und die Ergebnisse immer noch blitzschnell errechnet und mit trockenem Humor kommentiert.

Fritz Bernigshausen hat sich Meriten als Kunstförderer verdient

Echte Meriten hat sich Bernigshausen als Kunstförderer verdient. Seine Mutter Anni malte Hinterglasbilder. Vielleicht war das ein Anstoß für Bernigshausen, sich für Kunst zu interessieren. Der Versicherungsvertreter hatte viel mit Münchner Galerien zu tun und lernte so auch die Maler der Münchner Schule schätzen. Im Laufe seines Lebens legte er sich nicht nur eine ausgezeichnete Gemäldesammlung zu, sondern auch umfassende Literatur und Biografisches zu den Künstlern im Oberland.

Seine Schätze präsentierte er in einer kleinen Gemäldegalerie

Er war, so hat es Walter Frei vom früheren Tölzer Kunstverein formuliert, „ein wandelndes Lexikon“. Als er seine Agentur aufgab, richtete er in einem Haus am Rehgraben eine kleine Gemäldegalerie ein, in der er seine Schätze präsentierte. Sein umfassendes Wissen und seinen sicheren Kunstblick stellte er aber auch gerne dem Tölzer Kunstverein zur Verfügung. Die großen Ausstellungen und Veröffentlichungen zu Isarwinkler Malern wie Dittmar, Spethmann, Le Feubure, Pietzsch, Demmel und Moralt wären ohne ihn nicht denkbar gewesen, blickt Frei dankbar zurück. Auch deshalb nicht, weil Bernigshausen genau wusste, bei welchem Privatsammler südlich von München die wichtigsten Werke an der Wand hingen. Oft genug hatte er selbst sie verkauft.

Am 2. Januar 2021 ist Fritz Bernigshausen gestorben, am 21. Januar fand die Urnenbestattung am Waldfriedhof statt.

Christoph Schnitzer

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