Der „Rosgarten“ am Standort des ehemaligen Minigolfplatzes ist eines der Wohnbauprojekte, die den Altersschnitt in Tölz laut Statistik deutlich anheben.

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Bad Tölz - eine überalterte Stadt

Günstigen Wohnraum schaffen – so lautet eine sehr pauschale Forderung der Tölzer Bürger ans Rathaus. Eine Arbeitsgruppe „Wohnen“ mit Stadträten und Verwaltungsvertretern arbeitet seit Juli an den Grundlagen für eine zukünftige Wohnpolitik der Stadt. Im Stadtrat wurden nun von City-Manager Falko Wiesenhütter erste, sehr interessante Basisdaten und Grundlagen vorgestellt.

Bad Tölz – Günstigen Wohnraum schaffen – so lautet eine sehr pauschale Forderung der Tölzer Bürger ans Rathaus. Eine Arbeitsgruppe „Wohnen“ mit Stadträten und Verwaltungsvertretern arbeitet seit Juli an den Grundlagen für eine zukünftige Wohnpolitik der Stadt. Im Stadtrat wurden nun von City-Manager Falko Wiesenhütter erste, sehr interessante Basisdaten und Grundlagen vorgestellt.

Einwohnerwachstum

Tölz hatte Ende 2016 exakt 19 096 Einwohner und ist laut den sehr zuverlässigen Einwohnermeldeamts-Daten seit dem Jahr 2000 im Schnitt um 142 Bewohner angewachsen. Das sind 0,8 Prozent. Die amtliche Statistik, die oft auf hochgerechneten Zensusdaten beruht, spricht von 0,6 Prozent. Die Zahl ist deshalb wichtig, weil die Stadt laut Franz Mayer (Grüne) eigentlich nur um 0,5 Prozent im Schnitt wachsen will.

Warum wächst Tölz?

Handelt es sich um Geburtenüberschuss oder Zuzug? Die Antwort ist eindeutig: Zuzug. Tölz hat seit rund 50 Jahren ein Geburtendefizit. Wurden 1960 noch mehr Babys (207) als Verstorbene (173) gezählt, so drehte sich ab 1970 der Trend. Seitdem sterben mehr Personen als geboren werden. Die letzte amtliche Zahl 2014: 172 Geburten stehen 225 Toten gegenüber.

Interessant sind die Zuzugszahlen: Schon 1960 werden 1407 Zuzügler (rund 11 Prozent) gezählt. 2014 waren es 1669 (9 Prozent). In Summe gleicht der Zuzug aber seit Jahrzehnten das Geburtendefizit aus. Zum Vergleich: Auch Wolfratshausen und Holzkirchen haben einen ähnlichen Zuzug wie Tölz. (Wolfratshausen 2014: Rund 1600, Holzkirchen: 1450). Bemerkenswerter Unterschied: Beide Kommunen haben in den vergangenen Jahren immer wieder einen Geburtenüberschuss gehabt.

Altersstruktur

Bad Tölz hat bei der letzten Erhebung 2014 einen Altersschnitt von 45,1 Jahren. Wolfratshausen lag bei 44,7, Holzkirchen bei 42. Der wahre Unterschied wird beim sogenannten Alten-Quotienten deutlich. Dabei wird die Zahl der über 65-Jährigen (also der „Senioren“) ins Verhältnis zu den 20- bis 64-Jährigen (Menschen im arbeitsfähigen Alter) gesetzt. In Tölz sind es 40,5 „Senioren“ pro 100 Einwohner im arbeitsfähigen Alter, in Wolfratshausen 38,5, in Holzkirchen: 29,5.

Wohnbau & Alter

Fontavia-Villen (Buchener Straße), die Ulrich-Bauten (Wilhelmstraße), Rosgarten (ehemaliger Minigolfplatz) und Schlössl-Wiese (Schützenstraße) sind vier größere Wohnbauprojekte der jüngeren Zeit im Tölzer Badeteil. Rund 190 Bewohner sind hier gemeldet, der Altersschnitt liegt bei 57 Jahren. Das ist deutlich mehr als in ganz Tölz (45). Nur ein Drittel ist jünger als 50 Jahre. Nur 11 Personen sind jünger als 14 (6 Prozent). Fazit der Arbeitsgruppe Wohnen: Der Seniorencharakter dieser Wohnprojekte im Kurviertel beschleunigt die Alterung des Badeteils, das, wie die Statistik ebenso ausweist, mit seinen zwei großen Seniorenheimen und Betreutes Wohnen-Einrichtungen ohnehin schon „alt“ ist.

Besserverdiener

Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer zeigt, wie gut die Arbeitnehmer in einer Kommune verdienen. Die Besserverdiener im Oberland sind demnach in Starnberg (827 Euro pro Kopf) daheim, dann folgen im Ranking: Holzkirchen (749), Wolfratshausen (698), Weilheim (616), Miesbach (601), Bad Tölz (566) und Geretsried (562). Zum Vergleich der Landkreis: 608 Euro, Oberbayern: 662. Die Folgerung, die der Tölzer Arbeitskreis daraus zieht: Auch Normal- und Besserverdiener haben in Tölz Mühe, Wohnungen zu finden.

Wohnungsbestand

Tölz hatte Ende 2014 genau 3248 Wohngebäude mit 8872 Wohnungen. Zum Vergleich Holzkirchen: (3620/6696); Wolfratshausen: 3859/8422. Das zeigt, dass der Anteil von Mehrfamilienhäusern und Wohnblöcken in der Kreisstadt höher als bei den Nachbarn ist. Das Thema „günstiger Wohnraum“ ist aufgrund der Vielfalt der Wohnmodelle (etwa klassische Sozialwohnungen, Genossenschafts- sowie Arbeitgeber-Wohnungen) statistisch kaum greifbar.

Soweit einige Grundlagen, mit denen die Arbeitsgruppe und der Stadtrat arbeiten. Zum einen sollen politische Ziele und Vergabekriterien beim Verkauf städtischer Wohnimmobilien entwickelt werden. Nach mehreren Treffen der Arbeitsgruppe kristallisieren sich schon einige Schwerpunktziele heraus: Einheimische, Familien mit Kindern und sozial Benachteiligte stehen demnach besonders im Fokus.

Da sich die rechtlichen Voraussetzungen für klassische Einheimischenmodelle grundlegend geändert haben, will die Arbeitsgruppe auch neue Instrumente der Wohnbaupolitik erarbeiten, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Auch soll städtisches Bauland geschaffen werden, um Wohnbaupolitik steuern zu können. Anfang 2018 sollen diese Instrumente , so die Ankündigung, im Stadtrat vorgestellt werden.

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