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Vor dem Amtsgericht Wolfratshausen wurde der Fahrlehrer verurteilt.

Amtsgericht

Fahrlehrer wegen sexueller Belästigung verurteilt

  • vonRudi Stallein
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Zu 6300 Euro Geldstrafe wurde ein Fahrlehrer am Amtsgericht Wolfratshausen verurteilt. Richter Berger stellt klar: „Ein Übergriff, der so nicht geduldet werden kann.“

Bad Tölz/WolfratshausenDer Richter hat keinen Zweifel: „Das ist ein Übergriff, der so nicht geduldet werden kann und geahndet werden muss.“ Vor ihm auf der Anklagebank sitzt ein Fahrlehrer. Der Mann (53) soll, so steht es in der Anklageschrift, eine in Tränen aufgelöste Fahrschülerin umarmt, auf den Hals und auf den Mund geküsst haben – angeblich wollte er sie trösten. Wegen sexueller Belästigung wurde der Fahrlehrer zu 6300 Euro Geldstrafe verurteilt.

Die Tat ereignete sich am 11. Juli 2018 in einer Gemeinde im Landkreis. Der Angeklagte erinnerte sich genau an das Geschehen und die junge Frau. Es sei die 14. Fahrstunde der „schwierigen und unsicheren Fahrschülerin“ gewesen. Einparken sollte geübt werden. Relativ unvermittelt sei die junge Frau hektisch geworden. Er habe ihr „gut zugeredet, sie gelobt, dann ist sie in Tränen ausgebrochen“, fasste Verteidiger Marc Zinka den Vorfall für seinen Mandanten zusammen. Deshalb habe er ihr eine Hand auf die Schulter gelegt und getröstet: Mädchen, das wird schon. „Aber er hat sie nicht geküsst, das weist er entschieden von sich“, sagte der Rechtsanwalt.

Er habe bereits früh erkannt: „Bei der musst du mit Samthandschuhen ran“, bekräftigte der Angeklagte. „Der Vorwurf, ich sei aggressiv gewesen, ist aus der Luft gegriffen.“

Dem widersprach die Geschädigte. Anfangs sei alles normal abgelaufen. Aber nach der zweiten, dritten Fahrstunde habe sich das geändert. „Ich war immer nervös. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, wurde ich angeschnauzt.“ So sei es auch am Tattag gewesen. „Ich habe wieder irgendwas falsch gemacht. Ich wurde wieder angeschnauzt“, berichtete die Zeugin, die während ihrer Aussage öfter mit den Tränen kämpfte.

Damit sie sich beruhigen könne, habe er sie in ein Wohnviertel dirigiert. Nachdem sie geparkt hatte, habe der Fahrlehrer eine Hand auf ihren Oberschenkel gelegt und sie unvermittelt auf den Mund geküsst. „Ich war wie gelähmt, zu Eis erstarrt“, berichtete die Frau. Erst zwei Tage, während einer Therapiestunde mit ihrer Psychologin, fand sie den Mut, zur Polizei zu gehen. „Ich war total durch den Wind, habe erst gedacht: Ich erzähle es niemandem. Ich vergesse es einfach“, begründete sie die verspätete Anzeige. „Aber es geht nicht nur um mich. So etwas kann doch nicht sein.“

Richter: „Eindruck einer glaubwürdigen Zeugin“

Was sie bei der Polizei berichtet hatte, unterschied sich in einigen Punkten von den Erinnerungen, die sie im Gerichtssaal wiedergab. Verteidiger Zinka sah „aufgrund der erheblichen Abweichungen keine tragfähige Aussagekonstanz gegeben“, die eine Verurteilung rechtfertige.

Er forderte einen Freispruch nach dem Prinzip „Im Zweifel für den Angeklagten“. Der Staatsanwalt hielt wegen der „psychologischen Überforderungssituation“ das Verhalten des Opfers sowie die „geringen Abweichungen“ für „völlig normal“.

Richter Helmut Berger verurteilte den Fahrlehrer zu 70 Tagessätzen à 90 Euro, insgesamt also 6300 Euro. Im Kernbereich, nämlich dem „Schmatzer auf den Mund“, seien die Aussagen der Geschädigten konform, wenngleich er nicht verleugne, dass andere Angaben variierten, sagte Berger in seiner Urteilsbegründung und bekräftigte: „Ich habe den Eindruck, dass da eine glaubwürdige Zeugin vor mir gesessen ist.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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