Leere Klassenzimmer: Ob sich die Schulen ab nächster Woche wieder mit mehr Leben füllen, entscheidet sich voraussichtlich Ende dieser Woche.
+
Leere Klassenzimmer: Ob sich die Schulen ab nächster Woche wieder mit mehr Leben füllen, entscheidet sich voraussichtlich Ende dieser Woche.

Schulen

Bad Tölz: Fallen die Faschingsferien zurecht flach?

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
    schließen

Die Faschingsferien fallen in diesem Jahr aus. Dies stößt auf ganz unterschiedliche Reaktionen. Unklar ist auch noch, wie kommende Woche Unterricht abgehalten wird.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eigentlich wären kommende Woche Faschingsferien. Um aber während der Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen, wurden die Ferien gestrichen (wir berichteten überregional). Dies stößt nicht überall auf Begeisterung. So fordern beispielsweise die Landtags-Grünen um den Eurasburger Hans Urban, die Ferien beizubehalten, um die Schulfamilie zu entlasten. Wie sehen es die Betroffenen im Landkreis?

„Die grundsätzliche Idee war sicher gut gemeint“, sagt Manfred Ilitz, Schulleiter der Realschule Schlehdorf. „Aber alle haben in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet. Ich hätte mir daher gewünscht, dass es Ferien gibt.“ Je nachdem, wie die Anweisung des Ministeriums ausfällt – diese wird für spätestens Freitag erwartet – werde in Schlehdorf kommende Woche Montag und Dienstag eventuell das Unterrichtspensum reduziert. „Die Erholung hätten sich alle verdient.“

„Online unterrichten ist wahnsinnig anstrengend“

„Direkt angesprochen wurde ich zwar nicht von Eltern. Durch die Blume habe ich aber schon von mehreren Seiten gehört, dass eine Pause gut gewesen wäre“, sagt Stephanie Eckert, Schulleiterin der Grund- und Mittelschule Gaißach. Den Lehrern gegenüber sei es unfair. „Wir haben viel Energie in Fortbildungen zum Distanzunterricht gesteckt. Online unterrichten ist wahnsinnig anstrengend. Auch für die Kinder. „Manche können sich zu Hause nur schwer konzentrieren, dann gibt es viele Eltern, die dazu im Homeoffice sitzen.“ Eckert kann sich vorstellen, kommende Woche mit Faschingsthemen den Unterricht aufzulockern. Doch noch stehe gar nicht fest, ob es denn nun Distanzunterricht bleibt oder ob Wechselunterricht für manche Schüler möglich gemacht wird.

Seinen Lehrkräften hätte Christoph Beck, Schulleiter des Gymnasiums Hohenburg, eine Woche ohne Unterricht gegönnt, „denn sie arbeiten sehr fleißig, auch der Distanzunterricht ist fordernd“. Auch habe er von Seiten der Schüler nicht das Gefühl bekommen, dass diese beim Unterrichtsstoff Nachholbedarf hätten. Die Faschingsferien seien eingeführt worden, um Schülern und Lehrern eine dringend notwendige Verschnaufpause zwischen Neujahr und Ostern zu geben.

Schulen können sich erst kurzfristig einstellen

„Wir wissen noch nicht, was nächste Woche auf uns zukommt“, so Beck. Sollte es für weitere Klassen Wechselunterricht mit 1,5 Metern Abstand geben, werde es für die Raumplaner und Hausmeister sehr knapp. Unter umständen werde der Winterwandertag, der sonst am Unsinnigen Donnerstag stattfindet, auf Rosenmontag verlegt. Dabei könnten den Schülerinnen Aufgaben erteilt werden, bei denen sie sich individuell an der frischen Luft bewegen müssen.

Klaus Koch, Leiter des Tölzer Förderzentrums, hätte seinen Lehrern ebenfalls gerne eine Pause gegönnt – wenngleich in den Faschingsferien für die Lehrer noch nie wirklich „frei“ gewesen sei, sondern lediglich kein Unterricht gehalten werden musste. „Andererseits müssen wir auch unsere Schüler bei der Stange halten.“ Er hofft, dass sich irgendwann die Zeit ausgleichen lasse.

„Ich sehe das Ganze zweischneidig“, sagt Maika Kottmair, Lehrerin an der Realschule Hohenburg. „Einerseits wollen wir als Lehrer Solidarität zeigen in der Krise, um die Kinder weiterzubilden und Lücken zu schließen. Andererseits ist der Distanzunterricht eine wahnsinnige Belastung, gerade für die Kleineren.“ Kinder bräuchten ohnehin schon einen langen Atem, „und viele sind jetzt einfach müde“. Schwierig, wenngleich nicht mehr neu, sei die nur kurzfristig mögliche Planung. „Aber wir sind da flexibel.“

„Kinder und Eltern brauchen eine Pause“

Unterschiedlich fallen auch die Meinungen bei den Eltern aus. „Ich gönne den Kindern die Ferien“, sagt Sonja Ibelherr, Mutter einer Erst- und eines Fünftklässlers, aus Bad Tölz. „Auf der anderen Seite würden sie sich echt freuen, wenn sie wieder in die Schule gehen könnten.“ Den Kindern sei ohnehin schon viel Unterricht ausgefallen, findet Lucia Bernhardt, Mutter eines Teenagers, aus Reichersbeuern. Daher sei der Ausfall der Ferien in ihren Augen in Ordnung. „So wie es aussieht sind die meisten nächste Woche ohnehin noch im Distanzunterricht und so oder so zu Hause.“

„Ich bin klar der Meinung, dass sowohl die Kinder als auch die Eltern eine Pause brauchen“, sagt Kathrin Kathan aus Bad Tölz. Ihr Sohn in der neunten Klasse habe täglich von 7.50 bis 13 Uhr Unterricht nach Stundenplan, „wirklich top organisiert“. Das Pensum sei nicht weniger als im Präsenzunterricht. Ihre Tochter sei zu diesem Schuljahr auf die weiterführende Schule gewechselt und brauche Unterstützung. „Wir sitzen täglich teilweise bis in den Nachmittag am Tisch und lernen.“ Die restliche Arbeit bleibe liegen. „Am liebsten wären mir ganz normale Ferien und danach endlich wieder ein Start in den Präsenzunterricht. Auch wenn wir uns bemühen, wir können weder Lehrer, noch Freunde und Kontakte ersetzen, die vor allem die Kinder so dringend brauchen.“

Lesen Sie auch:

Coronavirus im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Neun Patienten der Lenggrieser Fachklinik positiv getestet

Tölzer Leonhardiabend fürs Wohnzimmer

Post in Lenggries zieht von der Reiter-Säge in die Kaserne um

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare