Neue Details bekannt

Flammen-Inferno in Bad Tölz: So erlebte eine Mutter die Unglücksnacht

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  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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  • Marion Neumann
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  • Silke Scheder
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In Bad Tölz hat ein Blitz einen Dachstuhlbrand verursacht. Ein Großeinsatz mit zahlreichen Rettern war die Folge. Nun sind neue Details bekannt.

  • In Bad Tölz stand am Mittwochabend (1. Juli) der Dachstuhl eines Hauses in Flammen.
  • In das Mehrfamilienhaus schlug offenbar ein Blitz ein.
  • Die Bewohner wurden in einer Notunterkunft untergebracht.

Update, 3. Juli, 9.50 Uhr: So erlebte eine Mutter die Unglücksnacht am Lettenholz: Ein greller Blitz, dann gehen die Lichter aus. Gleichzeitig hört Desirée Luttuschka einen lauten Knall, spürt eine Druckwelle durch das Mehrfamilienhaus am Lettenholz 45 rasen. Sie rennt nach draußen, sieht den Widerschein des Feuers auf dem gegenüberliegenden Gebäude, blickt nach oben – und beginnt zu schreien. 

„Wir haben an alle Türen geklopft und geschrien“

In diesem Moment am Mittwoch gegen 21.45 Uhr hat Desirée Luttuschka nur noch einen Gedanken im Kopf: ihre vier Kinder und ihre Haustiere in Sicherheit zu bringen. Zusammen mit ihrem Mann holt sie ihre Tochter und die drei Söhne aus den Betten und bringt sie zusammen mit Hund und Katze ins Freie. Danach rennt das Paar noch einmal ins Haus. „Wir haben an alle Türen geklopft und geschrien“, sagt die 41-Jährige. Ihr Mann wagt sich sogar hoch ins Dachgeschoss, um die Nachbarn vor dem Feuer zu warnen, das sich sehr schnell ausbreitet.

 „Der Dachstuhl hat in Nullkommanichts lichterloh gebrannt“, schildert Margot Kirste. Die ehemalige SPD-Statdrätin hat das Geschehen von ihrem Balkon aus verfolgt. Den Blitzeinschlag beschreibt sie als ohrenbetäubend. „Ich habe mich gleich weggeduckt, so laut hat es gescheppert.“ Kirste zeigt sich erschüttert angesichts solcher Naturgewalten. Und von der Vorstellung, wenn der Blitz ein paar Meter weiter eingeschlagen wäre – sie lebt in einer Dachgeschosswohnung, die Luftlinie nur rund 200 Meter entfernt vom Unglücksort liegt.

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Der Schreck sitzt der Familie in den Knochen

 Margot Kirste war eine der ersten, die den Notruf gewählt hat. Sie rief auch Bürgermeister Ingo Mehner und den evangelischen Dekan Martin Steinbach an, um eine Notunterkunft für die 75 betroffenen Anwohner zu organisieren. Viele von ihnen standen unter Schock. „Ein paar Bewohner mussten vom Kriseninterventionsdienst betreut werden“, sagt BRK-Einsatzleiter Michael Weisenbach. Auch Desirée Luttuschka und ihrer Familie sitzt der Schreck nach wie vor tief in den Knochen. „Meine Tochter ist noch ziemlich durch den Wind, um es mal vorsichtig auszudrücken.“ Das Mädchen wird am Samstag neun Jahre alt. Ihre drei Söhne im Alter zwischen acht und 16 Jahren seien „stabil“, sagt die ehemalige SPD-Kandidatin für den Tölzer Stadtrat. 

Update, 18.29 Uhr: Nur fünf Minuten nach der Alarmierung am Mittwochabend (1. Juli) trafen die ersten Kräfte der Tölzer Feuerwehr am Brandort ein. „Da hat der Dachstuhl auf der kompletten Länge lichterloh gebrannt“, sagt der Tölzer Kommandant Thomas Fuchsgruber. Von der Drehleiter aus – später kamen noch die Einsatzfahrzeuge aus Geretsried und Holzkirchen hinzu – begannen die Löscharbeiten. Gleichzeitig arbeiteten sich Einsatzkräfte innen Richtung Dach vor. „Als wir angekommen sind, war unklar, ob wirklich alle Wohnungen leer sind“, sagt Fuchsgruber.

Dachstuhlbrand in Bad Tölz: Kurzer Schockmoment bei der Polizei

Polizei und BRK hätten aber rasch den Aufenthaltsort jedes Bewohners recherchiert. „Es gab einen kurzen Schockmoment, weil wir nicht wussten, was mit einer Familie ist“, sagt Andreas Rohrhofer, stellvertretender Leiter der Tölzer Polizeiinspektion, in einer Pressekonferenz der Stadt. Es habe sich aber herausgestellt, dass die Familie zum Zeitpunkt des Brands in München war. Schnell stand fest: Die 20 Einheiten in dem Gebäude mit den Hausnummern 41 bis 45 sind geräumt. „Damit konnten wir uns ganz aufs Löschen konzentrieren“, so Fuchsgruber.

Bad Tölz: Blitz schlägt in Wohnhaus ein - Einige der Bewohner kommen beim Pfarrer unter

Hauptbrandort war die Nummer 45. Recherchen zum Blitzeinschlag zeigten später, dass es wohl „neun Entladungen im Abstand von 20 bis 40 Millisekunden gab“, sagt Rohrhofer. Ziel der Feuerwehr war es, „die Ausbreitung des Brands in Richtung der anderen Hausnummern zu verhindern“, schildert Kommandant Fuchsgruber. Glücklicherweise gebe es dort eine Brandwand zwischen den Gebäudesegmenten, die Schlimmeres verhinderte. 

Die 75 Bewohner wurden vom BRK ins Bergwachtzentrum gebracht. Ein Bewohner habe ambulant behandelt werden müssen, sagte Michael Weisenbach, Einsatzleiter Rettungsdienst. Das BRK kümmerte sich auch um die Verpflegung, während das Landratsamt Betten bereitstellte. Am Ende übernachteten aber nur neun Personen im Rettungszentrum. „Alle anderen sind bei Nachbarn, Bekannten oder dem Pfarrer untergekommen“, so Weisenbach.

Flammen-Inferno in Bad Tölz: Blitz schlägt in Wohnhaus ein - sofortige Reaktion von Anwohner rettet womöglich Leben

Update, 10.36 Uhr: Aufgrund des Schadensbilds besteht laut Polizei bei dem Gebäude der Verdacht auf Einsturzgefahr, weshalb ein Statiker hinzugezogen wird. Die Bewohner des Hauses „Am Lettenholz 41“ konnten mittlerweile in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Zugänge zu den Wohnungen mit den Hausnummern 43 und 45 bleiben bis zur abschließenden Begutachtung durch einen Statiker gesperrt. Die betroffenen Bewohner sind entweder in der Notunterkunft oder bei Familien und Freunden untergekommen.

Update, 9.21 Uhr: Im Einsatz waren am Mittwochabend rund 100 Kräfte der Feuerwehren aus Bad Tölz, Greiling, Reichersbeuern, Geretsried und Holzkirchen. Dazu kam die Kreisbrandinspektion mit der Unterstützungsgruppe Örtlicher Einsatzleiter. Das BRK war mit vier Rettungwagen, einem Notarzt und der Schnell-Einsatzgruppe vor Ort.

Dachstuhl-Brand in Bad Tölz: Bewohner entdeckte Feuer und alarmierte alle Nachbarn

Die Nachlöscharbeiten dauerten laut Stefan Kießkalt, Sprecher der Kreisbrandinspektion, bis in die frühen Morgenstunden am Donnerstag. Er schildert den Einsatz: „Aufgeschreckt durch den Blitz und das sofortige Krachen entdeckte ein Bewohner des Mehrfamilienhauses eines Reihenhauskomplexes das Feuer. Innerhalb kürzester Zeit stand der Dachstuhl in Flammen. Er setzte einen Notruf ab und rief alle Nachbarn auf, das Gebäude zu verlassen. Der Feuerschein war bereits von Weitem sichtbar und ein größeres Ausmaß sofort erkennbar.“ 

Die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr ließen daraufhin weitere Kräfte nachalarmieren, berichtet Kießkalt weiter. „Es wurde ein umfassender Löschangriff sowohl über die Drehleiter, als auch über mehrere Trupps im Innenangriff begonnen. Im weiteren Verlauf wurde eine zweite Drehleiter eingesetzt, um von beiden Seiten auf das Dach zugreifen zu können. Für die betroffenen Bewohner der Gebäude des Reihenhauskomplexes wurde eine Notunterkunft und Notbetreuung in der nahegelegenen Bergwachthalle eingerichtet. Die Betreuung wurde vom BRK mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften durchgeführt.“

Dachstuhl in Bad Tölz in Vollbrand: Polizei schätzt Schaden auf 500.000 Euro

Update, 8.05 Uhr: Bei dem vermutlich nach einem Blitzeinschlag in einen Dachstuhl entstandenen Vollbrand in einem Mehrfamilienhaus in Bad Tölz ist ein Schaden von mindestens 500 000 Euro entstanden. Nachdem ein Feuer ausgebrochen sei, seien 75 Bewohner des großen Mehrfamilienhauses in Sicherheit gebracht worden, teilte ein Polizeisprecher am Donnerstag mit.

Im örtlichen Bergwachtzentrum wurden die Bewohner nach dem Einsatz am späten Mittwochabend untergebracht. Schwerer verletzt wurde glücklicherweise niemand. Lediglich eine Person habe eine leichte Rauchgasvergiftung erlitten, so die Polizei. Die Löscharbeiten beanspruchten mehrere Stunden. Am Donnerstagmorgen war das Feuer gelöscht.

Flammen-Inferno in Bad Tölz: Blitz schlägt in Wohnhaus ein - Bewohner müssen in Notunterkunft

Update 2. Juli, 6.15 Uhr: Über ganz Bad Tölz war das Flammen-Inferno am Mittwochabend zu sehen. Gegen 21.45 Uhr soll es zu einem Blitzeinschlag in ein Mehrfamilienhaus gekommen sein. Mehrere Notrufe waren bei der Feuerwehr eingegangen. Verletzt wurde offenbar niemand. 

Über 100 Einsatzkräfte kämpften bis weit in die Nacht gegen die Flammen und Glutnester. Dachplatten mussten entfernt werden, um auch an die letzten Brandherde zu gelangen. 

Etwa 80 Bewohner mussten laut ersten Informationen aus ihren Wohnungen fliehen. Sie wurden vom Roten Kreuz in einer Notunterkunft untergebracht. Erst im Laufe des Donnerstags soll begutachtet werden, welche Wohnungen noch bewohnbar sind.

Großbrand in Bad Tölz: Dachstuhl von  Mehrfamilienhaus in Flammen - Blitzschlag als Ursache?

Update, 22.53 Uhr: Zur Stunde (Mittwoch, 22.27 Uhr) läuft in Bad Tölz ein Großeinsatz der Feuerwehren. Am Lettenholz auf der Tölzer Flinthöhe brennt der Dachstuhl eines Wohnblocks. Die Alarmierung der Feuerwehren erfolgte gegen 22 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt schlugen  aus einem Teil des Dachs bereits Flammen, die sich immer weiter vorwärts fraßen.

Die Aktiven der Feuerwehren begannen sofort mit dem Löscharbeiten. Die Bewohner hatten zu diesem Zeitpunkt das Haus bereits verlassen. Knapp eine halbe Stunde nach der Alarmierung, war eine Seite des Dachs mit Hilfe der Drehleiter der Tölzer Wehr von außen bereits abgelöscht, wie Hermann John von der Tölzer Feuerwehr gegen 22.30 Uhr berichtete. Um auch von der anderen Seite gezielt löschen zu können, wurde die Drehleiter der Geretsrieder Brandschützer zur Unterstützung angefordert.  Erst danach können von Innen mit den Löscharbeiten begonnen werden, erklärt John. 

Zahlreiche Feuerwehrleute waren am Mittwochabend im Einsatz.

Brand in Bad Tölz: War ein Blitzschlag die Ursache?

Zum Zeitpunkt des Brands zog gerade ein Gewitter über Bad Tölz. „Wenn man sich die Entwicklung des Feuers anschaut, könnte die Ursache ein Blitzschlag gewesen sein“, sagt John. 

Großbrand in Bad Tölz: Blitz schlägt offenbar in Mehrfamilienhaus ein - Bewohner evakuiert

Erstmeldung:

Bad Tölz - Nach einem Blitzeinschlag kam es in Bad Tölz zu einem Dachstuhlbrand. Laut einer Meldung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd teilten mehrere Anrufer der Einsatzzentrale als auch bei der Integrierten Leitstelle mit, dass der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses in Bad Tölz, Am Lettenholz, durch einen Blitzeinschlag in Brand gesetzt wurde.

Ein Großaufgebot an Einsatz-/Rettungskräften und Feuerwehren ist aktuell im Einsatz. Die Bewohner werden derzeit evakuiert. (nema)

Schwere Unwetter zogen am Mittwochabend über den Süden Bayerns - der Deutsche Wetterdienst hatte vor heftigen Gewittern und Starkregen gewarnt

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