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Der Antikörper-Test wird mittels einer Blutabnahme durchgeführt.

Neue Möglichkeit seit Juli

Freiwillige Corona-Tests nicht für jeden sinnvoll

  • Melina Staar
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Viele Menschen fragen sich: Trage ich das Coronavirus aktuell in mir? Oder hatte ich es schon – und hab’ es nur nicht gemerkt? Um das herauszufinden, gibt es verschiedene Möglichkeiten – aber sie sind nicht für jeden sinnvoll.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wer mit Symptomen wie Halsweh, Husten oder Fieber kämpft, wurde seit Beginn der Corona-Krise häufig auf das Virus getestet – die Kosten trug die Krankenkasse. Seit Anfang Juli können in Bayern auch Menschen ohne Covid-19-spezifische Symptome bei ihrem Hausarzt einen Abstrich anfragen. Diese Tests sind freiwillig, die Kosten trägt der Freistaat.

Vereinzelte Anfragen von Patienten habe er schon erhalten, sagt der Münsinger Allgemeinarzt Dr. Jörg Lohse. „Aber die spezielle Bayern-Lösung ist etwas schwer zu realisieren.“ Die praktische Umsetzbarkeit dürfte sich noch ziehen. Das Problem sei, dass inzwischen manche Strukturen weggefallen seien – so etwa die Drive-In-Teststation, die Dr. Lohse auf Privatinitiative betrieb. „Die Leute, die einen Abstrich brauchen, irren jetzt durch die Gegend.“ Die Station auf der Tölzer Flinthöhe ist noch in Betrieb. Dort testet aber derzeit nur noch das Gesundheitsamt, nicht aber Hausärzte und Kassenärztliche Vereinigung.

Grundsätzlich findet Lohse es „extrem sinnvoll“, dass ein niederschwelliger Test angeboten wird. In seiner Drive-In-Station konnte sich bislang schon jeder testen lassen, der mit Fieber oder etwa Halskratzen zu kämpfen hatte – was auch die Kasse zahlte. „Und auch wenn man manchmal anderes hört: Die Testkapazitäten waren nie an ihren Grenzen.“ Für asymptomatische Patienten seien die Tests überflüssig. Aber eine dritte Gruppe könnte durch die neue Regelung des Freistaats profitieren: Patienten, die vor einer Operation stehen oder aufgrund einer Krebserkrankung eine Chemotherapie benötigen. „Die hingen bis jetzt in der Luft. Die Kliniken haben oft einen negativen Corona-Test von ihnen verlangt.“ Wurde der nicht von der Klinik übernommen, mussten Patienten etwa 150 Euro dafür zahlen.

Münsinger Hausarzt: Zahl der Tests geht wieder hoch

In der „heißen Zeit“, sagt Lohse, habe er bis zu 250 Tests pro Woche gemacht. Dann waren es elf bis zwölf. „Jetzt geht die Zahl gerade wieder hoch, wir sind bei etwa 30 pro Woche.“

„Wann sollen wir denn die Tests alle machen?“, fragt Hausarzt Dr. Matthias Bohnenberger aus Bad Tölz. Vor allem mache eine Testung nur Sinn, wenn sie mehrmals wiederholt werde. Seine Praxis müsse wohl alle, die einen solchen freiwilligen Test vornehmen lassen wollen, in einem zeitlichen Fenster zusammenfassen. Dann müsste der Arzt nur einmal für mehrere Personen in den Schutzanzug schlüpfen.

Da diese Tests nicht selbst bezahlt werden müssen, kann sich Bohnenberger schon vorstellen, dass die Möglichkeit in Anspruch genommen werde. „Aber ob es so sinnvoll ist, sich ganz ohne Beschwerden testen zu lassen?“ Etwas anders sei dies etwa bei Lehrern, Krankenschwestern oder Pflegepersonal. Für diese könne auch der Antikörper-Test sinnvoll sein – also jener Nachweis, ob die Infektion vielleicht schon durchgemacht wurde.

Der Antikörper-Test mache bei allen anderen nur dann Sinn, wenn eine Covid-19-Infektion sehr wahrscheinlich vorlag, sagt Dr. Stefan Krafft, Hausarzt aus Wolfratshausen. Bislang sei es bei ihm in der Praxis nicht vorgekommen, dass ein Antikörper-Test positiv bei jemandem ausfiel, bei dem man es nicht vermutet hatte. „Die Tests sind auch nicht so zuverlässig.“ Für Studienzwecke könnten die Ergebnisse interessant sein. „Aber wir raten eher davon ab.“

Antikörper-Test eher nur statistisch interessant

„Viele denken, sie waren doch in diesem Jahr krank, das sei sicher Corona gewesen“, sagt Dr. Bohnenberger. Auch bei sich selbst habe er einen Antikörper-Test gemacht – aus reinem Interesse. Aber auch dieser sei negativ ausgefallen.

Als statistisch interessant bezeichnet auch Dr. Lohse den Antikörper-Test. Allerdings sieht er ebenfalls die Fehleranfälligkeit als Problem an. „Wenn man die Menschen im ganzen Landkreis testen würde, wären wahrscheinlich gleich viele Ergebnisse falsch positiv wie richtig positiv“, sagt er. Bei manchen Gruppen seien Tests aber sinnvoll. Auch, wenn beispielsweise klare Symptome vorlagen, der Abstrich aber negativ war, könne man im Nachhinein Klarheit erlangen.

So geschehen bei einer Patientin: „Sie hatte einen Geschmacks- und Geruchsverlust erlitten. Der Corona-Test war aber negativ.“ Der Antikörper-Test zeigte dann aber, dass sie eine Covid-19-Infektion hatte. Von den zwölf Tests, die in seiner Praxis gemacht worden seien, seien vier positiv auf Antikörper ausgefallen – diese seien aber zu erwarten gewesen. „Wir hatten auch Fälle, da war der Familienvater krank, aber der Rest der Familie hatte keine Antikörper“, so Lohse. Das sei erstaunlich. „Wir lernen jede Woche dazu.“

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