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Hochbetrieb auf der Baustelle: Im oberen Teil der Tölzer Nockhergasse werden diese Woche die Hausanschlüsse zu den neuen Leitungen gelegt.

Bauarbeiten in der Nockhergasse

Hindernislauf zur Ladentür

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Die Geschäfte in der Nockhergasse leiden unter der Baustelle. Viele reagieren auf die Sperrung: Sie machen Urlaub oder öffnen weniger.

Bad Tölz – Tiefe Gruben klaffen in der Straße, es kracht und dröhnt an jeder Ecke. Bagger manövrieren, dazwischen bahnt sich – soweit möglich – das ein oder andere Auto seinen Weg zwischen den Löchern, und vereinzelte Fußgänger huschen an den Bauarbeitern vorbei: Im oberen Teil der Tölzer Nockhergasse herrscht reger Baustellenbetrieb. Deutlich ruhiger geht es hinter den Häuserfassaden zu: In den Geschäften bleibt baustellenbedingt ein Teil der Kundschaft aus.

Viele Geschäfte machen eine Art Zwangsurlaub. „Wir haben ab 10. September wieder geöffnet“, verlautbart ein Schild am Geschäft Eimansberger Orthopädie-Schuhtechnik. Im Schaufenster des Modegeschäfts Calvari ist Pause bis 19. August. Ofenbau Harrer macht – außer montags und freitags – nur noch vormittags auf.

Montags geschlossen hat seit Beginn der Arbeiten „Der Pralinenladen“. Inhaberin Barbara Amberger sagt aber: „Ich hätte es mir schlimmer vorgestellt.“ Im Sommer hätten Pralinen ohnehin nicht gerade Hochsaison – deswegen ist der anstehende Betriebsurlaub ab der kommenden Woche auch ein ganz regulärer. Solange offen ist, „leben wir von unserer Stammkundschaft“, betont Amberger. Wer zum Beispiel bestimmte Kaffeespezialitäten sucht, der findet weiter den Weg in den Pralinenladen. „Die Kunden, die hier schnell vor der Tür geparkt haben, gehen uns natürlich ab“, schränkt die Geschäftsfrau ein. Eine tägliche Überraschung sei es, wo genau die Straße jeweils gerade offen sei und wo gebaggert werde. „Aber die Arbeiter sind alle sehr nett und schauen, dass ich reinkomme. Hoffen wir, dass es so weitergeht.“

Im Restaurant Amalfi ist Betriebsurlaub normalerweise ein Fremdwort. „Aber als jetzt die Bagger direkt vor unserer Tür waren, haben wir spontan zwei Wochen zugemacht“, sagt Wirt Antonio Corrado. Und auch jetzt „ist wenig los“, stellt Corrado fest. Und: „Wegen des Staubs müssen wir die Tür geschlossen halten“, sagt der Wirt, beklagt sich aber nicht. „Es muss eben irgendwann gemacht werden – und zumindest geht es gut voran.“

Von Optimismus nichts zu spüren ist bei Metin Daloglu, dem Inhaber der Änderungsschneiderei Express. „Ich habe keinerlei Einkommen“, klagt er. „Die Kunden wollen einfach mit dem Auto vorfahren.“ Wie es weitergehen soll? Daloglu ist ratlos.

„Man merkt, dass die Laufkundschaft sehr wenig geworden ist“, konstatiert auch Roman Prescher, Inhaber des Geschäfts „Isar Mac“. Paradoxerweise „habe ich trotzdem sehr viel zu tun“, ergänzt er. Schon öfter sei es zuletzt aber passiert, dass die Kunden es nicht vor Ladenschluss zu ihm schafften, weil ihnen der Weg abgeschnitten war. Wenn Prescher wusste, dass jemand noch kommt, wartete er deshalb gelegentlich bis nach 18 Uhr, „bis derjenige dann fluchend hereinkam“.

Was Prescher nach wie vor unglücklich findet, ist, dass die Stadtwerke die Baustelle nicht frühzeitig angekündigt hatten. „Wir hätten uns dann wappnen können, zum Beispiel Werbung machen.“

Kritik übt auch Florian Langheinrich vom gleichnamigen Elektrogeschäft an der Bairawieser Straße. Um dorthin vorzudringen, muss man sich gerade an einem besonders großen Loch in der Erde vorbeitrauen, weil die Kanalisation erneuert wird. „Ich finde die Baustellen schlecht koordiniert“, sagt Langheinrich. Es müsse doch nicht alles gleichzeitig gemacht werden. „Die Stammkunden bahnen sich noch den Weg zu uns“, sagt der Geschäftsmann. Und zum Glück sei der Außendienst ein wichtiges Geschäftsfeld für das Elektrogeschäft. „Aber wenn wir nur vom Verkauf leben würden, dann hätten wir dicht machen müssen.“

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