Einstimmig wiedergewählt: Ulla Schneiders leitet weiter den Tölzer Carsharing-Verein „Stattauto Isarwinkel“.
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Einstimmig wiedergewählt: Ulla Schneiders leitet weiter den Tölzer Carsharing-Verein „Stattauto Isarwinkel“.

Carsharing

Bad Tölz: Hinter „Stattauto Isarwinkel“ liegen schwierige Monate – Neue Ideen und Sparkurs als Ausweg

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Hinter dem Carsharing-Verein Stattauto Isarwinkel liegen finanziell schwierige Zeiten. Doch nun ist Licht am Ende des Tunnels zu erkennen.

Bad Tölz - Die endgültige Wende zum Guten soll ein Senioren-Fahrdienst bringen, der in Planung ist. „Es kann allerdings noch ein, zwei Monate dauern, bis es soweit ist“, erläuterte die einstimmig wiedergewählte Vorsitzende Ulla Schneiders in der virtuellen Mitgliederversammlung am Mittwochabend.

Zwischenzeitlich hatte Stattauto Isarwinkel eine Flotte von vier Fahrzeugen. Doch diese waren mehr als der Verein bezahlen konnte. Um über die Runden zu kommen, musste die alte Vorstandschaft auf Einlagen zurückgreifen. Diese lagen am Jahresende 2019 bei nur noch 4500 Euro – statt der eigentlich nötigen 10 000 Euro. „Wenn man 5500 Euro zu wenig in der Kasse hat, ist das schon beängstigend“, gab Kassierin Irmi Rockelmann zu. Um dem Defizit Herr zu werden, verordnete die Vorstandschaft dem Verein einen Sparkurs. So sind mittlerweile nur noch zwei Fahrzeuge im Einsatz – ein Opel Karl, der in der Nähe des Bahnhofs steht und ein Opel Corsa, der zwischenzeitlich an der Stadtbibliothek beheimatet war. Dieser Standort habe sich jedoch als nicht ideal erwiesen berichtete Schneiders: „Er hat da viele Parkdellen bekommen, und oft war der Stellplatz beim Zurückkommen nicht frei.“

Mit Fahrdienst für Senioren aus der Finanzkrise

Den Opel Corsa versuchte die Vorstandschaft zu einem guten Preis zu verkaufen – vergeblich. In dieser Situation sprang ein Vereinsmitglied in die Bresche, der das Auto für ein paar Monate auslieh, obwohl er es nur selten braucht. „Letztlich ist das für uns eine versteckte Spende“, sagte Schneiders. Außerdem versuchte die Vorstandschaft die Einnahmen zu erhöhen. So wurde im Juni eine Bereitstellungsgebühr von vier Euro je Monat eingeführt. Diese Gebühr ist nach Ansicht der Vorsitzenden gerecht: „Auch diejenigen, die nicht fahren, profitieren davon, wenn ein Auto dasteht.“

Durch die Sparmaßnahmen und de Gebührenerhöhung hat sich die finanzielle Situation verbessert. Seit längerer Zeit erwirtschaftet der Verein nun jeden Monat ein kleines Plus zwischen 100 und 180 Euro. In der Kasse fehlten zum Jahresende 2020 nur noch 1000 Euro. „Es geht also in die richtige Richtung“, sagt Rockelmann. „Unser Ziel ist, die Einlagen so aufzufüllen, dass wir sie zurückzahlen können, wenn der Verein aufgelöst werden würde.“

Sparmaßnahmen und Gebührenerhöhung geplant

Die wichtigsten Einnahmeposten waren im vergangenen Jahr Mitgliedsbeiträge (1100 Euro), Fahrtgebühren (5800 Euro), Bereitstellungsgebühren (1300 Euro) und die staatliche Corona-Hilfe (1100). Dicke Ausgabenposten waren Leasinggebühren (3300 Euro) und Benzinkosten (870 Euro).

Die Kehrseite des Sparkurses: Die Anzahl der gefahrenen Kilometer hat sich seit 2019 halbiert. 8133 Kilometer legten die Mitglieder mit dem Opel Karl zurück, 3395 Kilometer mit dem Opel Corsa. „11 700 Kilometer mit zwei Autos sind nicht viel bei 27 fahrenden Mitgliedern“, kommentierte Schneiders. Insgesamt haben den Verein sechs Mitglieder verlassen. Grund sei vor allem die Einführung der Bereitstellungsgebühr gewesen.

Mittelfristige Aufstockung der Fahrzeugflotte

Um für neue Mitglieder attraktiver zu werden, will der Verein mittelfristig seine Fahrzeugflotte wieder aufstocken. Damit dies möglich wird, plant Schneiders einen Fahrdienst für Senioren. Es gehe nicht darum, Taxi-Unternehmen Konkurrenz zu machen. Sie denke eher an Ausflugsfahrten oder Rundtouren durch Tölz. Die Zielgruppe sei klar: „Menschen, die besser nicht mehr Autofahren sollten und trotzdem mobil bleiben wollen.“ Momentan liefen die Gespräche mit Geldgebern für das Projekt.

Das Vorhaben wird eine veränderte Vorstandschaft angehen. Zum Nachfolger der Kassierin Irmi Rockelmann wurde einstimmig Erich Zimmermann gewählt, der 18 Jahre lang „Teilauto Weilheim“ geleitet hat. Um die Finanzen kümmert sich künftig Sabine Ortkraß.

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