Simulation der neu beleuchteten Marktstraße: Die Giebel und Unterseiten der vorspringenden Dächer werden angestrahlt und betont.
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Simulation der neu beleuchteten Marktstraße: Die Giebel und Unterseiten der vorspringenden Dächer werden angestrahlt und betont.

Ideen im Bauausschuss

Stadt arbeitet an neuem Konzept: Bad Tölz ins rechte Licht rücken

  • Christoph Schnitzer
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Wie kann man das historische Tölzer Ortsbild besser ins Licht rücken, gleichzeitig Energie sparen und auch noch aktiven Naturschutz betreiben?

VON CHRISTOPH SCHNITZER

Bad Tölz – Antworten soll ein Lichtkonzept geben, das die Stadt in Auftrag gibt und das langfristig umgesetzt werden soll. Dass man mit Licht zaubern kann, das haben die Tölzer 2006 erfahren, als zum Stadtjubiläum die Marktstraße per Lichtinstallationen in ein ganz neues Licht gerückt wurde. Architektonische Details wurden einmal betont, dann wieder verfremdet, in kaltes und warmes Licht getaucht und so einmal mehr die Einzigartigkeit der Altstadt herausgearbeitet. Die Einheimischen und viele Besucher waren begeistert.

Von der Einmaligkeit der Tölzer Stadt ist auch der Bruckmühler Lichtplaner Michael Schmidt überzeugt. Der Professor an der Uni Augsburg erkennt eine „wahnsinnige Qualität“ in dem Ortsbild. Er glaubt, sagt er auf Nachfrage, dass viele Tölzer gar nicht wissen, was sie da haben. Schmidts Job soll es sein, daran etwas zu ändern. Seit etwa zwei Jahren arbeitet die Stadt am Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK), das künftig wichtige Grundlage für staatliche Zuschüsse sein wird. Teil davon ist auch ein Lichtkonzept für den öffentlichen Raum. „Ich freue mich, dass ich daran arbeiten darf“, sagt Schmidt.

Er stellte jetzt im Tölzer Bauausschuss eine Planungskonzeption vor. Licht ist nicht gleich Licht. Es geht, wie Bürgermeister Ingo Mehner einleitend sagte, um die Themen Insektenfreundlichkeit, Lichtverschmutzung, Energieeffizienz, bessere Ausleuchtung und Sicherheitsgefühl. Und natürlich darum, die historischen und bemerkenswerten Orte und Stadtviertel von Tölz in Szene zu setzen. Und zwar möglichst mit Leuchtmitteln derselben Formensprache. Am Kurhaus sind zum Beispiel auf überschaubarem Raum gleich drei verschiedene Beleuchtungen zu finden, erläuterte Stadtbaumeister Florian Ernst, der das Projekt von Stadtseite her betreut. Was die Leuchten betrifft, will Schmidt das Rad nicht neu erfinden. Die – 1965 eingeführten – Tölzer Hillerbrand-Leuchten seien einzigartig und von interessanter Form. Der Einbau der neuen LED-Technik sei allerdings nur in einer nachgebauten Form möglich. „Das kann aber jeder gute Schlosser machen.“

Schmidt zeigte sich von den Möglichkeiten der Marktstraße begeistert. Vor allem mit indirekter Beleuchtung, wie man sie beim Christkindlmarkt beobachten könne, seien erstaunliche und schöne Effekte zu erzielen. Er zeigte dem Ausschuss Simulationen, wie die überstehenden Dächer und Giebel der nächtlichen Marktstraße ausschauen könnten.

Eine Hillerbrand-Leuchte am Mädchenschulhaus. Ihre Form soll überarbeitet, aber beibehalten werden.

Er empfahl grundsätzlich eine etwas wärmere Lichtfarbe, etwa 2700 Kelvin. Mit geringeren Blauanteilen sei das Licht dann auch nicht so insektenanziehend. Man könne übrigens, so Schmidts Rat, in manchen Ortsbereichen, das Licht ab 1 Uhr nachts einfach auch ganz ausschalten.

Die Stadträte waren durchwegs angetan, hatten aber eine Menge Fragen und Anregungen. Josef Steigenberger (CSU) vermisste zum Beispiel an dem Konzept, dass die schönen Fresken der Marktstraße offenbar nicht beleuchtet werden. Außerdem wollte er wissen, „ob hier die Nacht zum Tage gemacht wird“. Nein, nein, beschwichtigte Schmidt, „auf keinen Fall. Wir wollen das Niveau nicht nach oben schrauben. Das Licht soll gleichmäßiger und wärmer werden.“ Im Übrigen sei es derzeit vor allem das Schaufenster-Licht, das für die nächtliche Helligkeit sorge. Und die Fresken könne man natürlich auch beleuchten.

„Werden die Anlieger kostenmäßig beteiligt?“, wollte Karsten Bauer (CSU) wissen. Nein, übernahm Bauamtsleiter Christian Fürstberger die Antwort. Die Straßenausbaubeitrags-Satzung gebe es nicht mehr. Also werde mit Steuergeld gearbeitet. Eine Bezuschussung bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten sei aber möglich. Der Anteil der Anwohner beschränke sich in erster Linie darauf, „dass sie uns auf die Fassade lassen“. Ein Thema werde das als erstes bei der Sanierung des Jungmayrplatzes sein.

Matthias Winter (CSU) erkundigte sich bei Schmidt, ob die Leuchten mit Solarpaneelen ausgerüstet werden könnten. Wohl eher nicht, erwiderte Schmidt. Für Solarmodule würden die Hillerbrand-Leuchten nicht genügend Fläche bieten. Solarbetriebene Lampen seien generell eher im Außenbereich ein Thema, „wo man keine Stromleitung hinbauen will“. Die neuen Leuchten sollen auch abblendbar sein, antwortete der Professor auf eine Frage von Anton Mayer (CSU), der zu großen Lichteinfall in manchen Schlafzimmern befürchtete. Man könne mit der neuen Lichttechnik überdies deutlich zielgerichteter beleuchten.

Michael Lindmair (FWG) freute sich schließlich, dass die Hillerbrand-Leuchte in Ehren gehalten werde. Der Tölzer Designer und Kunstprofessor Josef Hillerbrand sei immerhin ein namhafter Art-déco-Vertreter gewesen. Anton Mayer nahm die Diskussion zum Anlass, für sein Heimatdorf Ellbach um Verbesserungen zu bitten. Im Bereich Kirchenweg sei es stockduster. „Die alten Leute sollen keine Taschenlampen mehr mitnehmen müssen.“ Die Verwaltung will das nun prüfen. Einmütig würde ansonsten dem Entwurf des Lichtkonzepts und weiteren Planungsschritten zugestimmt.

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