1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Isarleitenweg-Anwohner wehren sich gegen Wohnbebauung: „Nicht zu akzeptieren“

Erstellt:

Von: Andreas Steppan

Kommentare

Betrachten den Bebauungsplan Isarleitenweg kritisch (v. li.): Die Anwohner Gerlinde Harbeck, Gabriele Mettal und Max Hildenbrand auf dem Grundstück, auf dem Wohnhäuser entstehen sollen.
Betrachten den Bebauungsplan Isarleitenweg kritisch (v. li.): Die Anwohner Gerlinde Harbeck, Gabriele Mettal und Max Hildenbrand auf dem Grundstück, auf dem Wohnhäuser entstehen sollen. © Arndt Pröhl

Auf einem Grundstück zwischen Gabriel-von-Seidl- und Isarleitenweg in Bad Tölz soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. Anwohner verbinden mit dem Vorhaben massive Befürchtungen.

Bad Tölz – Einst war auf dem Grundstück ein Hotel vorgesehen. Nachdem sich dieses Projekt 2017 zerschlagen hatte, reservierte die Stadt Bad Tölz ein ihr gehörendes Areal an der Arzbacher Straße stattdessen für die Errichtung von bezahlbarem Wohnraum. Dieses Projekt ist mittlerweile auf dem Weg. Der entsprechende Bebauungsplan liegt aktuell noch bis zum 23. November zum zweiten Mal öffentlich aus und könnte demnächst im Stadtrat verabschiedet werden. Genau das aber wollen die unmittelbar betroffenen Anwohner vom Isarleitenweg verhindern. Bei einem Rundgang mit dem Tölzer Kurier legen sie dar, warum die vorgesehene Bebauung der Wiese aus ihrer Sicht „nicht zu akzeptieren“ ist, wie sie sagen.

Anwohner befürchten massive Auswirkungen auf ihre eigenen Häuser

Eine Wiese, eingerahmt von der Baumreihe entlang des Fußgängerpfads Gabriel-von-Seidl-Weg, von einer Reihe kleinerer Häuser des Isarleitenwegs und vom viel befahrenen Verbindungsstück zwischen B472 und Bockschützstraße: Das ist das Grundstück, um das sich die Auseinandersetzung dreht. Eine genaue Planung gibt es zwar noch nicht. Doch in jedem Fall ist Geschosswohnungsbau vorgesehen. So könnten drei Wohnblöcke mit rund 30 Wohneinheiten entstehen.

Plan und Gegenvorschlag: Die Stadt möchte zwischen Isarleiten- und Gabriel-von-Seidl-Weg Wohnhäuser bauen (1). Die Anwohner hielten eine andere Fläche neben dem Parkplatz Arzbacher Straße für geeigneter. (Screenshot)
Plan und Gegenvorschlag: Die Stadt möchte zwischen Isarleiten- und Gabriel-von-Seidl-Weg Wohnhäuser bauen (1). Die Anwohner hielten eine andere Fläche neben dem Parkplatz Arzbacher Straße für geeigneter. (Screenshot) © Google Maps

Wollen die benachbarten Hauseigentümer sich nur den Luxus einer freien Wiese hinter ihren Gärten bewahren und stemmen sich aus Eigeninteresse gegen die Schaffung von dringend benötigtem günstigen Wohnraum? Dagegen verwahren sich Max Hildenbrand, Gabriele Mettal sowie Gerlinde und Sepp Harbeck, als sie im Gespräch ihre Sicht der Dinge schildern. „Wir sind ja nicht unsozial“, sagt Hildenbrand. „Wohnraum wird benötigt, das ist klar“, meint auch Sepp Harbeck. Doch den vorgesehenen Platz halten die Anwohner für ungeeignet und befürchten massive Auswirkungen auf ihre eigenen Häuser.

Sorge: Keller könnten regelmäßig überschwemmt werden

Eine der größten Sorgen: Die vorgesehene Bebauung könne die Gefahr erhöhen, dass die Keller der benachbarten Häuser voll laufen. Eine angrenzende Straße trage nicht umsonst den Namen Brünnfeldweg, erläutern sie. „Das Gebiet ist durchsiebt von unterschiedlichen Wasserläufen“, sagt Hildenbrand. Zur Veranschaulichung treten sie an den Hang zwischen Isarleitenweg und dem tiefer gelegenen Parkplatz hinter dem Sportstudio Hirsch. Es plätschert allerorten, man sieht an verschiedenen Stellen kleine Wasserläufe, auch eine gefasste Quelle. „Und das Wasser kommt von genau dort, wo eine Tiefgarage gebaut werden soll.“

Die Wiese, auf der die Wohnungen entstehen sollen, sei im zurückliegenden verregneten Sommer mehrfach überschwemmt gewesen, sagt Hildenbrand. „Was passiert dann erst, wenn ein großer Teil der Fläche versiegelt ist?“, fragt er. Gerlinde Harbeck glaubt, die Antwort zu kennen. „Der Grundwasserpegel steigt, und dadurch werden unsere Keller überschwemmt.“ Dafür seien die Kellerwände der alten Gebäude aber nicht widerstandsfähig genug.

Wird den Alleebäumen am Gabriel-von-Seidl-Weg die Lebensader abgeschnitten?

Sorgen macht den Anwohnern auch die Erschließung der vorgesehenen Wohnhäuser. Hier setzt die Stadt wie berichtet auf eine Zufahrt vom Verbindungsstück zwischen B472 und Bockschützstraße aus. „Mit dieser Erschließung würden sie die Bäume am Gabriel-von-Seidl-Weg zwangsläufig kappen“, sagt Sepp Harbeck. Er befürchtet: Das weit unter die Wiese reichende Wurzelwerk der alten Bäume werde zerstört, den Bäumen somit die Lebensader abgeschnitten. Zudem sei die Erschließung an dieser Stelle kompliziert und teuer. Wie berichtet hatte auch das Staatliche Bauamt Weilheim große Bedenken angemeldet, dass eine Abzweigung hier übersichtlich und sicher möglich wäre.

Nicht zuletzt erscheint den Anwohnern eine Bebauung der Wiese mit drei großen Wohngebäuden als zu massiv. „Das wären Blöcke in der Größenordnung wie bei dem neuen Wohnhaus an der Königsdorfer Straße“, sagt Hildenbrand. Als ein großes Wohngebäude am Ketteler-Ring abgelehnt wurde, habe die Stadt den Vergleich zur umgebenden Bebauung angeführt. „Und hier zählt das Argument plötzlich nicht mehr.“

Allee und Wiese wurden als „erhaltenswert“ eingestuft

Gabriele Mettal weist auf das Protokoll einer Stadtratsklausur im Jahr 2016 hin, in der die Allee am Gabriel-von-Seidl-Weg als „erhaltenswert“ eingestuft worden sei – ausdrücklich inklusive der angrenzenden Wiese. Auch in der ganz aktuell veröffentlichten „Voruntersuchung Badeteil“ sei die Wiese als „erhaltenswerter Ort“ eingezeichnet. „Es ist eine der letzten frei zugänglichen Grünflächen der Stadt mit der schönsten Allee von Tölz“, sagt Hildenbrand. Die Fläche erst für touristische Nutzung zu reservieren und dann dort Wohnbebauung zu planen, bezeichnet er als „Willkür“.

Viel besser, meinen die Anwohner, ließe sich die Wohnbebauung doch nur ein kleines Stück weiter auf ebenfalls städtischem Grund umsetzen: nämlich auf einer Fläche an der Arzbacher Straße neben dem dortigen Parkplatz. „Hier würde man sich Millionen an Erschließungskosten sparen und hätte kein Wasserproblem“, sagt Sepp Harbeck. Eine mögliche Höhe von Erdgeschoss plus zwei plus Dachgeschoss schließe an dieser Stelle nahtlos an das Krankenhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite an, ergänzt seine Frau. „Hier tut es keinem weh.“

Anwohner fühlt sich durch Bebauungsplan Isarleitenweg „enteignet“

Mit dem Bebauungsplan haben die Anwohner noch ein weiteres Problem. Er soll nämlich zusätzlich „die Erschließungen der Bestandsgebäude rechtlich sichern“, wie es heißt. Dazu soll der Schritt dienen, dass der aktuell nur 2,50 Meter breite Isarleitenweg mit einer Breite von 5,50 Metern in den Bebauungsplan eingezeichnet wird. Den Beteuerungen von Bauamtsleiter Christian Fürstberger, dies bedeute in der Praxis keinen Ausbau des Isarleitenwegs, sondern diene lediglich der rechtlich korrekten Erschließung ihrer Grundstücke, vertrauen die Anwohner nicht. „Mit der jetzigen Breite hat es hier noch nie Schwierigkeiten gegeben“, sagt Gabriele Mettal. „Es ist ein Weg, den viele Fußgänger und Radfahrer nutzen, und so soll es auch bleiben.“ Stehe eine Breite von 5,50 Metern im Bebauungsplan, könne niemand garantieren, dass das in Zukunft nicht auch so umgesetzt werde.

Zudem protestieren die Anwohner dagegen, dass im Bebauungsplan ein Grünstreifen entlang des Isarleitenwegs eingezeichnet ist. In der Realität befänden sich auf diesem „Grünstreifen“ allerdings bereits zwei Garagen, wendet Hildenbrand ein. Zudem verlaufe er über sein Grundstück, sodass davon rund 380 Quadratmeter nicht mehr frei nutzbar seien. „Ich dürfte zum Beispiel keine Garage mehr draufbauen. Es ist zwar weiterhin mein Eigentum, aber massiv entwertet.“ Hildenbrand fühlt sich hier „auf heftige Art enteignet, ohne dass es ein Argument dafür gibt“.

Bevor der Bebauungsplan verabschiedet wird, wollen die Anwohner ihre Argumente den Stadträten nun persönlich vortragen und sie zu einem Rundgang vor Ort einladen.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare