Ist frustriert und wütend: „Jailhouse“-Wirt Peter Frech.
+
Ist frustriert und wütend: „Jailhouse“-Wirt Peter Frech.

Viel Zustimmung auf Facebook

Wegen brütendem Vogel: Wirt muss Jubiläums-Feuerwerk absagen - Riesen-Wut auf Stadt und Landratsamt

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
    schließen

Der Tölzer „Jailhouse“-Wirt Peter Frech darf kein Feuerwerk abbrennen, weil das eine in der Nähe brütende Vogelart stören könnte. Seiner Wut auf Stadt und Landratsamt macht Frech auf Facebook Luft.

Bad Tölz – „Jailhouse“-Wirt Peter Frech ist sauer. Daran lässt der Beitrag auf der Facebookseite des Lokals keinen Zweifel. „Heute mal die Wut rauslassen in eigener Sache“, steht dort. Sauer ist Frech, weil ihm das für kommenden Sonntag geplante Feuerwerk zum zehnjährigen Bestehen des „Jailhouse“ untersagt wurde. Vom Landratsamt, aber auch von der Stadt fühlt sich Frech im Stich gelassen.

Jailhouse in Bad Tölz: Geplantes Feuerwerk zum Jubiläum verboten - Wirt stinksauer

„Dank dem Auflagenwahnsinn, einem Ordnungsamt, das eigentlich für und nicht gegen uns arbeiten sollte und einer Überheblichkeit,die seinesgleichen sucht, habe ich mich entschieden, keine weiteren Veranstaltungen hier mehr durchzuführen“, schreibt Frech auf Facebook – und erntet für seine Kritik breite Zustimmung. Über 400 Mal wurde der Beitrag geteilt, über 100 Kommentare gibt es dazu.

Auch zwei Tage, nachdem er seinen Ärger öffentlich geteilt hat, ist die Wut bei Frech noch nicht verraucht. „Das Maß ist einfach voll“, sagt er. Seit zehn Jahren gebe es das Feuerwerk. Und als er vor einigen Wochen bei Bürgermeister Ingo Mehner angefragt habe, ob eine Neuauflage gewünscht sei, „hat er noch gesagt, dass er sich freuen würde“, sagt Frech.

Kein Feuerwerk für das Jailhouse: Naturschutzbehörde führt Schutz des brütenden Flussregenpfeifers an

Genehmigt werden muss das Feuerwerk, das ein professioneller Pyrotechniker machen sollte, allerdings von der Regierung von Oberbayern. Die wiederum holt Stellungnahmen ein – unter anderem vom Landratsamt. Und dort „kommt die untere Naturschutzbehörde zu dem Schluss, dass ein Feuerwerk am 11. Juli den streng geschützten Flussregenpfeifer gefährdet, der momentan auf der Kiesinsel auf der Ostseite der Isar zwischen Umgehungsbrücke und Sportplatz brütet“, sagt Landratsamtssprecherin Marlis Peischer.

Entscheidungsgrundlage sei das Bundesnaturschutzgesetz. „Darin wird verboten, wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeiten erheblich zu stören.“ Die Naturschutzbehörde sei zu der Einschätzung gekommen, „dass genau das durch das Feuerwerk passieren würde. Das Feuerwerk würde also die Brut des Vogels und damit den Fortbestand der Art gefährden“, so Peischer. Tatsächlich kommt es nicht so häufig vor, dass der Flussregenpfeifer Junge hat. Häufig wird das Gelege von einem Isar-Hochwasser weggespült.

Jubiläums-Feuerwerk abgesagt: Stadt Bad Tölz fühlt sich zu Unrecht an Pranger gestellt

So richtig nachvollziehen kann Frech die Argumentation trotzdem nicht. Schließlich werde ja auch beständig an der Isar gefeiert – in direkter Nähe zum Brutplatz. Dagegen gehe auch niemand vor. Und der Müll, der nach den (ungenehmigten) Partys zurückbleibt, „den räumen wir weg“, sagt Frech. Das Feuerwerk hätte nur 13 Minuten gedauert. „Es donnert bei Gewitter ja auch. Das kann man auch nicht abschalten.“

Frech wirkt insgesamt frustriert. Seit Jahren bemühe er sich, dass in Bad Tölz etwas vorwärts gehe, organisiere Großveranstaltungen wie das Harley- oder das US-Car-Treffen, investiere Geld. „Aber man ist immer allein auf weiter Flur“, sagt er. „Es ist alles mühselig geworden.“ An Veranstaltungen plane er daher heuer nichts mehr.

Dass das Ganze so eskaliert ist, bedauert Bürgermeister Ingo Mehner. „Ich schätze seine Veranstaltungen sehr, weil die Stadt davon profitiert.“ Allerdings fühlt sich der Rathauschef auch zu Unrecht an den Pranger gestellt. Die Stadt sei nicht die Genehmigungsbehörde. „Und ich sehe keine Möglichkeit, wie wir ihm hätten helfen können.“ Aber auch dem Landratsamt will Mehner nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Dort sei man ans Naturschutzgesetz gebunden.

Er attackierte Wanderer an der Lenggrieser Hütte, weil er seinen Balzplatz verteidigen wollte: Das setzte Auerhahn Franz-Josef reichlich unter Stress. Jetzt lebt das Tier an einem besseren Ort. Noch mehr Nachrichten aus der Region Bad Tölz lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare