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Kinder beim Aufwachsen zu beobachten : Das hat Annelies Wasserbauer an ihrer Arbeit als Kinderpflegerin sehr gemocht. Nach 46 Jahren in der „Heiligen Familie“ geht sie in den Ruhestand.

46 Jahre Betreuerin im Kindergarten „Heilige Familie“

„Kinderlachen ist das Schönste“

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46 Jahre lang war Annelies Wasserbauer als Kinderpflegerin im Tölzer Siedlungs-Kindergarten tätig. Jetzt geht die 63-Jährige in den Ruhestand.

Bad Tölz – Wenn im Kindergarten in der Tölzer Karwendelsiedlung schon vor 5 Uhr das Licht brannte, wussten alle: Annelies Wasserbauer ist im Haus. Die gute Seele der Einrichtung geht nach fast 47 Jahren in der „Heiligen Familie“ als Kinderpflegerin in den Ruhestand. Am Donnerstag hatte sie ihren letzten Arbeitstag. Ein wenig stolz sei sie schon darauf, so lange bei ein und demselben Arbeitgeber tätig gewesen zu sein, sagt die 63-jährige Heilbrunnerin. „Aber es hat mir immer gut gefallen.“

Dabei hätte sie ursprünglich Floristin werden wollen. Der Zufall wollte es, dass sie in Bad Tölz keine Lehrstelle bekam. So ging sie ihrem zweiten Wunsch nach. Von 1970 bis 1972 machte sie ihre Ausbildung in Gmund am Tegernsee. 1973 wurde im ein Jahr davor eröffneten Kindergarten am Kardinal-Wendel-Platz eine Kinderpflegerin gesucht – und Annelies Wasserbauer wurde sich schnell mit der damaligen Leiterin einig. „Rückblickend bin ich gar nicht traurig, dass ich nicht Floristin werden konnte.“ Besonders gerne habe sie mit der jetzigen Leiterin Monika Rinshofer zusammengearbeitet. „Als sie 1988 gekommen ist, ist die Sonne aufgegangen.“

Schon von Anfang an habe es vier Gruppen mit 25 bis 30 Kindern gegeben, die Öffnungszeiten waren von 7 bis 16 Uhr. „Aber es gab halt Kinder, die waren vormittags da, andere nachmittags.“ Geändert habe sich, dass heute eine größere Anzahl an Betreuungspersonal benötigt werde. Auch die Kinder ändern sich, viele Mütter sind heute berufstätig.

Bei der offiziellen Verabschiedung im Rahmen des Sommerfestes sagte Monika Rinshofer, wohl über 1000 Kinder habe Annelies Wasserbauer in ihrer Zeit betreut. Kein Wunder also, dass diese sagt: „Obwohl ich nicht hier wohne, ist die Siedlung Heimat für mich.“ Weil sie so viele Menschen kenne. Inzwischen gehen die Kinder von Kindern, die sie einst betreute, in die „Heilige Familie“.

47 Jahre lang jeden Tag gerne in die Arbeit zu gehen? „Mit so einer Chefin und so einem Team ist es mir immer leicht gefallen.“ Die Kinder aufwachsen zu sehen, ihr Lachen zu hören – „das ist das Schönste“. Und: „Kinder sind einfach ehrlich. Sie sagen einem ins Gesicht, wenn ihnen etwas nicht passt.“ Auch ist sie überzeugt: „Diese Arbeit hält einen jung. Das wird mir schon abgehen“, sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes. Warum sie stets die Frühschicht übernahm? „Ich hab’ das gemocht. In der Früh lernt man sich anders kennen.“ Als sie vor ein paar Tagen nicht mehr schlafen konnte, stand sie sogar um 4.15 Uhr schon im Kindergarten. Getränke herrichten, die Wäsche machen, den Hof kehren: „Es hat immer was zu tun gegeben, bevor die ersten Kinder um 6.45 Uhr da waren.“ Auch um alle Erledigungen wie beispielsweise die Einkäufe für das Frühstücksbüffet kümmerte sich Annelies Wasserbauer – eine Weile lang fuhr sie einen markanten roten Pick-up, „da wusste jeder, dass ich unterwegs bin“, sagt sie lachend.

Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt für sie. „Ich war immer sehr beschäftigt. Das wird mir in der Rente anfangs sicher abgehen.“ Daher ist sie froh, dass sie sich schon Ende August gemeinsam mit ihrem Mann auf eine dreimonatige Reise nach Marokko aufmacht. Mit dem Wohnmobil geht es vor allem ins Landesinnere, abseits der Touristenströme. „Das war immer schon unser Traum.“ Mit dabei ist auch Hündin Gina, die das Paar schon auf diversen Motorradreisen begleitet hat. „Wir wollen Land und Leute kennenlernen.“ Im vergangenen Jahr besuchten sie Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Albanien. Im kommenden Frühjahr soll es dann nach Kroatien und in die Toskana gehen. „Jetzt sind wir ja nicht mehr auf den Sommer angewiesen.“

Spaziergänge mit dem Hund, Touren mit dem E-Bike und ihr großes Hobby Schwammerl suchen: Das möchte Annelies Wasserbauer in ihrer Rente nun besonders genießen.

Eines steht für sie aber schon fest: Gleich nach dem Urlaub wird sie in den Kindergarten kommen. Am Morgen, wenn die Eltern auch vor Ort sind, und sie wird alle begrüßen und gerne von ihrer Reise erzählen.

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