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Tölzer Klaus Wittmann liest „Das Leben meiner Mutter“ von Oskar Maria Graf - Drei Termine folgen

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Zog die Zuhörer gleich in den Bann: Klaus Wittmann.
Zog die Zuhörer gleich in den Bann: Klaus Wittmann. © sn

An vier Abenden liest der Tölzer Klaus Wittmann Oskar Maria Grafs „Das Leben meiner Mutter“ im Tölzer Marionettentheater. Wittmanns Vortragskunst machen die Lesung zum Erlebnis. Drei Termine gibt es noch.

Bad Tölz – In dem Roman „Das Leben meiner Mutter“ hat Oskar Maria Graf seiner Mutter Therese Graf, geborene Heimrath, Tochter einer alteingesessenen Bauernfamilie aus Aufhausen nahe Berg am Starnberger See, ein literarisches Denkmal gesetzt. Der Tölzer Klaus Wittmann, weit über die Region hinaus bekannt als ausdrucksvoller Rezitator, liest derzeit das gesamte Werk – in einer von Eva Demmelhuber gekürzten Fassung – an vier Abenden im Tölzer Marionettentheater.

Klaus Wittmann liest „Das Leben meiner Mutter“ und zog die Zuhörer in seinen Bann

Zum Auftakt vergangene Woche war der Saal nicht ganz voll, aber gut besucht. Wittmann brauchte keinerlei Requisiten, keine musikalische Umrahmung oder dergleichen, sondern setzte ausschließlich auf die Wirkkraft des Textes. Und das funktionierte.

Mit seinem gewohnt ruhigen, auf jegliche Manierismen verzichtenden Vortragsstil zieht er die Zuhörer sogleich in den Bann. „Gestochen hat er sie. Von hinten.“ Ein toller Einstieg, der umgehend Spannung und Aufmerksamkeit weckt. Erst allmählich stellt sich heraus, dass von Kaiserin Elisabeth die Rede ist und dem am Genfer See auf sie verübten tödlichen Attentat. Dörfliche Handwerker unterhalten sich über den sensationellen Vorfall, von neugierig lauschenden Kindern umstanden.

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Grafs Mutter steht im Mittelpunkt der Handlung

Und damit ist von Anbeginn der Bogen geschlagen zwischen der kleinen dörflichen Welt und der großen Weltgeschichte. Eine Verquickung, die Graf im Laufe des Geschehens immer wieder herstellen wird und die mit ihren Querverbindungen bereichernd ist und neue Einblicke schafft.

Die Mutter, die im Mittelpunkt der Handlung steht, ist zunächst schwer erkrankt: Ihre elfte Geburt hätte die 41-Jährige beinahe das Leben gekostet, was den „Herrn Doktor“ veranlasst, ihren Mann zu ermahnen, mit weiterem Familienzuwachs möge es nun gut sein.

Erzählung aus Sicht eines kleinen Kindes berührt Hörer

Graf schildert die Ereignisse immer wieder auch aus seiner, also der Sicht eines kleinen Kindes, dessen Ängste und Nöte, dessen Unverständnis gegenüber den Erwachsenen, was den Leser beziehungsweise Hörer besonders berührt. Man lernt die wieder genesene Mutter kennen als eine Frau, die sich vor keiner Arbeit scheut, jedweden Neuerungen und Änderungen des Althergebrachten, Vertrauten aber nicht nur skeptisch, sondern geradezu ängstlich gegenübersteht.

Vater und Mutter von Oskar Maria Graf sind gänzlich verschieden

Der Vater ist ganz anders gestrickt, ist wagemutig, will Neues ausprobieren. Die Konflikte zwischen den Eheleuten, unter denen die Kinder leiden, sind da vorprogrammiert. Wüster Streit, den der polternde Vater mit dem Gang ins Wirtshaus beschließt und eine weinende Frau und verängstigte Kinder zurücklässt, wird anschaulich geschildert.

Doch entgegen der Besorgnis der Mutter geht es mit den Geschäften des Vaters aufwärts. Die älteren Kinder verlassen das Haus und gehen ihrer Wege, um „etwas Besseres“ zu werden. Das macht die Eltern und die jüngeren Geschwister stolz, doch kehren die Großen schließlich auf Besuch aus der Stadt zurück, lässt sich die alte familiäre Vertrautheit nicht mehr herstellen.

Lesungen können unabhängig voneinander besucht werden

Der bis heute virulente Konflikt zwischen Dörflern und Städtern klingt hier bei Graf schon an. Auch dass bäuerliche Strukturen zunehmend zerfallen und Dörfer ihr Gesicht verlieren, bemerkt der Schriftsteller schon damals. Seine Erzählkunst und verblüffende Weitsicht und Wittmanns Vortragskunst machen die Lesung zum Erlebnis. Die Leseabende sind so konzipiert, dass sie unabhängig voneinander besucht werden können.

Weitere Termine: Die Teile zwei, drei und vier liest Wittmann an den kommenden Mittwochabenden, also 16., 23. und 30. November, jeweils um 19.30 Uhr im Marionettentheater. Der Eintritt kostet 5 Euro. Karten bei der Tourist-Info Bad Tölz, Telefon 0 80 41/7 86 70. Jeder Teil dauert in etwa 75 Minuten. Von Sabine Näher

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