Nach eine Geburt kam es in der Tölzer Klinik zu Komplikationen. Nun klagen die Eltern.
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Nach eine Geburt kam es in der Tölzer Klinik zu Komplikationen. Nun klagen die Eltern.

Aus dem Gericht

Baby hört nach Geburt plötzlich auf zu atmen: Eltern verklagen Klinik - Jetzt gibt es ein Urteil

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Ein Ehepaar forderte von einer Hebamme und der Tölzer Klinik Schadenersatz und Schmerzensgeld. Nun hat das Landgericht München II ein Urteil gesprochen 

Update vom 5. Februar:

Ein Elternpaar aus Holzkirchen ist mit seiner Klage wegen vermeintlicher Behandlungsfehler bei der Geburt seiner Tochter vor dem Landgericht München II gescheitert. Nach Ansicht der Richter konnten die Kläger nicht nachweisen, dass die Hebamme zu spät zum Kind gekommen war.

2012 war das Kind komplikationslos zur Welt gekommen. Nach gut einer halben Stunde, als es an der Brust der Mutter lag, hörte es auf zu atmen. Die Hebamme leitete sofort mit einem Arzt Reanimationsmaßnahmen ein.

Dem Kind geht es heute gut. Die Mutter hat aber dennoch neurologische Beeinträchtigungen festgemacht, welche sie auf eine Sauerstoff-Unterversorgung zurückführt.

Die Hebamme sowie ein Arzt der Tölzer Klinik wurden auf insgesamt 620.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagt. Als Ursache für einen Kreislaufkollaps der Frau am folgenden Morgen war nach Ansicht des Gerichts ebenfalls kein Behandlungsfehler nachweisbar. Zwar war eine der erforderlichen Kontrollen nicht dokumentiert worden. Sie erfolgte aber. Das hatte eine Zeugin glaubhaft begründet.

Bad Tölz/Holzkirchen/München - Ein Ehepaar aus Holzkirchen fordert von einer Hebamme und der Tölzer Klinik 620.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld. Kurz nach der Geburt im Sommer 2012 hatte das Kind des Paars zu atmen aufgehört. Die Reanimation klappte zwar reibungslos. Doch Vater und Mutter stellten bei der heute Achtjährigen neurologische Beeinträchtigungen fest.

Bad Tölz: Ehepaar fordert Schadensersatz von Hebamme und Tölzer Klinik

Die neurologischen Einschränkungen der mittlerweile achtjährigen Tochter legen Eltern aus Holzkirchen nun dem damals diensthabenden Frauenarzt und der Hebamme zur Last. Für die Verhandlung vor der Arzthaftungskammer hatte das Landgericht München II den ganzen Dienstag eingeplant. Wegen der Corona-Einschränkungen wechselten die Richter in einen der größten Verhandlungssäle im Justizpalast.

Dort schilderte zunächst die Hebamme ihre Erinnerungen an die Geburtsnacht. Demnach war die Mutter am Morgen zuvor auf eigenen Wunsch zur Geburtseinleitung in die Klinik gekommen. „Einen medizinischen Grund gab es nicht“, sagte die Hebamme. Um 1.36 Uhr in der folgenden Nacht wurde das kleine Mädchen geboren. Es war rosig und schrie, „ein unauffälliges Neugeborenes“, so die Geburtshelferin.

Landgericht München: Eltern verklagen Tölzer Klinik und Hebamme - Prozess dauert an

Als das Mädchen Hunger zeigte, legte es die Hebamme an. Die Kleine zog sofort kräftig an. Dann aber lag es plötzlich schlapp auf der Mutter. „Die schläft doch, oder?“, fragte die Mutter. Die Hebamme rief nach dem diensthabenden Arzt und tastete an der Nabelschnur den Herzschlag, den sie auf etwa 100 schätzte. Der Doktor brachte das Kleine in die vorgewärmte Reanimations-Einheit.

Das Baby kam rasch wieder zu Kräften, während auch eine Anästhesistin und Fachhelfer sowie etwa eine Stunde später das Notfallteam der Kinder-Intensivstation aus Garmisch-Partenkirchen anrückten. Dorthin wurde das Baby zur Überwachung mitgenommen. Die Mutter wurde schwer geschockt auf die Station verlegt, nachdem ihre Nachblutungen unter Kontrolle waren.

Bad Tölz: Kind muss nach Geburt reanimiert werden - Mädchen hat neurologische Beeinträchtigungen

Heute geht es dem Mädchen gut, gleichwohl gibt es Beeinträchtigungen, die zwar nicht sofort auffallen, aber aus Sicht der Eltern dennoch gewichtig sind. Die Ursache sehen sie im Sauerstoffmangel wegen des Vorfalls in der Tölzer Klinik.

Aus ihrer Sicht dauerte es 70 Minuten, bevor sich jemand um die Mutter und ihr leblos wirkendes Kind kümmerte. Außerdem sei die Mutter aufgrund der postnatalen Blutungen kollabiert und ebenso wie ihr Mann traumatisiert worden. Der Prozess dauert an.  

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(Von Angela Walser)

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