Mit „Click & Collect“ kommt Antje Walther in ihrem Blumengeschäft „Unartig“ über die Runden. Sie bleibt trotz Lockdown-Verlängerung optimistisch.
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Mit „Click & Collect“ kommt Antje Walther in ihrem Blumengeschäft „Unartig“ über die Runden. Sie bleibt trotz Lockdown-Verlängerung optimistisch.

Corona-Auswirkungen

Bad Tölz: Längerer Lockdown: „Optimistisch bleiben“

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Der Lockdown geht weiter: Angesichts des noch immer hohen Infektionsgeschehens gelten die Einschränkungen nun bis 14. Februar. So blicken Unternehmer, Gastronomen Schul- und Kindergartenleiter auf die kommenden Wochen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Schulen und Kitas bleiben geschlossen, Restaurants und viele Geschäfte dicht. Der harte Corona-Lockdown geht weiter. Von den Maßnahmen sind zahlreiche Betriebe und Institutionen im Landkreis nicht nur be-, sondern auch getroffen. Josef Gerg ist Betreiber des Skilifts am Draxlhang in Lenggries. Seit Beginn der Wintersaison konnte er den Betrieb noch nicht aufnehmen. „Ich verstehe es nicht ganz. Der Parkplatz ist ja trotzdem voll mit Tourengehern.“ Für den normalen Skibetrieb sieht er für diese Saison aber schwarz. „Meine Hoffnung, dass wir überhaupt noch in die Saison starten können, ist gering. Zumal wir am Draxlhang meist Mitte März schon nicht mehr genügend Schnee haben.“ Belastend sei vor allem, sagt Gerg, dass bereits alles vorbereitet war. „Ich habe für einige 1000 Euro Schnee produzieren lassen und Personalkosten für den Aufbau gehabt.“ Die Vermutung, all das bald „unverrichteter Dinge“ wieder abbauen zu müssen, sei „bitter“.

Kindergartenleiterin erleichtert: „Niemand nutzt Notbetreuung aus“

Dass es keine Aussicht auf baldige Lockerungen gibt, betrübt auch die Leiterin des Tölzer Kindergartens Arche Noah, Maria Girmann. „Vor allem für die Vorschulkinder ist das schade. Da geht pädagogisch einiges verloren“, sagt sie. Die Notbetreuung aber laufe gut. Erleichtert ist Girmann vor allem darüber, dass die Eltern verantwortungsvoll mit der Situation umgehen. „Niemand nutzt die Notbetreuung aus. Oft werden Kinder nur an einzelnen Tagen gebracht – wenn es wirklich nicht anders geht.“ Daher seien auch täglich unterschiedlich viele Kinder in der Betreuung. Man merke, dass vielen das Miteinander fehlt: „Kinder, die selten kommen, lechzen förmlich nach sozialen Kontakten.“

Alexander Göbel, Direktor des Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums, schätzt den Lockdown bis 14. Februar als machbar ein. Er sagt aber auch: „Wenn es noch viel länger gezogen wird, wird es wirklich problematisch.“ Schwierig sei für das Schulleben vor allem die aktuelle „Planungsunsicherheit“. Allgemein funktioniere der Distanzunterricht mittlerweile gut. „Wir haben zwei Video-kanäle, sprich wenn einer nicht geht, können wir auf den anderen wechseln.“ Dennoch würden die meisten Lehrer für Präsenzunterricht plädieren. Dies würde auch einiges mit Blick auf die Abiturvorbereitungen erleichtern. „Es gibt Schüler, die gut mit Distanzunterricht klar kommen, aber auch welche, die auf der Strecke bleiben.“

Lockdown am Valentinstag trifft Floristen hart

Antje Walther betreibt das Blumengeschäft „Unartig“ am Amortplatz. Auch sie darf ihren Laden nicht öffnen. Mit „Click & Collect“ – also bestellen und abholen – kommt sie aber über die Runden. „Man muss optimistisch bleiben, natürlich trifft uns die Verlängerung hart. Vor allem weil nach dem Ausfall der Woche vor Weihnachten jetzt auch der Valentinstag betroffen ist.“ Dies sei neben dem Muttertag der beste Geschäftstag für Floristen.

Gastronomen über Verlängerung nicht überrascht

Claus Hühnlein, Wirt des „Gasthauses“ in Bad Tölz sagt: „Das To-go-Geschäft läuft ganz gut. Und uns war von Anfang an klar, dass Ende Januar noch nicht Ende der Fahnenstange mit dem Lockdown für die Gastronomie sein wird.“ Monika Poschenrieder, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, pflichtet ihm bei. „Es war zu erwarten“, sagt sie. „Eine Eröffnung der Gastronomie muss dazu gut geplant und durchdacht sein.“ Es brauche längerfristige Perspektiven. Sobald alles hochgefahren wird, müsse sich das auch lohnen. Dafür sei ein sinnvoller Zeitpunkt nötig. „Es müssen Gäste kommen, und es muss ausgeschlossen sein, dass man nach paar Tagen erneut schließen muss“, erklärt Poschenrieder. Durch die Hilfen sei die Lage für die meisten noch auszuhalten. Eine positive Bilanz gebe es aber bei niemandem.

Alles zur aktuellen Corona-Lage im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lesen Sie hier.

Auch die Brauerei „Tölzer Mühlfeldbräu“ kämpfe sich aktuell gut durch, sagt Hünlein. „Der Flaschenverkauf in den Märkten ist gestiegen, das federt den Verlust durch Restaurantschließungen leicht ab.“ Schlimm sei die Lage aber für Angestellte auf 450-Euro-Basis. Denn: „Die bekommen aktuell gar nichts.“

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