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Immer wieder müssen Ausflügler aus der Isar gerettet werden.

Isar-Verordnung kommt

Landratsamt macht ernst: Bald deutliche Einschränkungen für Isar-Bootsfahrer

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Das Landratsamt ist fest entschlossen, den Bootsverkehr auf der Isar zu reglementieren. Die geplante Verordnung könnte für kommerzielle Anbieter, aber auch private Freizeitkapitäne drastische Beschränkungen bedeuten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Isarverordnung versteckte sich unter dem Punkt Verschiedenes am Ende der vierstündigen Kreistagssitzung. „Das Thema bewegt viele“, sagte Landrat Josef Niedermaier mit Blick auf die volle Pressebank. Die Überlegungen, eine Isarverordnung zu erlassen, kam auf, weil die Zahl der Bootsfahrer stetig zugenommen hat. Naturschutzverbände, aber auch Kommunalpolitiker beklagen den kaum noch zu verkraftenden Freizeitdruck. Vor allem im Bereich zwischen Geretsried und der Landkreisgrenze müssen Rettungsorganisationen immer wieder Freizeitkapitäne aus zum Teil lebensbedrohlichen Situationen befreien.

In einem ersten Schritt hatte das Landratsamt im Herbst eine Online-Befragung gestartet. Die Resonanz war enorm: Knapp 3000 Fragebögen gingen ein. Die Auswertung stellte am Mittwoch Sabine Walter vor. Die Teilnehmer äußerten sich beispielsweise dazu, ob sie ein Befahrungsverbot bei Hochwasser, nachts oder auch zu Laich- und Brutzeiten für notwendig erachten. Andere Fragen drehten sich um Alkoholverbote, eine Schwimmwestenpflicht, das Verbot von Glasflaschen und die Komplettsperrung der Oberen Isar.

In der allgemeinen Auswertung spricht sich die Mehrheit gegen diese Sperrung aus und auch dagegen, die Isar nur im Hauptstrom beziehungsweise an der tiefsten Stelle befahren zu dürfen. Das ist wenig überraschend, schließlich wurde die Mehrzahl der Bögen von Kanu-/Kajakfahrern, privaten und gewerblichen Bootsfahren und anderen Wassersportlern ausgefüllt.

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Deshalb hat das Landratsamt die Antworten auch noch nach Gruppen ausgewertet. Das ergibt ein differenzierteres Bild. Denn während Fischer, Naturschutz- und Rettungsorganisationen in den meisten Bereichen Verbote anmahnen, sehen private Bootsfahrer deutlich weniger Handlungsbedarf. 

Weniger als 50 Prozent sprechen sich beispielsweise für Befahrungsverbote während Laich- und Brutzeiten aus. Noch geringer ist die Zustimmungsquote bei den Kanu- und Kajakfahrern, die die Isar auch bei Hochwasser nutzen wollen. Private Bootsfahrer sind zudem gegen ein Alkoholverbot und gegen eine Schwimmwestenpflicht. Bei gewerblichen Anbietern ist das anders. Hier würde die Mehrheit zumindest einige Reglementierungen mittragen.

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Landrat Niedermaier zieht für sich aus der Umfrage die Erkenntnis, „dass sich ein Großteil klare Regelungen für die Isar wünscht“. Welche rechtlich durchsetzbar sind, werde man sehen müssen. „Aber uns muss klar sein, dass wir es nicht jedem recht machen können.“ Und noch etwas prophezeit Niedermaier: Jede Gruppe, deren Nutzungen beschnitten werden, „wird mit rechtlichen Mitteln dagegen vorgehen“. Aber man könne einfach nicht alles so belassen. „Damit werden wir auf kein Verständnis bei den Rettern stoßen.“ Man werde sich „auf den schwierigen Weg“ zu einer Verordnung machen, auch wenn das bedeute, „dass wir touristische Gruppen, bei denen wir sonst werben, beschneiden“.

Ein erster Schritt wird sein, das Einhalten gesetzlicher Regelungen einzufordern. „Im Naturschutzgebiet gibt es ein gewerbliches Bootsfahrverbot“, sagte Niedermaier. Bislang habe man die Nutzung toleriert, weil sich viele Tourenanbieter dazu verpflichtet hatten, Naturschutzunterweisungen mit den Teilnehmern zu machen. 

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Es gebe aber immer mehr, die sich nicht an die Spielregeln halten. „Was heuer an Beschwerden bei uns gelandet ist, ist erheblich“, sagte Niedermaier. „Leider wird es nun so kommen, dass die Unvernünftigen die Vernünftigen in den Schlamassel mit hineinziehen.“ Naturschutzgebiete gibt es oberhalb des Sylvensteins und unterhalb des Tölzer Stausees. Damit wären gewerbliche Anbieter auf den Abschnitt von Lenggries bis Tölz beschränkt. Welche Einschränkungen dort noch möglich sind, wird die Isarverordnung zeigen. Private Bootsfahrten können nicht generell verboten werden – auch nicht im Naturschutzgebiet. Fahrverbote zu bestimmten Zeiten oder auch eine Schwimmwestenpflicht wären aber auch für sie verpflichtend.

SPD-Kreisfraktionschef und Polizist Reiner Berchtold hofft, dass vor dem Erlass der Verordnung „jemand die Polizei fragt“. Denn die werde wohl kontrollieren müssen, ob die Regeln eingehalten werden. Denn wenn nicht kontrolliert werde, „kann ich die Verordnung auch gleich lassen“. Niedermaier weiß, „dass die Verfolgung unser drängendstes Problem ist. Und die Polizei hat uns schon gesagt, dass sie kein Personal hat“.

Anton Demmel (CSU) versteht nicht, warum man so viel Zeit in eine Online-Befragung investiert hatte, die Paddler und Bootsfahrer offensichtlich versucht hätten, gezielt zu beeinflussen. „Wenn man mit der gleichen Energie bei anderen Landkreisen nachgefragt hätte, wäre man weiter.“ 

Fast überall gebe es mittlerweile solche Verordnungen. Deshalb würden ja alle Tourenanbieter zur Isar drängen. Und da die praktisch das letzte frei zu befahrende Gewässer sei, steige die Wahrscheinlichkeit, dass gegen Einschränkungen geklagt wird. Demmel empfahl, die Regelung endlich auf den Weg zu bringen.

Niedermaier erachtet die Umfrage nach wie vor als sinnvoll. Vom Grundsatz her ist er sich aber mit Demmel einig: „Ich nehme heute den Auftrag mit, die Verordnung zu erlassen.“

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