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Kein Schmuckstück mehr: Tölzer Bahnhof.

ZDF war mit Kamera vor Ort

Nach Verkauf durch Bahn: Tölzer Bahnhof so marode, dass sogar BOB flüchtet

Fahrkarten verkaufen bei 10 Grad Kälte: Das wollte die BOB ihren Mitarbeitern nicht mehr zumuten und ist mit dem Fahrkartenschalter aus dem Tölzer Bahnhof geflüchtet. Sogar das ZDF war da.

Bad Tölz – Was interessiert die Fernsehleute ein neuer Fahrkartenschalter in einem – zugegebenermaßen schick verkleideten – Container? Nun ja. Tölz, so die ZDF-Reporterin, habe einen schönen historischen Bahnhof, der von der Deutschen Bahn verkauft wurde und seitdem leider nicht mehr als Visitenkarte für einen Urlaubsort wie Tölz herhalten könne. Das sei doch ein Thema.

Unter Dach und Fach: Bürgermeister Josef Janker und BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch vor dem neuen Kundencenter am Park&Ride-Platz der Stadt. Gestern wurde der Fahrkartenschalter eröffnet.

Die Bayerische Oberlandbahn und die Stadt Bad Tölz sind schon länger dieser Meinung. Drei Jahre, so erzählt BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch, sei er nun im Amt und habe schon einige „durchaus konstruktive Gespräche“ mit Bahnhofs-Besitzer Erwin Fritz geführt. Nur habe das leider nie zu konkreten Folgen geführt. Die BOB-Mitarbeiter im Fahrkartenschalter hätten mit Temperaturen von 10 Grad und eindringendem Wasser zu kämpfen gehabt. Deshalb sei der Schalter immer wieder und auch mehrere Tage am Stück geschlossen worden. „Das geht für die Mitarbeiter und Kunden nicht.“

Die BOB hat deshalb regulär das Mietverhältnis gekündigt und sich im Herbst mit der Stadt Bad Tölz zusammengetan. Die Kommune hat für rund 20 000 Euro einen Container aufgestellt und umgebaut. Er ist klimatisiert und mit einem Holzdach versehen und steht auf dem Park&Ride-Platz der Stadt. Das ermögliche auch einen schnellen barrierefreien Zugang zu den Gleisen, sagte Josef Janker. Bob-Mitarbeiterin Veronika Pasterk freute sich schon auf den neuen Arbeitsplatz, „der näher am Kunden ist und uns auch den Blick auf die Bahnsteige ermöglicht.“ Im Bahnhof sei es zudem schon recht dunkel gewesen.

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Sah mal gut aus: Tölzer Bahnhof.

Janker wie Rosenbusch sprechen von einem „Provisorium“ und hoffen, dass das Kundencenter irgendwann mal wieder in den renovierten „wirklich schönen alten Bahnhof“ (Rosenbusch) einziehen kann. „Da gehört ein Schalter einfach hin“, sagte der BOB-Chef. Aber Provisorien halten bisweilen lange, merkte Janker illusionslos an. Man versuche aber weiterhin, mit Erwin Fritz ins Gespräch zu kommen. Die Stadt würde den Bahnhof am liebsten kaufen. Das versuchte sie schon einmal im Jahr 2002 und hatte damals das Nachsehen gegenüber Fritz, weil sie auf Bodengutachten der Bahn wartete. Die Stadt fürchtete damals, auf hohen Sanierungskosten wie bei der Kaserne sitzen zu bleiben. Die Bahn lieferte 2002 kein Gutachten, sondern verkaufte den 1924 eröffneten Bahnhof mit über elf Hektar Grund direkt an Erwin Fritz. Im Rathaus ärgert man sich noch heute über diesen Coup.

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Das neue Servicecenter wurde gestern übrigens gleich rege angenommen. Erste Kundin war ein Brasilianerin, die von Tölz aus nach Udine wollte. Perfekt, dass ein polyglotter BOB-Pressesprecher Christopher Raabe zur Stelle war, der die nicht einfache Verbindung der Frau übersetzen konnte.

Weitere Infos

Das Kundencenter ist montags von 7.15 Uhr bis 12.05 Uhr, dienstags bis freitags von 7.45 bis 12.05 Uhr sowie 12.50 bis 18 Uhr, und samstags von 7.50 bis 14.05 Uhr geöffnet. Der ZDF-Bericht soll heute ab 12.10 Uhr in der Drehscheibe zu sehen sein.

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