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Lettenholz und General-Patton-Straße: Ein Stadtteil in Bad Tölz hat Redebedarf

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Von: Patrick Staar

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Dialog mit den Bürgern: Bei einem Stadtteil-Spaziergang an Lettenholz und General-Patton-Straße standen Georg Fischhaber (li., rote Jacke) und Stefan Vogt vom Staatlichen Bauamt (mit Aktenordner) Rede und Antwort. Michael Voigt (blaue Jacke, mit Papieren) hatte die Veranstaltung der Grünen mitorganisiert.
Dialog mit den Bürgern: Bei einem Stadtteil-Spaziergang an Lettenholz und General-Patton-Straße standen Georg Fischhaber (li., rote Jacke) und Stefan Vogt vom Staatlichen Bauamt (mit Aktenordner) Rede und Antwort. Michael Voigt (blaue Jacke, mit Papieren) hatte die Veranstaltung der Grünen mitorganisiert. © Patrick Staar

Von Nordspange bis Josefistift: In kaum einem anderen Tölzer Stadtteil stehen so tiefgreifende Veränderungen bevor wie an Lettenholz und General-Patton-Straße.

Bad Tölz – Den Anwohnern an Lettenholz und General-Patton-Straße brennen viele Themen unter den Nägeln. Dies zeigte ein Stadtteil-Spaziergang, zu dem die Tölzer Grünen eingeladen hatten. Über 50 Bürger nahmen teil.

Nordumgehung

Eine Stunde lang stand Stefan Vogt im Mittelpunkt. Der Bau der Nordumgehung werde mit Sicherheit vier bis fünf Jahre dauern, sagte der Projektleiter des Staatlichen Bauamts Weilheim. Anders als zunächst geplant, würden die Arbeiten Anfang bis Mitte 2023 an der Allgaustraße beginnen, die dann gesperrt wird. Ein halbes bis Dreivierteljahr später geht’s dann in der Nähe des Eisstadions los. Dafür wird am ehemaligen Dirtpark eine provisorische Bundesstraße gebaut und nahe des Edeka-Parkplatzes eine provisorische Staatsstraße. Dies sei nötig, damit der Verkehr in der gesamten Bauzeit weiter rollen kann.

Zum Bahnhof können die Anwohner über einen neu angelegten Weg samt Brücke gelangen. Am kleinen Haus in der Nähe der BayWa würden demnächst die Leitungen abgeklemmt. Vor dem Abriss werde die Feuerwehr das Gebäude für drei Übungen nutzen, sagte Vogt.

Ersatz-Grünflächen

Für den Bau der Nordumgehung wurden schon jede Menge Bäume gefällt, einige weitere müssen noch weichen. „Wie schaut’s mit Nachpflanzung aus?“, wollte ein Anwohner wissen. Ersatz-Pflanzungen seien eine Auflage gewesen, damit die Umgehung gebaut werden darf, so Vogt. Die Ausgleichsfläche befinde sich in der Nähe des Greilinger Flugplatzes. So seien die Hundeschule und der Modellflugplatz bereits zurückgebaut worden, dafür sei ein Lebensraum für Lerchen entstanden. Der Lebensraum für Zauneidechsen nahe der Lettenholz-Blöcke bleibe erhalten und werde eher noch größer. „Die Naturschutzbehörden schauen da mit Argusaugen drauf“, sagte Vogt.

Etwas Sorgen bereitet das leicht belastete Erdreich nahe des Bahnhofs: „Die haben da früher mit Teer, Pech und Diesel rum gepritschelt.“ Das Erdreich müsse zu geeigneten Deponien bis nach Niederbayern und Ostdeutschland gefahren werden. Allein der Transport werde 2 Millionen Euro kosten.

Verkehrsberuhigung

Das Lettenholz sei der kinderreichste Stadtteil von Bad Tölz, sagte Anwohner Michael Voigt, der den Ausflug organisiert hatte. Das Problem seien allerdings Autos, die über die Durchgangsstraße „rasen“. Man müsse sich Gedanken machen, wie man sie ruhiger bekommt: „Wir denken an eine Spiel- oder Fahrradstraße.“

Das Problem sei, dass bei Stau viele Autofahrer diese Straße als Abkürzung nehmen, sagte Georg Fischhaber, Verkehrs-Sachgebietsleiter im Landratsamt. Sobald die Umgehungsstraße kommt, werde diese Straße nur noch von Anliegern genutzt. Man müsse sich aber schon jetzt Gedanken machen, forderte Voigt: „Die Menschen leben hier seit fast 30 Jahren, ihre Geduld ist zu Ende.“

Stadträtin Johanna Pfund sagte, dass das Tölzer Bauamt beispielsweise über Sackgassen und „Fingerlösungen“ nachdenke. „Ich persönlich glaube aber, dass man mit Stichstraßen mehr Probleme schafft als löst.“ Voigt plädierte für eine Bürger-Beteiligung wie im Gries.

Rückbau B13 und B472

Wenn die Nordumfahrung kommt, muss ein Rückbau der B13 erfolgen, fordert Voigt. Derzeit sei der Lärm gerade aufgrund der Motorradfahrer unerträglich: „Sie geben an der Kreuzung Vollgas und fahren bei Sitec mit Tempo 200 vorbei – klar, bergauf hat man ja auch eine schöne Kompression.“ Georg Fischhaber kann sich Mittellleitschwellen vorstellen, um Raser zu bremsen: „Aber ich gebe zu, dass wir uns da noch nicht 100-prozentig einig sind.“ Ebenso könne man an dieser Stelle 14 Tage lang anonym die Geschwindigkeit messen, um herauszufinden, wie schnell tatsächlich gefahren wird.

Verwirrende Beschilderung: Kritik wurde an diesem Unterführungshinweis geübt.
Verwirrende Beschilderung: Kritik wurde an diesem Unterführungshinweis geübt. © Patrick Staar

Gefährlich ist die Einfahrt zur Straße „Am Lettenholz“ auch deshalb, weil viele Fußgänger und Radfahrer die benachbarte Unterführung nicht nutzen. Ein Problem sei in diesem Fall die schlechte Beschilderung, merkte eine Anwohnerin an. Das Hinweisschild auf eine Unterführung sei ein Fußgänger auf einer Treppe: „Als auswärtiger Radler signalisiert mir das Schild, dass Treppen kommen – und dann fahr ich nicht in die Unterführung rein.“ Pfund regte an, die Fahrbahn mit einem Radfahrer zu markieren.

Seniorenheim

„Ein Senioren-Wohnheim und daneben ein Spielplatz – das passt überhaupt nicht zusammen“, kritisierte eine Anwohnerin den geplanten Standort für das neue Josefistift am jetzigen Spielplatz-Standort an der General-Patton-Straße. Gerade in den Ferien seien die Kinder bis 22 Uhr im Freien. Über dieses Thema könne man streiten, entgegnete Pfund. Eine andere Sichtweise sei, dass alten Leuten oft langweilig ist und sie froh sind, „wenn vor dem Seniorenheim Leben ist“.

Zustand der Blöcke

Eine Anwohnerin kritisierte, dass die Mieten steigen, auf der anderen Seite an den städtischen Wohnblöcken aber keine Balkone angebracht werden – ganz im Gegensatz zu den benachbarten Wohnblöcken, die dem Bund gehören. „Die Mieterhöhung ist völlig grundlos“, befand sie. Die Haustüren würden nicht schließen, die Hauswände seien in den vergangenen Jahrzehnten nur einmal gestrichen worden.

Eine andere Anwohnerin kritisierte, dass Beete entfernt wurden, die Anwohner angelegt hatten. Sie regte an, dass die Stadt Beete an die Anwohner vermietet: „Es ist wichtig, dass das was kostet, denn was nichts kostet, ist nichts wert.“

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