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„Bodenlose Frechheit“: Vater empört – Schüler sollen in Nachbarort wechseln

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Von: Elena Royer

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Die Tölzer Südschule: Kommendes Schuljahr soll es dort eine sechste Klasse weniger geben. Die Schüler sollen nach Gaißach umgesiedelt werden.
Die Tölzer Südschule: Kommendes Schuljahr soll es dort eine sechste Klasse weniger geben. Die Schüler sollen nach Gaißach umgesiedelt werden. © Pröhl/A

An der Tölzer Südschule soll eine 6. Klasse wegfallen: Einige Schüler sollen deshalb nach Gaißach an die Mittelschule. Das empört einen Vater.

Bad Tölz – Gerade erst ist der Sohn von Tommy Pohl von der Grundschule in die fünfte Klasse der Tölzer Südschule gekommen. Zum neuen Schuljahr soll der Elfjährige schon wieder wechseln und künftig die Gaißacher Mittelschule besuchen. Der Grund: Die Klassenstärke sei zu gering. Vater Tommy Pohl ist damit ganz und gar nicht einverstanden. Deshalb hat er sich an den Tölzer Kurier gewandt.

Vater spricht von einer „bodenlosen Frechheit“

„Das ist eine bodenlose Frechheit vom Mittelschulverbund Isarwinkel“, findet er. „Die Kinder haben nach der Grundschule erst die Schule gewechselt und sollen jetzt wieder aus ihrem schulischen Verbund gerissen werden.“ Den Grund, den die Verantwortlichen für die Umsiedelung anführen – die zu geringe Klassenstärke – teilt Pohl nicht. Im Gegenteil: „Die Klassenstärke ist perfekt für aufmerksamen Unterricht. Wir sind sehr zufrieden mit der Südschule und möchten dort auch bleiben.“

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Vorgabe lautet, gleichmäßige Klassen zu bilden

Als weitere Gegenargumente führt Pohl die Kosten der Zugtickets an, die für die Fahrt nach Gaißach nötig wären, den ökologischen Fußabdruck durch die Zugfahrt und das ungesunde, noch frühere Aufstehen. „So darf man nicht mit Kindern umgehen“, unterstreicht er.

Auf Nachfrage des Tölzer Kurier erklärt Petra Burkhardt, die fachliche Leitung des Staatlichen Schulamts im Landkreis, warum die Schüler von Tölz nach Gaißach umgesiedelt werden. „Es gibt die Vorgabe innerhalb des Mittelschulverbunds gleichmäßige Klassen zu bilden“, sagt sie. „Zu Schuljahresbeginn hatten beide fünfte Klassen an der Südschule die Berechtigung zu starten. Jetzt sind es aber weniger Schüler, zum Beispiel aufgrund von Wegzügen.“ Deshalb soll es dort im kommenden Schuljahr nur noch eine sechste Klasse geben.

Lösungen müssen innerhalb des Verbunds gesucht werden

Eigentlich ist es so, sagt Burkhardt, dass etwa 30 Schüler eine Klasse bilden. Haben aber in einer Jahrgangsstufe mehr als 50 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund, greift der Teiler schon früher, nämlich bei 25. „Beim 26. Schüler wird dann also eine neue Klasse gebildet“, erklärt die Schulamtsdirektorin.

Weil an der Südschule aber die Klassen geschrumpft sind, gibt es nur eine knappe Überschreitung dieses Richtwerts. „Dann müssen Lösungen im Verbund gesucht werden“, sagt Burkhardt. Konkret sehen die so aus, dass einige Schüler ab kommendem Schuljahr die Mittelschule Gaißach besuchen sollen.

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Welche Schüler wechseln müssen, stehe nicht nicht abschließend fest

Der aktuelle Sachstand sei laut Schulamtsdirektorin, dass Elternbriefe verschickt wurden, in denen darüber informiert wird, dass man auf der Suche nach einvernehmlichen Lösungen sei. Burkhardt zufolge steht es aktuell also noch gar nicht fest, ob der Sohn von Tommy Pohl wirklich an die Gaißacher Mittelschule umsiedeln muss. Pohl berichtet aber, der Rektor der Südschule habe ihm bereits mitgeteilt, dass sein Sohn wechseln muss.

Bei der Auswahl der Schüler, die nach Gaißach umsiedeln sollen, werde Burkhardt zufolge beispielsweise auch berücksichtigt, wie weit weg die Kinder vom Bahnhof wohnen. „So ein Prozedere ist durchaus üblich“, erklärt sie das geplante Vorgehen. „Veränderungen sind nicht schön, aber das ist zumutbar.“

Insgesamt nehmen die Schülerzahlen an den Mittelschulen ab

Es gibt auch einen Fall, in dem es umgekehrt läuft: In Gaißach zum Beispiel besuchen nur noch sieben Schüler die neunte Klasse. Ein paar von ihnen müssen nach Tölz, ein paar nach Lenggries. „Das ist die Idee des Mittelschulverbunds, die kleinen Schulen am Leben zu halten“, erklärt Burkhardt. „Denn die Schülerzahlen an den Mittelschulen nehmen ab.“ Und das funktioniert eben nur durch das Umschichten einzelner Klassen.

Schulamtsdirektorin: „Die Umsiedlung wird stattfinden“

Lehrer werden durch dieses Vorgehen nicht eingespart. Burkhardt erklärt: „Die Lehrerstunden, die der Landkreis vom Ministerium bekommt, berechnen sich nach der Schülerzahl. Und nicht nach den Klassen.“

Die Schulamtsdirektorin stellt klar: „Die Umsiedelung wird stattfinden. Aber noch steht nicht fest, ob jemand gegen seinen Willen nach Gaißach muss.“

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