Verhandlung am Amtsgericht

Sohn verprügelt seinen Vater: 21-Jähriger steht vor Gericht

  • vonRudi Stallein
    schließen

Sie haben es nicht leicht miteinander, ein Tölzer (54) und sein Sohn (21): Oft kommt es zwischen den beiden zu Handgreiflichkeiten. Nun musste sich der Sohn unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Zu Handgreiflichkeiten kam es immer wieder zwischen einem Sohn (21) und seinem Vater.

Bad Tölz - „Es scheint die Regel zu sein, dass man sich gegenseitig haut“, sagt die Jugendgerichtshelferin zu dem ambivalenten Verhältnis der beiden, das den Sohn nun vor das Jugendgericht in Wolfratshausen brachte. Wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen sowie vorsätzlicher Körperverletzung wurde er zu einer Woche Arrest verurteilt.

Sohn soll seinen am Boden liegenden Vater weiter geprügelt haben

Am 23. September vorigen Jahres soll der 21-Jährige seinen Vater an einer Bushaltestelle in Geretsried gegen Kopf und Brust getreten und ihn am Boden liegend geprügelt haben.

Geschlagen habe er ihn, das gab der Angeklagte zu. Aber getreten habe er nicht. „Dann tät’ sein Kopf ganz anders ausschauen.“ Und außerdem: „Mit den Haxn komm ich nicht so weit rauf, dass ich ihn am Schädel treffen könnte.“ Der Vater bestätigte: „Er hat nicht getreten. Er hat sich auf mich draufgehockt und mir ein paar Watschen gegeben.“ Der Grund für seinen Wutanfall sei eine vorangegangene Aktion des Vaters gewesen: „Ich hab’ telefoniert, und er hat mir das Handy ans Ohrwaschel gehauen“, so der Sohn.

Mit einem Topf auf den Hinterkopf geschlagen

Auch dem zweiten angeklagten Vorfall war ein Disput vorausgegangen. „Wir haben mordsmäßig gestritten“, bestätigt der Vater, „da hab’ ich ihm mit einem Topf auf den Hintern gehauen.“ Daraufhin sei der Sohn ihm nachgerannt und habe sich auf seine Weise revanchiert – mit einer Watschen und einem Faustschlag in den Magen.

„Er kann gemacht haben, was er will. Das ist kein Grund, ihn zu schlagen. Dann rufen Sie die Polizei“, schimpfte Richterin Friederike Kirschstein-Freund mit dem jungen Mann, über dessen weiteres Verhalten sie nur den Kopf schütteln konnte. Am 1. Dezember hatte der Angeklagte in einer Vernehmung bei der Polizei beteuert, es tue ihm leid und komme nicht wieder vor. Doch nur zwei Tage später schlug er laut Anklage mit einem leeren Getränke-Tragerl auf den Vater ein, weil dieser „vorher gestresst hatte“.

Das Gericht verhängt eine Woche Dauerarrest

„Das ist kein Zustand. Ihr müsst euch mal zusammenreißen“, mahnte Jugendgerichtshelferin Josephin Bettzüge, die von der schwierigen Entwicklung des Angeklagten berichtete. Der Junge habe den Vater, „seine wichtigste Bezugsperson“, schon früh mit „massiven Verhaltensauffälligkeiten“ überfordert. Als Ahndungsvorschlag stellte sie eine Woche Dauerarrest in den Raum. „Damit mal bei dir ankommt, dass es so nicht weitergeht.“

Das Gericht folgte dem Vorschlag. Die Richterin empfahl dem Angeklagten, die Woche zu nutzen. „Machen Sie sich Gedanken, wie Sie künftig mit ihrem Vater leben möchten.“ Der Angeklagte sagte: „Ich seh’ ein, dass ich Scheiße gebaut habe, und werde die Woche abhocken.“  

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare