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Wurde geschlossen: Die Sparkassenfiliale in der Tölzer Karwendelsiedlung.

In der Tölzer Karwendelsiedlung

Sparkassen-Schließung: „Viele Senioren fühlen sich abgehängt“

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Die Schließung der Sparkassenfiliale in der Tölzer Karwendelstraße ist vor allem für viele ältere Menschen ein Problem.

Bad Tölz – Vor gut fünf Monaten hat die Sparkasse ihre Geschäftsstelle an der August-Moralt-Straße in Bad Tölz geschlossen. Alternativ können Kunden zwar im neuen SB-Pavillon auf dem nahegelegenen Lidl-Parkplatz Geld ein- und auszahlen sowie Kontoauszüge ausdrucken. Überweisungen aber sind nicht mehr möglich. Für viele ältere Menschen aus der Karwendelsiedlung stellt dieser Umstand ein Problem dar, sagt Anwohnerin Antonie Merk.

Obwohl die meisten Senioren nicht mehr gut zu Fuß seien, müssten sie in eine der verbliebenen Filialen in der Marktstraße, am Bahnhof oder im Badeteil laufen, um ihre Überweisungen in Auftrag zu geben. „Und der Bus kostet Geld.“ Online-Banking sei für die Betroffenen keine Lösung. „Die meisten bei uns haben nicht einmal einen Computer“, sagt Merk. Und wer einen PC besitzt, habe in der Regel keinen Internet-Anschluss. „Viele Senioren fühlen sich abgehängt.“

Die 80-Jährige selbst hat ein Auto und keine Probleme, ihre Überweisungen zur Bank zur bringen. „Ich spreche für die älteren Menschen in der Siedlung, die nicht in so einer glücklichen Lage sind wie ich.“ Die Betroffenen trauten sich nicht, das Problem beim Namen zu nennen. Merk schon. Sie wandte sich an den Tölzer Kurier und bat die Heimatzeitung, bei der Sparkasse nachzufragen, ob nicht ein Briefkasten für Überweisungsträger aufgehängt werden könne.

Diesem Lösungsansatz muss Willi Streicher eine Absage erteilen. „Briefkästen in SB-Pavillons sind sicherheitstechnisch sehr bedenklich“, sagt der Pressesprecher der Sparkasse. „Obwohl es durchaus Modelle gibt, die geschützt sind, raten Fachleute eindeutig davon ab.“ Ein weiteres Problem: Der Briefkasten müsste täglich geleert werden, um einer EU-Richtlinie gerecht zu werden. Die „Payment Services Directive“ (PSD) besagt nämlich, dass Überweisungen am nächsten Tag auf dem Empfängerkonto sein müssen. Extra einen Kurierdienst zu beauftragen, der den Briefkasten jeden Tag leert – das sei ein zu großer Aufwand, bedauert Streicher.

Eine einfache und bequeme Lösung des Problems sieht er im Telefon-Banking. Dabei können die Kunden zum Beispiel ihre Überweisungen telefonisch in Auftrag geben. Um den kostenlosen Service nutzen zu können, muss man sich laut Streicher einmal anmelden: entweder in einer Geschäftsstelle oder per Telefon (Sparkassen-Card bereithalten). „Viele unserer Kunden nutzen diesen Service, der insbesondere für ältere Kunden, die nicht das Online-Banking nutzen wollen, ideal ist“, sagt Streicher.

Antonie Merk hat noch nie von dieser Möglichkeit gehört, will sie aber auf jeden Fall ausprobieren – und dafür sorgen, dass möglichst viele Senioren in der Karwendelsiedlung davon erfahren. „Das ist auf jeden Fall eine Option.“

Kunden-Service-Center: Wer Aufträge bei der Sparkasse telefonisch aufgeben möchte, wendet sich unter Telefon 0 80 41/80 07 0 an das Kunden-Service-Center.

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