Das Naturkleinod Gabriel-von-Seidl-Weg soll unbedingt erhalten und nicht für ein Zufahrt zu einem neuen Baugebiet (rechts) geopfert werden. Darüber waren sich die Bauausschuss-Mitglieder in der jüngsten Sitzung einig.
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Das Naturkleinod Gabriel-von-Seidl-Weg soll unbedingt erhalten und nicht für ein Zufahrt zu einem neuen Baugebiet (rechts) geopfert werden. Darüber waren sich die Bauausschuss-Mitglieder in der jüngsten Sitzung einig.

Tölzer Bauausschuss

Stadträte kämpfen um Erhalt des Gabriel-von-Seidl-Wegs ein

Der idyllische Gabriel-von-Seidl-Weg in Bad Tölz könnte in Zukunft teilweise von einer Zufahrt zu einem geplanten Wohngebiet durchschnitten werden.

Bad Tölz – Der Gabriel-von-Seidl-Weg in Bad Tölz ist eine idyllische Fußgänger-Allee, wie es sie in Bad Tölz kein zweites Mal gibt. Doch er steht der künftigen Bebauung am Isarleitenweg entgegen, die nun zum wiederholten Mal im Bauausschuss des Stadtrats diskutiert wurde.

Anders als in früheren Jahren ist man sich inzwischen der Bedeutung dieser historischen Baumreihe bewusst. So appellierte Doris Bigos (Grüne) vehement dafür, dass sich Bauamtsleiter Christian Fürstberger „mit seinem ganzen Charme“ beim Staatlichen Bauamt Weilheim dafür einsetzen solle, dass eine Zufahrtsmöglichkeit gefunden wird, ohne diesen „historischen und bei der Bevölkerung sehr geschätzten Weg“ (so die Vorlage der Bauverwaltung) anzutasten.

Worum geht es? Die Stadt möchte zwischen Arzbacher Straße und Isarleitenweg (Abhang zum früheren Sportstudio Hirsch und Parkhaus) ein neues Baugebiet erschließen. Dort sind 40 Wohneinheiten geplant, von denen ein Teil gefördert werden soll, und zwar mit dem Erlös der Grundstücksverkäufe im Wohngebiet Hintersberg II.

Staatliches Bauamt ist gegen Erschließung des Wohngebiets von Süden her

Bei der im Mai 2020 durchgeführten Auslegung des Bebauungsplanes gingen von den beteiligten Behörden keine wesentlichen Einwände ein und auch die Anliegerbedenken wurden gehört. Das Staatliche Bauamt ist jedoch gegen die von der Stadt gewünschte Erschließung des Areals von der Südseite her. Dort verläuft die Straße zwischen der Einfahrt Tölz-Mitte und der Einmündung in die Bockschützstraße (unterhalb der südlichen Isarbrücke). Sie liegt auf Staatsgrund, und die zuständigen Straßenbauer in Weilheim befürchten einen Rückstau in den Kreuzungsbereich. Sie gehen nämlich davon aus, dass auf der Arzbacher Straße und der Tölzer Südumgehung in den nächsten 20 Jahren noch deutlich mehr Verkehr als bisher fließen wird und durch zu viele Abbieger ein Verkehrskollaps mit Rückstau auf die Bundesstraße entstehen würde.

Die Stadt ließ deshalb von einem Ingenieurbüro Alternativen vorschlagen, so etwa von der Arzbacher Straße her über den dort bestehenden Parkplatz, die jedoch den Gabriel-von-Seidl-Weg kreuzen würden. Im besten Fall müssen nur zwei oder drei Bäume gefällt werden, darunter einer in einem stark geschwächten Zustand. Fürstberger machte aber deutlich, dass auch ein absterbender Baum wertvoller Lebensraum für Kleintiere sei.

Stadträte wollen Gabriel-von-Seidl-Weg nicht für Zufahrt opfern

Nach längerer Diskussion zeigte sich durch den Zwischenapplaus für Bigos deutlich, dass die meisten Räte auch nicht einen Baum des Gabriel-von-Seidl-Wegs für eine Zufahrt opfern wollen. Die Grünen-Stadträtin: „Ich kann mir vorstellen, dass die künftigen Hotelgäste dort gerne flanieren.“ Wie berichtet, soll unterhalb des Isarleitenweges ein Vier-Sterne-Mercure und ein Zwei-Sterne-Ibis-Hotel gebaut werden.

Außerdem erinnerte Bigos daran, dass der seit 1962 gewidmete beschränkt-öffentliche Weg früher deutlich länger war, wie man auf alten Fotos erkennen könne. Wenn man jetzt weitere Bäume fälle, dann bleibe kaum mehr etwas vom Weg übrig.

Auch eine Zufahrt über den bestehenden Isarleitenweg erscheint nicht sinnvoll, da diese erstens sehr lang ist und zweitens teilweise über Privatgrundstücke laufen würde.

Wohnbebauung: CSU-Stadtrat hält Areal an Arzbacher Straße für ungeeignet

Einstimmig beschlossen wurde schließlich, den Bebauungsplan Isarleitenweg, der noch eine Reihe weiterer Maßnahmen beinhaltet, zu überarbeiten und erneut für sechs Wochen öffentlich auszulegen. Zwischenzeitlich wird die Verwaltung noch einmal mit dem Staatlichen Bauamt bezüglich der Zufahrt verhandeln. Dann wird das Verfahren mit den eingehenden Einwendungen oder Anregungen von Behörden und Bürgern erneut vom gesamten Stadtrat beraten werden.

Während Zweiter Bürgermeister Michael Lindmair (FWG), der die Sitzung leitete, für einen baldigen Baubeginn auf dem städtischen Gelände plädierte, meinte Anton Mayer (CSU) angesichts der Naturzerstörung und der für die Erschließung zu befürchtenden hohen Kosten sei das Grundstück „für den sozialen Wohnungsbau nicht geeignet“. Er schlug vor, den am Baugebiet Hintersberg II zu erwartenden Verkaufserlös „woanders einzusetzen“.

Von Karl Bock

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