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Gewerblichen Raftinganbietern steht das Wasser bis zum Hals. Das seit 2014 gültige bayerische Wassergesetz könnte „für alle Raftingunternehmen das Todesurteil“ bedeuten, sagt Sibylle Braune von den „Sportpiraten“.  

Und den halben Sommer darf man gar nicht fahren

„Todesurteil für Isar-Rafter“: Wer hier Boot fahren will, braucht eine Genehmigung

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Um den Schlauchboot-Ansturm auf der Isar zurückzutreiben, verteilt das Landratsamt harte Regeln: Gewerbliche Raftinganbieter brauchen künftig eine Genehmigung - und dürfen oft im Jahr gar nicht fahren.

Bad Tölz – Es sollte eine Vorinformation werden über die geplante Regelung für den Bootsverkehr auf dem Wildfluss. Tatsächlich aber fühlten sich die Bootsunternehmen „vor vollendete Tatsachen gestellt“, schildert Sibylle Braune von den „Sportpiraten“. Bereits im kommenden Jahr haben die Firmen, die gewerblich Bootstouren auf der Isar anbieten, mit deutlichen Einschnitten zu rechnen. Die gravierendste: Gefahren werden darf nur noch mit Genehmigung – und nur noch zwischen 11. August und 15. Oktober. „Das ist für alle Raftingunternehmen das Todesurteil“, sagt Braune. Der Zeitraum sei zu kurz, ergänzt Martin Held, Geschäftsführer von „Montevia“. Dabei verstehe er durchaus, dass es Regeln für die Nutzung auf dem Fluss brauche. Das hatten Held und Braune schon in der vergangenen Woche bei einem Gespräch mit „Rettet die Isar jetzt“ deutlich gemacht. „Und wir wären auch zu Zugeständnissen bereit“, sagt Held. Beispielsweise würde man mit Blick auf Laichzeiten auf eine Befahrung im Mai verzichten. Aber Juni und Juli benötige man einfach, um als Unternehmen bestehen zu können.

Verordnung gilt nur für private Nutzer

Tatsächlich sind die Firmen übrigens gar nicht Opfer der geplanten Isar-Verordnung. Die soll nämlich nur den Gemeingebrauch regeln – also die private Nutzung der Isar. „Die Situation für die gewerbliche Nutzung ergibt sich durch die aktuelle Rechtslage“, so Landrat Josef Niedermaier. Dementsprechend sei das gewerbliche Befahren der Isar im Naturschutzgebiet – oberhalb des Sylvensteinsees und unterhalb des Tölzer Stausees – nicht möglich. „Und es wird auch nicht geduldet – ganz unabhängig davon, welche Reglungen die Bootsfahrverordnung für den Gemeingebrauch beinhalten wird“, sagt der Landrat.

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Damit könnten viele Tourenanbieter leben, befahren sie doch in erster Linie den Abschnitt zwischen Lenggries und Bad Tölz. Aber auch dort – es handelt sich um ein Landschaftsschutz- und FFH-Gebiet – müssen Unternehmen ihr Vorhaben künftig mit Blick auf das seit 2014 gültige neue bayerische Wassergesetz genehmigen lassen. Und das gilt nicht nur für Anbieter von geführten Touren, sondern auch für Bootsverleiher. Carolin Singer, Leiterin der zuständigen Abteilung im Landratsamt, machte am Montag deutlich, dass ein solcher Antrag auf Erteilung einer Genehmigung unter anderem ein Konzept mit Beschreibung, Anzahl und Strecke der Befahrung beinhalten muss. 

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Von diesem Konzept wird viel abhängen. Verpflichtet sich ein Unternehmen beispielsweise dazu, die Isar nur im tiefen Wasser zu befahren, nicht in Gumpen zu springen oder auch das Anlanden zu vermeiden, um Brutgebiete zu schützen, „kann man in Einzelfällen auch über eine frühere Genehmigung nachdenken“ – sprich vor dem 11. August, sagt Niedermaier. Die Tatsache, dass generell eine Genehmigung notwendig sein wird, treffe die Unternehmen nicht unvorbereitet. „Wir haben ihnen letztes Jahr schon gesagt, dass wir das Ganze nur noch ein Jahr dulden.“ Jetzt müsse das Gesetz vollzogen werden. „Natürlich wurde am Montag immer wieder gesagt, dass das alles schon geht, wenn der Landrat nur will. Aber so ist es nicht“, sagt Niedermaier.

Ausschluss gewerblicher Anbieter löst nicht das Problem

„Montevia“ und „Sportpiraten“ werden Anträge stellen. Aber letztlich sei man hier dem Wohlwollen der Unteren Naturschutzbehörde ausgeliefert, sagt Held. Was Braune ärgert, ist, dass es keine Datengrundlage gibt, sprich: keine Untersuchung, welche Auswirkungen Boote tatsächlich auf Fische oder Vögel haben. Genau die wird das Landratsamt nun in Auftrag geben – allerdings nicht nur mit Blick auf Boote. „Es wird generell untersucht, wie viel Nutzung die Isar überhaupt verträgt“, sagt Niedermaier. Es werde allerdings ein bis zwei Jahre dauern, bis hier ein Ergebnis vorliegt.

Die Raftinganbieter hoffen, dass es für sie früher eine Lösung geben wird, „mit der wir noch existieren können“, sagt Braune. Denn wenn man gewerbliche Anbieter ausschließe, löse man das Problem nicht. Im Gegenteil: „Die Leute kommen so oder so. Dann eben privat.“ Und die würden dann ohne qualifizierte Führung, ohne Hinweise auf das richtigen Verhalten in der Natur und ohne Hinweise auf Naturschutzbestimmungen fahren. Zu all dem hatten sich Raftinganbieter 2015 in einer Erklärung freiwillig verpflichtet. Erstellt worden war diese in Absprache mit Fischern, Vogelschützern und anderen Verbänden.

Bei einem Rafting-Unfall in Österreich wurden fünf Frauen aus Deutschland aus einem Boot geschleudert. Die Frauen wurden daraufhin im Inn abgetrieben.

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