Ganz in Weiß: Konzeptkünstler Peter Kees warb in Bad Tölz dafür, dunkle Autos umlackieren zu lassen - für den Umweltschutz.
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Ganz in Weiß: Konzeptkünstler Peter Kees warb in Bad Tölz dafür, dunkle Autos umlackieren zu lassen - für den Umweltschutz.

Brauchen weiße Autos weniger Sprit?

Ungewöhnlicher Aufruf in Bad Tölz: Autos sollen weiß lackiert werden - für den Umweltschutz

Flyer mit der überraschenden Aufforderung, doch bitte sein Auto umzulackieren, fanden kürzlich viele Tölzer an der Windschutzscheibe. Was steckt dahinter?

Bad Tölz – Rote Zettel an der Windschutzscheibe überraschten kürzlich einige Tölzer. Auf dem Flyer stand die Aufforderung, sein Fahrzeug doch bitte weiß zu lackieren: aus ökologischen und ökonomischen Gründen.

Ist das ernst gemeint? Auf Rückfrage des Tölzer Kurier führt Peter Kees, nach eigenen Angaben Initiator des Bündnisses für weiße Autos, einige Argumente für sein skurril anmutendes Anliegen ins Feld. „Ich befasse mich schon seit Längerem mit dem Thema Umweltschutz“, sagt er. „Vor einiger Zeit bin ich auf die positiven Aspekte von weiß lackierten Autos gestoßen.“

Aufruf in Bad Tölz: „Bündnis für weiße Autos“ startete Petition an den Bundestag

Weiße Fahrzeuge seien spritsparender und energieeffizienter. Bei Hitze seien sie kühler als dunklere Fahrzeuge, weshalb die Klimaanlagen weniger genutzt würden. Außerdem, so Kees, würden weiße Autos weniger Unfälle verursachen, da sie von Passanten oder Fahrradfahrern früher wahrgenommen würden. Nicht zuletzt sei erwiesen, dass weiße Fahrzeuge geräuscharmer wirkten und so die Verkehrsbelastung verringerten. „Die heutige Verkehrssituation stellt für mich eine große Problematik dar, nicht nur wegen der Umweltbelastung, sondern auch wegen des hohen Aggressionspotenzials vieler Autofahrer“, sagt Kees.

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Das „Bündnis für weiße Autos“ fordert mit einer Onlinepetition den Bundestag auf, in Zukunft nur noch weiße Autos zuzulassen. Alle anderen Fahrzeuge sollen bis 2023 umlackiert werden müssen. Die Petition fand bislang allerdings lediglich 19 Unterstützer.

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Ungewöhnlicher Aufruf in Bad Tölz: Aktion um weiße Autos soll sich bundesweit ausbreiten

„Wir haben in Bad Tölz gestartet, da in einer ländlichen Region fast jeder auf ein eigenes Auto angewiesen ist“, sagt Kees. Die Aktion solle sich aber noch bundesweit ausbreiten. Ideal sei natürlich ein besser ausgebauter und günstiger Nahverkehr in den ländlichen Regionen. Kees gibt sich zuversichtlich, dass es bald mehr Unterstützer werden und „dass der Bundestag über diese Möglichkeit nachdenkt“.

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Ernst gemeinter Denkanstoß, Satire, Provokation oder Kunst? Kees’ Aktion richtig einzuordnen, bleibt jedem selbst überlassen. Hilfreich dabei ist es jedenfalls zu wissen, dass es sich bei dem Initiator um einen in Ebersberg lebenden Konzeptkünstler handelt. Das Internet-Lexikon Wikipedia listet unter seinen „Werken“ ähnlich irritierende, zweideutige Aktionen auf, in denen sich wohl politische Botschaft und ein augenzwinkerndes Spiel mit der Öffentlichkeit vermischen. So erklärte er in der Vergangenheit eine Bäckerei sowie einen Amtsgerichtsdirektor zu Kunstwerken. Immer wieder besetzte er einzelne Quadratmeter Land und erklärte sie zum „arkadischen Hoheitsgebiet“ – auch am Walchensee. In Ebersberg fand heuer die Ausstellung „Wo bitte geht‘s nach Arkadien“ statt, begleitet von Vorträgen, Diskussionen und einem sozialen Experiment.  

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Eine Frau aus Benediktbeuern raste kürzlich außerdem betrunken auf eine Wiese und demolierte ihr Auto dabei. Anschließend lieferte sie eine seltsame Erklärung.

Theresa Pfund/Andreas Steppan

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