Die erst 2018 eröffnete Toilettenanlage am Bürgergarten ist gesperrt. Die Bodenbeläge mussten auf Kosten des Herstellers ausgetauscht werden. Foto: chs
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Die neue Toilettenanlage am Bürgergarten ist vandalismushemmend und zum Teil selbstreinigend. Das ist teuer, aber es soll Standard bei den öffentlichen WC-Anlagen in Tölz werden.

Öffentliche Toiletten Thema im Finanzausschuss

Bad Tölz: Viel Geld fürs Stille Örtchen

Bad Tölz – Öffentliche Toiletten sind teuer. Sehr teuer sogar. Zumal wenn sie weitgehend vandalensicher und selbstreinigend sein sollen. Diesen Standard hat die Stadt Bad Tölz vor einigen Jahren eingeführt und will ihn eigentlich nicht mehr aufgeben, erläuterte Kämmerer Hermann Forster in der jüngsten Sitzung des Tölzer Finanzausschusses. Es soll weiter investiert werden.

Elf „Bedürfnisanstalten“ gibt es, die nach den Worten Forsters eigentlich ganz gut übers Stadtgebiet verteilt sind. Die Standorte sind: Bahnhof, Bürgergarten, Durchgang Stadtmuseum, Parkhaus, Isarkai, Parkplatz Muchgaragen, Franziskanergarten, Sportplatz Peter-Freisl-Straße, Friedhof, Kalvarienberg und Moraltpark-Festplatz. Nach neuem Standard gebaut sind zum Beispiel die WCs am Bürgergarten (Kosten 560 000 Euro mit Gebäude), Parkhaus (etwa 250 000 Euro) und Durchgang Stadtmuseum (135 000 Euro). Sie reinigen sich mit Dampf nach drei Benutzern selbst. Die fugenlose Bauweise erleichtert die tägliche Reinigung durch eine Firma. Demgegenüber gibt es „Uralt“-Klos, wie das im Franziskanergarten, das im nordwestlichen Eck so gut versteckt ist, dass es selten benützt wird. Zum Glück muss man sagen, denn die Fliesenbauweise mit vielen Fugen führt laut Forster nach einigen Jahren dazu, dass selbst die beste Reinigung Geruchsbelästigungen nicht mehr vermeiden kann. Forster antwortete auf eine Forderung Richard Hochs (Grüne) nach kürzeren Putzintervallen. Um den WC-Standort Franziskanergarten aufzuwerten, denkt die Stadt an den Einbau eines modernen Ein-Raum-WC-Moduls nach dem Vorbild des Bürgergartens. Es würde – entschieden ist noch nichts – rund 190 000 Euro kosten.

Dringenden Handlungsbedarf erkennt die Stadt für das ebenfalls in die Jahre gekommene Stille Örtchen am Parkplatz Muchgaragen. Das vandalismushemmende und selbstreinigende Drei-Raum-WC soll auch einen neuen Standort, näher bei den Campern, erhalten. Kostenschätzung: Rund 300 000 Euro. Die Isarkai-Anlage (Busbahnhof) soll mit einem Aufwand von rund 70 000 Euro renoviert werden. Langfristig besteht die Idee, den WC-Standort zu verlegen und den eigentlich sehr attraktiven Platz neu zu gestalten. Saniert werden soll auch die Kalvarienberg-Toilette (15 000 Euro). Alle anderen sind weitgehend in Schuss.

Seit Jahren ist ein WC an der Blomberg-Bergstation im Gespräch

Der Kämmerer nannte auch eine Wunschliste für neue Standorte. Schon seit vielen Jahren ist eine WC-Anlage an der Blombergbahn-Bergstation im Gespräch. Auch auf der Flinthöhe wird seit vielen Jahren über die Notwendigkeit einer Toilette diskutiert. Noch ganz frisch ist der Wunsch nach einer Toilette im neuen Taubenloch-Park mit Spielplatz. Gleich mehrere Räte machten sich stark dafür. Willi Streicher (SPD) argumentierte, dass man doch jetzt schon so viel Geld in den kleinen Park gesteckt habe. Da solle man dranbleiben. Er lobte übrigens ausdrücklich die Tölzer Betriebe, die sich am Angebot „Nette Toilette“ beteiligen. Gaststätten etwa, die gegen einen Obolus die Nutzung ihrer WCs gestatten. Das sollte man viel mehr bewerben.

Karsten Bauer (CSU) dachte laut darüber nach, ob man ein Taubenloch-WC nicht mit einer kleinen Bewirtungsmöglichkeit verbinden könnte. Ob das so lukrativ sei, bezweifelte Forster.

Im neuen Taubenloch-Park auch eine WC-Anlage?

Richard Hoch sah schon wegen des Kinderspielplatzes dringenden WC-Bedarf im Taubenloch und schlug auch gleich noch einen Toiletten-Standort auf der Westseite der Isarbrücke (abgerissener Kiosk) vor, um den Isarpromenadenbereich abzudecken. Der Kämmerer erinnerte daran, dass am Parkhaus ein WC sei und mahnte ganz generell Kostendisziplin an. Bei den nächsten Haushaltsberatungen werde der Stadtrat zu entscheiden haben, welche Wünsche er erfüllen wolle. Peter von der Wippel (FWG) sprach von „horrenden Summen“, die die Stadt für die öffentlichen Toiletten ausgegeben habe. „Es ist aber einfach nötig.“ Bauer sprach von „gut investiertem Geld“.

Gabriele Frei (CSU) bat schließlich darum, das Klo-Problem am Bahnhof nicht aus den Augen zu verlieren. Viele nützten die Büsche rundherum. Hermann Forster erinnerte daran, dass (mit öffentlichen Geldern) eine WC-Anlage geschaffen wurde. Damit wurden eigentlich Aufgaben des Bahnhofs und des Zugbetriebs übernommen. Von Christoph Schnitzer

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