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Diskutierten angeregt über Klimaschutz: (v. li.) Nick Altenburger, Stephanie Schumacher-Gebler, Karsten Bauer, Ingo Mehner, Josef Janker, Lukas Brandhofer, René Mühlberger, Lukas von Andrian und Moritz Reischl-Zand.

„Fridays for Future“-Bewegung

Von Fahrradstraßen bis Fotovoltaik

Wie kann Klimaschutz vor Ort gelingen? Darüber diskutierte die Tölzer CSU mit Vertretern von „Fridays for Future“. 

Bad Tölz – Was kann hier vor Ort getan werden, um das Klima nicht unnötig zu belasten? Dieser Frage nachzugehen war Zweck eines Treffens des Tölzer CSU-Ortsverbands mit einer Gruppe der Tölzer „Fridays für Future“-Bewegung. Im Reutberger Bierstüberl wurde in kleiner Runde angeregt miteinander gesprochen und diskutiert.

Ein großes Manko, das von beiden Seiten hervorgehoben wurde, war das Thema Heizen: Im Oberland würden dafür bislang nur zu 14 Prozent erneuerbare Energien eingesetzt, zum Großteil kämen immer noch Öl und Erdgas zum Einsatz. „Hier muss sich dringend was tun“, waren sich die Anwesenden einig. In Tölz gebe es da verschiedene „Insellösungen“, wie Bürgermeister Josef Janker anführte und als Beispiel die Flinthöhe nannte, die über ein Biomasse-Heizkraftwerk versorgt wird. Um eine derartige Energieversorgung ausweiten zu können, seien aber auch die Bürger gefordert: Die Standortsuche gestalte sich oft – wie etwa am Kogel – aufgrund der Einwände von Anliegern schwierig, die Bereitschaft zum Anschluss sei nicht unbedingt gegeben. Für das Gasnetz sei der Einsatz von Wasserstoff anzustreben.

Überdies ganz vorne auf der Agenda stand bei den jungen Leuten, das Fahrradfahren attraktiver zu machen. Dazu müsse die Sicherheit der Radfahrer im Verkehr forciert werden, wie Lukas von Andrian an die CSU-Vertreter appellierte. Maßnahmen dazu wären etwa das Anbringen eines seitlichen Schutzstreifens auf den Straßen („das würde keine großen Kosten verursachen“) oder das Ausweisen von sogenannten Fahrradstraßen, auf denen der Radfahrer Vorfahrt habe. Letzteres könne man für die Nockhergasse überprüfen, schlug Stadtrat Christof Botzenhart vor.

Grundsätzlich benötige man eine durchgehend gute Radlroute vom Badeteil zur Flinthöhe, wie Andrian auflistete. Sein Vorschlag, das Radfahren in der Marktstraße jederzeit zu erlauben – mit gemäßigtem Tempo –, stieß aufgrund der gesammelten Erfahrungen nur auf vorsichtige Sympathien. Um Kollisionen mit Fußgängern dort zu vermeiden, ließe sich in der Mitte der Marktstraße für die Biker eine 2,50 Meter breite Fahrspur anlegen, so Andrian – „was theoretisch möglich sein müsste“, wie Janker abwog.

Mehr Tempo-30-Zonen zu schaffen und deren Einhaltung anhand von Rüttelstreifen mehr oder weniger zu erzwingen – auch das könnten sich Nick Altenburger und Lukas Brandhofer vorstellen. Allerdings würde auch das oft den genervten Protest von Anwohnern zur Folge haben, gaben die Lokalpolitiker zu bedenken.

Mehr Bodenflächen für das Aufstellen von Fotovoltaikanlagen zu finden – eventuell entlang von Bahnstrecken – und etwa die großen Dachflächen der Schulgebäude dafür zu nutzen, war ein weiteres Anliegen der Klima-Kämpfer. Bezüglich der Schuldächer sei das Landratsamt die zuständige Stelle, erklärten die CSU-Vertreter.

Nicht ungenutzt lassen sollte man außerdem den Speichersee auf dem Brauneck, merkte Andrian an: „Der See ist schon da, damit könnte man ein kleineres Pumpspeicherwerk bedienen.“

Befürwortet wurde die Elektrifizierung der Bayerischen Oberlandbahn, verbunden mit der Vision, durch die Erweiterung des MVV ein umweltfreundlicheres Verkehrsnetz aufbauen zu können.

Ein Dorn im Auge sind den Fridays-Aktivisten die großen Linienbusse, die oft mit nur wenig Passagieren unterwegs sind. Dass diese Größe aber nötig sei, weil diese RVO-Busse auch die Beförderung der Schulkinder bewerkstelligten, hielt Janker dem entgegen. Um dem Wunsch nach kleineren Bussen und häufigerem Linienverkehr nachzukommen, müsse man zwei getrennte Systeme schaffen.

Fazit des Abends: „Wir wollen weiter im Gespräch bleiben, um Impulse von außen aufzunehmen“, bekundeten CSU-Ortschef Karsten Bauer und Bürgermeisterkandidat Ingo Mehner. Für viele der gemachten Anregungen sei ein Anschub durch die Bundespolitik nötig, weshalb die Jugend nun in Kontakt mit dem CSU-Wahlkreisabgeordneten Alexander Radwan treten soll. (Rosi Bauer)

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