Der Bebauungsplan Isarleitenweg im Vorentwurf: Links blau umrandet die zwei Baufenster, in denen Wohnblöcke entstehen sollen. Links in Gelb die mögliche Erschließung von der Verbindungsrampe zwischen B 472 und Bockschützstraße aus. Rechts der Isarleitenweg.
+
Der Bebauungsplan Isarleitenweg im Vorentwurf: Links blau umrandet die zwei Baufenster, in denen Wohnblöcke entstehen sollen. Links in Gelb die mögliche Erschließung von der Verbindungsrampe zwischen B 472 und Bockschützstraße aus. Rechts der Isarleitenweg.

Anwohner sorgen sich um Bebauungsplan Isarleitenweg

Bad Tölz: Weichenstellungen für Wohnungsbau

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
    schließen

Wie viele und wie große Häuser werden gebaut? Wie werden diese erschlossen? Was haben die Anwohner zu befürchten? Diese und andere Fragen beschäftigen Nachbarn des Tölzer Isarleitenwegs, an dem eine Bebauung geplant ist. Die Antworten.

Bad Tölz – Es ist ein Vorhaben, das von den Anwohnern aufmerksam, teils argwöhnisch beobachtet wird: Der Tölzer Stadtrat befasst sich in seiner Sitzung an diesem Dienstag (17 Uhr, Rathaus) mit dem Bebauungsplan Isarleitenweg. Im Vorfeld fragte der Tölzer Kurier bei Bürgermeister Ingo Mehner und Bauamtschef Christian Fürstberger zu einigen Eckpunkten nach.

Wie viele und wie große Häuser sind vorgesehen? Der Bebauungsplan sieht auf dem Gelände zwischen Isarleitenweg und Arzbacher Straße zwei Baufenster vor, auf denen laut Fürstberger drei Baukörper denkbar wären. Einst waren hier Hotels geplant. Die Fläche könnte nach dem jetzigen Entwurf maximal zu 40 Prozent bebaut werden. Je nachdem, wie groß die Wohnungen werden, könnten um die 30 Wohneinheiten entstehen. Genaue Baupläne gibt es aber noch nicht.

Muss hier wirklich Geschoßwohnungsbau her? „Wir haben uns als Stadt dazu bekannt, Wohnraum für verschiedene Einkommensschichten zu schaffen“, sagt Mehner. Das passiere am Hintersberg im Segment von Einzel- und Doppelhäusern, an der Königsdorfer Straße im günstigen Mietbereich – „und jetzt steht auch Geschoßwohnungsbau an“. So sei es auch die Idee der AG Wohnen gewesen. „Laut Baugesetzbuch sind wir verpflichtet, Flächen zu sparen“, ergänzt Fürstberger. „Das funktioniert mit Einfamilienhäusern nicht.“ Auf dem fraglichen Areal „sind wir in einer Innenlage“, sagt der Bauamtschef. „Da kann man auch etwas größer und höher werden.“

Verbindung wird über Süden geplant

Wie werden die Wohnhäuser erschlossen? Der Bauausschuss des Stadtrats hat sich gegen eine Erschließung von der Arzbacher Straße her ausgesprochen, da diese den Gabriel-von-Seidl-Weg kreuzen würde – und den wollen die Stadträte unbedingt erhalten. Die Stadt plant daher mit einer Erschließung von Süden, also von der Verbindungsstraße zwischen B 472 und Bockschützstraße. Hier hatte zuletzt das Staatliche Bauamt Weilheim große Bedenken angemeldet. Mit einem möglichen Stadtratsbeschluss im Rücken wolle er dort erneut in Verhandlungen treten, so Bürgermeister Mehner. Ausdrücklich nicht zur Erschließung der neuen Wohnhäuser vorgesehen sei der Isarleitenweg. In einem Leserbrief war dies als Sorge von Anliegern geäußert worden.

Warum ist der Isarleitenweg dann mit einer Breite von 5,50 Metern im Bebauungsplanentwurf eingezeichnet? Eine Verbreiterung stehe aktuell nicht an, sagt Fürstberger. Das Problem sei, dass die Grundstücke der Hinterlieger am derzeit nur 2,50 Meter breiten Isarleitenweg baurechtlich nicht erschlossen seien. Das könne problematisch werden, etwa wenn ein Anwohner in Zukunft einmal beantrage, sein Gebäude zu erweitern. Diese Situation zu beheben, sei eines der Ziele des Bebauungsplans. Stehe der Weg mit 5,50 Metern Breite im Bebauungsplan, dann habe man bei Bedarf die Möglichkeit, dort etwa eine Ausweichstelle, einen Schneeabladeplatz oder einen Bürgersteig zu schaffen.

Umweltbelange werden geprüft

Wird der Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren „durchgepeitscht“? Das sogenannte beschleunigte Verfahren ist heute laut Fürstberger in etwa der Hälfte der Bebauungsplanverfahren üblich. Möglich sei es in Bereichen in Innenlage, die von Bebauung umschlossen sind. Es besage in erster Linie, dass kein formeller Umweltbericht nötig sei. „Umweltbelange werden aber trotzdem berücksichtigt. Es gibt eine artenschutzrechtliche Prüfung.“

Von Schnelligkeit zu sprechen, wäre dennoch übertrieben. Den Beschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen, fasste der Stadtrat 2018. Danach fand eine „frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit“ statt: Ein Vorentwurf wurde im Mai/Juni 2020 öffentlich ausgelegt. Heute nun soll der Stadtrat den „Billigungs- und Auslegungsbeschluss“ fassen. Daraufhin ist der Bebauungsplan in der beschlossenen Form wohl ab Juni im Rathaus und im Internet einsehbar. Erneut können Einwände eingebracht werden, die die Stadt abwägen muss. Der endgültige Beschluss soll heuer fallen.

Müssen die Anwohner Angst vor Wasserschäden haben? Einige von ihnen sorgen sich, dass durch eine mögliche Tiefgarage der neuen Wohnhäuser des Wasserabfluss gestört werden könnte und ihre Häuser dadurch bei Starkregen „absaufen“. Zum jetzigen Zeitpunkt liege ein Bodengutachten mit Aussagen über den Grundwasserverlauf vor, sagt Fürstberger. Um die vorgeschriebenen Stellplätze für die künftigen Häuser nachzuweisen, werde man vermutlich eine Tiefgarage brauchen. „Dann sind noch speziellere Untersuchungen nötig“, so der Bauamtschef. „Es muss dann nachgewiesen werden, dass der Grundwasserabfluss nicht gestört wird – sonst sind wir in der Haftung.“ Dies stehe aber erst an, wenn es um die konkrete Baugenehmigung geht.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare