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Mit Musik, Tanz und Literatur transportierte das Ensemble „Cuentos del Sur“ um Ricardo Volkert (li.) authentisches andalusisches Lebensgefühl auf die Kurhaus-Bühne.

Weihnachten als Klang- und Farbenrausch

Das Ensemble „Cuentos del Sur“ wünschte im Kleinen Kurhaus „Feliz Navidad“, also Fröhliche Weihnachten. Sehr zur Begeisterung der Besucher.

Bad Tölz – Es muss nicht immer die bairische Weihnacht sein. Rund um den Globus feiern Christen auf faszinierend vielfältige Weise das Fest von Jesu Geburt. Wie das in Andalusien klingt, das von maurischen und lateinamerikanischen Einflüssen geprägt ist, erlebten jetzt die Besucher der „andalusischen Weihnacht mit Flamenco“. Dazu hatten unter dem Motto „Feliz Navidad!“ – spanisch für „Frohe Weihnachten!“ – Ricardo Volkert und sein Ensemble „Cuentos del Sur“ eingeladen.

Die Musiker verschmolzen weihnachtliche Bräuche aus Spaniens Süden, feurige Klänge von Flamencogitarren und Cello, mehrstimmigen Gesang, Literatur und brillante Tanzszenen zu einem bunten Ganzen. Man spürte die Seele Andalusiens, von wo aus die Konquistadoren vor 500 Jahren in See stachen und von ihren Welteroberungen die unterschiedlichsten Kultureinflüsse mit nach Hause brachten.

Spanier verstehen sich auf Feiern, Flamenco und Leidenschaft. Das weiß seit Georges Bizets „Carmen“ die ganze Welt. Weihnachten und die Karwoche („Semana Santa“) sind ein grandioser Klang- und Farbenrausch. „Cuentos del Sur“ begeisterte das Publikum mit melodiösen, mal lustigen und satirischen, mal sanften, zart-melancholischen Weihnachtsliedern. Ricardo Volkert erzählte dazu Geschichten über Land und Leute, über das Spanien von gestern und heute.

Durch die Weihnachtslieder, Texte des Dichters Federico García Lorca und Flamenco-Tänze zog sich ein hochemotionaler Grundton von Sehnsucht und Wehklage, Leidenschaft und Schmerz. Über allem aber stand die pure Lebenslust.

Mit der Heiligen Schrift gehen Weihnachtsbräuche und Liedgut sehr frei um. Da trinken sogar die Fische die Flüsse leer, um „El Niño“, das Christuskind, zu erblicken. Der von den Gitanos zelebrierte Flamenco ist kein kuscheliger Wohlfühltanz, sondern berührungsloser körperlicher Ausdruck von Anspannung und Hingabe, verbunden mit rhythmischem Stampfen und Klatschen.

In drei Kunstformen schufen die fünf Künstler ein authentisch wirkendes Spanien-Porträt, das keine Klischees bedient. Überhaupt nichts gemein hat das mit dem sommerlichen oberflächlichen Amüsement in den Touristenzentren.

Zusammen mit Volkert erweckten Cellist Jost Hecker, Gitarrist Simón „El Quintero“ und die beiden Tänzerinnen „La Pacarona“ und Olivia Muriel Roche Bilder von einem immer noch zutiefst christlich geprägten Land. Und sie machten deutlich, wie faszinierend bunt Europa an seinen äußersten Rändern ist. Langer Applaus und etliche Zugaben. (RAINER BANNIER)

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