Trotz vieler Touristen

Tölzer Wirte kämpfen um ihre Existenz: „Weiß noch nicht, wo die Reise hingehen wird“

  • Felicitas Bogner
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Die Wirtschaften im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben wieder geöffnet. Doch trotz zahlreicher Urlauber und Ausflügler kämpfen viele Gastronomen um ihre Existenz.

  • Immer mehr Corona-Beschränkungen werden gelockert. Vor allem Gastronomen hoffen jetzt wieder auf viele Gäste.
  • Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lassen die Gäste in den Wirtshäusern aber noch auf sich warten.
  • Für viele Wirte steht ihre Existenz auf dem Spiel. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Gäste zum Platz begleiten, die Personalien aufnehmen, bedienen mit Maske, nach jedem Besucher alles desinfizieren, Abstand zwischen den Tischen: Die Auflagen für Gastronomie-Betriebe sind nach wie vor hoch. Gelockert wurde in den vergangenen Tagen lediglich die Öffnungszeit im Außenbereich. Dort darf nun genauso wie drinnen bis 22 Uhr bewirtet werden. Viele Restaurant-Besitzer sind darüber zwar erleichtert. Dennoch ist bei den meisten ein normaler Umsatz nicht in Sicht.

Keine Großveranstaltungen: Das Jailhouse in Bad Tölz leidet unter den Corona-Beschränkungen

Peter Frech, Inhaber des Tölzer „Jailhouse“ hat sein Restaurant erst am vergangenen Freitag wieder eröffnet. In der Phase, als nur im Außenbereich bewirtet werden durfte, „hätte es sich nicht gelohnt, den ganzen Apparat hochzufahren. Das sind immense Kosten, die wir niemals eingenommen hätten“, erklärt er. Am Pfingstwochenende „ging es halbwegs“, schildert er, „aber den Freitag davor hätte ich mir sparen können. Da waren kaum Gäste da.“ Seine erste Bilanz: „Wir haben zwei Drittel weniger Umsatz als normal gemacht.“

Das „Jailhouse“ leide zudem unter den ausfallenden Großveranstaltungen wie etwa dem US-Car-Treffen, das normalerweise an Pfingsten stattfindet. „Wir sind eine Spaß-Gastronomie, und die gibt es gerade nicht mehr. Dazu haben wir keine Laufkundschaft“, erklärt Frech. Zudem sei ihm der Vermieter bei der Pacht „keine Millimeter“ entgegengekommen. Der Mietvertrag laufe noch bis März 2021. „Ich weiß noch nicht, wo die Reise hingeht. Das Aus für das ,Jailhouse‘ ist nicht auszuschließen.“

Touristen in der Region Bad Tölz-Wolfratshausen wollen eher in die Natur

Ähnlich verzweifelt ist Jürgen Kunert, Wirt der „Einbachmühle“ in Wackersberg und des neuen mexikanischen Restaurants „La Jordana“ in Bad Tölz. „Das To-Go-Angebot wurde sehr gut angenommen. Damit konnten wir uns – nicht zuletzt Dank unserer Stammgäste – über Wasser halten“, sagt er. Die Wiedereröffnung des Restaurantbetriebs laufe dagegen extrem schleppend an. „Die Touristen suchen eher Ziele in der Natur.“ Daher sei in seinen Restaurants auch über Pfingsten das erhoffte Geschäft weitestgehend ausgeblieben. „Man merkt, dass viele noch sehr vorsichtig sind“, sagt Kunert,

„Es ist sehr langsam losgegangen“, bestätigt Katharina Goldner, Wirtin vom Wackersberger „Altwirt“. Erst am Pfingstmontag habe man gemerkt, dass mehr Touristen und Ausflügler in den Landkreis kommen. „Da lief es wirklich gut“, sagt Goldner. Seit der Wiedereröffnung merke sie, dass das Geschäft „sehr wetterabhängig“ geworden ist. „Die meisten wollen noch nicht drinnen sitzen. Daher haben wir bei Regen kaum Gäste“, bilanziert sie. „Dass ich im Garten immer noch 120 Plätze bewirten kann, spielt mir glücklicherweise in die Karten.“

Wirtshäuser finden kreative Wege Gäste anzulocken 

Guido und Juliane Weigel, die Wirtsleute vom „Klosterbräustüberl“ in Benediktbeuern haben ähnliche Erfahrungen gemacht. „Es ist die doppelte Arbeit für weniger Umsatz“, sagt Juliane Weigl. Seit Ferienbeginn würden zwar mehr Gäste kommen, „aber sobald es regnet, ist es wirklich mau.“ Um ein bisschen normalere Atmosphäre zu schaffen, haben sich die Wirtsleute etwas einfallen lassen: „Da wir am Sonntag nicht mehr wie üblich eine Blaskapelle spielen lassen dürfen, haben wir auf unserer Bühne Puppen in Tracht und Instrumenten aufgestellt, und es läuft im Hintergrund Blasmusik“, sagt die Wirtin. 

Peter Frech hofft, dass bald wieder mehr Gäste in sein Restaurant „Jailhouse“ kommen werden.

Doch trotz aller Bemühungen, ein Alltagsgefühl zu vermitteln, könne auch das „Klosterbräustüberl“ noch lange nicht mit personeller Vollbesetzung arbeiten, betont Weigel. Wir haben derzeit die Hälfte an Bedienungen“, sagt die Wirtin. Dass sie ihre Gäste nun bis 22 Uhr draußen bewirten kann, sei eine „notwendige Lockerung“ gewesen. Sie merkt, dass viele dieses Angebot annehmen. „Denn die Leute sind vorsichtig und wollen sich nicht reinsetzen.“

Tölzer Traditionshaus Binderbräu vorerst wieder geschlossen 

Elisabeth Adlwarth ist die Wirtin der „Dorfschänke“ in Lenggries. Auch sie litt sehr unter der Corona bedingten Schließung. Doch auch danach sei das Geschäft „recht zäh angelaufen“. Durch Urlauber, die derzeit in der Region unterwegs sind, „geht es etwas besser, aber es macht sich trotzdem bemerkbar, dass weniger Einheimische zu mir zum Essen kommen. Die Leute sind noch sehr verhalten“, sagt Adlwarth.

Genau das brachte Andreas Binder dazu, den Betrieb erneut herunterzufahren. Vorerst bleibt der Tölzer „Binderbräu“ geschlossen. „Es hat sich wirtschaftlich nicht rentiert“, sagt er. „Die Gaststätte ist groß, wir haben allein bei den Kühlhäusern enorme Stromkosten. Und die Gäste sind noch sehr zurückhaltend.“ Zusätzlich sei es laut Binder nicht möglich, mit den Vorschriften „die bayerische Wirtshausmentalität zu transportieren“. Bisher sei der Plan zu Stoßzeiten, wie etwa in den Ferienzeiten anderer Bundesländer, wieder zu öffnen. Dafür habe er den 1. Juli ins Auge gefasst. Binder möchte aber Gerüchten entgegenwirken: „Wir haben weder wegen einem Corona-Fall geschlossen, noch wird der Binderbräu für immer zu bleiben.“

Der Tourismus in der Region Bad Tölz-Wolfratshausen hat wieder Fahrt aufgenommen

Endlich können Touristen wieder über den Kochelsee schippern. Die Schifffahrt hat wieder ihren Betrieb aufgenommen.

Auch am Walchensee soll der Tourismus wieder anlaufen. Kontrollen und mehr Parklplätze sollen ein Verkehrschaos verhindern. 

Die Bergbahnen fahren wieder. Am Blomberg und am Brauneck ging es aber ruhig zu.

Ärger um die Maskenpflicht im Biergarten gab es in der Jachenau wenig später. Eine Wirtin gab nach einer Gäste-Beschwerde Konter - und trat damit eine Facebook-Debatte los.

Rubriklistenbild: © Pröhl

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