Bad Tölz-Wolfratshausen: Geisterfahrt zum Flughafen: Taxifahrer leiden unter Corona-Krise
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Weiter im Dienst: Peter Schuchow fährt nach wie vor jeden Tag Taxi. In einem Facebook-Post wandte er sich direkt an seine Kunden. 

Aufträge sind „massiv eingebrochen“

Geisterfahrt zum Flughafen: Taxifahrer leiden unter Corona-Krise

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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Umsatzeinbußen und deutlich weniger Aufträge: Auch die Taxiunternehmer im Landkreis trifft die Corona-Krise schwer.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wegen der Corona-Krise sollen die Menschen so gut es geht daheim bleiben. Doch welche Folgen hat das für die Taxifahrer im Landkreis?

Aufträge der Taxifahrer „massiv eingebrochen“

Ob Fahrten zum Flughafen oder die Schülerbeförderung – „das fällt alles weg. Unsere Aufträge sind massiv eingebrochen“, klagt Birgit Nagenrauft, Geschäftsführerin von Taxi Sachenbacher. Abgesehen von einzelnen Einkaufsfahrten sind dem Eglinger Unternehmen nur die Krankentransporte geblieben. Ein Teil der Angestellten wurde deshalb bereits in Kurzarbeit geschickt.

Anordnung vom Landratsamt: Trennwand im Taxi

Zum Thema Coronavirus erreichte Nagenrauft am Donnerstag ein Schreiben vom Landratsamt: „Darin stand, dass wir in alle Taxis eine Trennwand zum Fahrerraum einbauen müssen.“ Auf Sicherheitsmaßnahmen achtet Nagenrauft jedoch schon länger: „Bei Krankentransporten trage ich einen Mundschutz.“ Auf Kundenkontakt wird nach Möglichkeit verzichtet. Plastikhandschuhe und Desinfektionsmittel liegen in allen vier Wagen bereit. Wie es mit dem Unternehmen weitergeht, kann die Taxifahrerin nicht sagen. Aber: „Solange wir dürfen, fahren wir natürlich weiter.“

Taxifahrer leben vor allem von Krankentransporten

Ähnlich schaut es bei Peter Heller in Bad Tölz aus. Der Taxler lebt momentan hauptsächlich von Krankentransporten, etwa Dialysefahrten. „Mein Umsatz hat schon ein bisschen nachgelassen.“ Die Auswirkungen der Pandemie nimmt der Tölzer trotzdem einigermaßen gelassen: „Klar geht’s ein bisschen ruhiger zu, aber das schadet uns allen mal nicht.“ Seine beiden Angestellten haben bis nach Ostern Urlaub. „Danach sehen wir weiter.“

Mundschutz und Desinfektionsmittel

Bis dahin erledigt Heller alle Fahrten selbst – und versucht sowohl sich als auch die Kunden zu schützen. „Seit Herr Söder die Beschränkungen angekündigt hat, trage ich beim Fahren Mundschutz“, berichtet er. „Immer wenn ich daran denke, desinfiziere ich Hände, Türgriffe und Sitze.“ Ein Lob hat der Taxler für seine Kunden: „Die steigen alle von sich aus hinten ein und achten auf wenig Kontakt.“

Corona-Krise: Totenstille am Flughafen

Alles andere als rosig ist die Situation bei Taxi Schuchow in Wolfratshausen. „Gestern habe ich jemanden vom Flughafen abgeholt. Das war ein bedrückendes Gefühl: Überall Totenstille, nirgendwo standen Leute“, berichtet Chefin Elisabeth Schuchow. Die Fahrt rein nach München war quasi eine Ausnahme. „Wir haben gut 90 Prozent weniger Umsatz“, sagt Schuchow. Trotzdem geht die Taxifahrerin tapfer jeden Tag „bis um 23 Uhr ans Telefon“. Von den zehn Beschäftigten arbeiten momentan nur noch Elisabeth Schuchow und ihr Sohn Peter.

Facebook-Post an Taxikunden

Der wandte sich vor kurzem mit einem Facebook-Post direkt an die Kunden: „Ja, der Taxibetrieb geht uneingeschränkt weiter, aber bitte wägt ab, ob es denn wirklich nötig ist“, schreibt er darin. Gleichzeitig gibt Peter Schuchow Ratschläge zum Taxifahren in der Corona-Krise. Beispiele: „Seid Ihr allein unterwegs, könnt Ihr Euch zur Risikominimierung natürlich nach hinten setzten“ und „bei Verdacht auf eine Infektion auf keinen Fall ein Taxi benutzen“. Im Netz kommt die Botschaft gut an: Fast 180 Personen drückten auf „Gefällt-mir“.

„Ich schlag mich schon durch“

„Ganz ganz ruhig“ ist es um den Rieder Taxler Matthäus Hammerl geworden. Je länger die Beschränkung dauere, desto weniger Anrufe gingen bei ihm ein, erzählt er. „Normal fahre ich allein am Vormittag sieben bis acht Mal, heute waren es nur drei Fuhren.“ Mundschutz trägt der selbstständige Taxifahrer bisher keinen, „aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Anweisung noch kommt“. Auch er erhielt vom Landratsamt die Trennwand-Anweisung, „das werde ich die nächsten Tage angehen“. Angst, sich mit dem Corona-Virus anzustecken, hat Hammerl nicht: Mit Desinfektionsmittel reinigt er sich drei-, viermal am Tag die Hände. Trotz allem versucht der Taxifahrer, optimistisch zu bleiben: „Es hilft ja alles nichts. Ich schlag’ mich da schon durch.“

Die Hoffnung nicht aufgeben

Harte Zeiten erlebt derzeit auch Eduard Helwig. Der Geretsrieder Transportunternehmer hat sich auf Personenfahrten zum Flughafen spezialisiert. Genau das entwickelt sich für ihn jetzt zu einem „Riesenproblem“. Helwig: „Ich habe quasi keine Arbeit mehr.“ Lediglich auf Abruf fährt der Geretsrieder noch Arzneimittel aus. Aufträge für seine zehn Aushilfsfahrer hat er schon lange keine mehr. Doch der Geretsrieder gibt nicht auf: Er ist auf der Suche nach einem Nebenjob – zur Überbrückung, bis die Leute wieder in den Urlaub fahren können.

kof

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