Ob Himbeer, Johannisbeer, Hagebutte, Aprikose oder Vanille: Obwohl die Faschingsfeiern ausfallen, gehen täglich 600 bis 800 gefüllte Krapfen bei Maiers Familienbäckerei in Reichersbeuern über die Theke.
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Ob Himbeer, Johannisbeer, Hagebutte, Aprikose oder Vanille: Obwohl die Faschingsfeiern ausfallen, gehen täglich 600 bis 800 gefüllte Krapfen bei Maiers Familienbäckerei in Reichersbeuern über die Theke.

Corona-Auswirkungen

Bad Tölz-Wolfratshausen: Bäckereien verkaufen auch ohne Faschingspartys reichlich Krapfen

  • vonPeter Borchers
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  • Felicitas Bogner
    Felicitas Bogner
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Sie gehören zu Fasching wie Plätzchen zu Weihnachten: Krapfen. Doch heuer sieht es – wie in so vielen Bereichen –mau aus, was heitere Faschingsfeiern betrifft. Auch das bunte Treiben fällt Corona komplett zum Opfer. Die Bäckereien aus dem Landkreis merken dennoch: Auch ohne Faschingsparty haben die Menschen Lust auf süßes Schmalzgebäck.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Sandra Büttner, Inhaberin der Bäckerei Büttner mit zwei Filialen in Bad Tölz, stellt „keinen gravierenden Einbruch“ bezogen auf die Krapfenverkaufszahlen fest. „Natürlich merken wir, dass weniger Touristen in der Stadt sind und viele Homeoffice haben, aber nach wie vor kommen genügend Kunden.“ Das Sortiment hat die Bäckerei trotzdem angepasst. „Wir haben heuer nur acht statt elf Sorten Krapfen“, sagt Büttner.

Kein gravierender Einbruch bei Verkaufszahlen von Krapfen

Ähnlich sieht es in Bad Heilbrunn in den beiden Filialen des „Speckerbäck“ aus. Inhaber Konrad Specker stellt aktuell etwa 15 Prozent weniger Krapfen her als in den Vorjahren. „Bei Privatkunden ist die Nachfrage ungebrochen. Aber es fällt auf, dass keiner mehr 10 oder 20 Krapfen mitnimmt, wie es sonst in diesen Wochen üblich war“, sagt er. Insgesamt 13 verschiedene Sorten bietet Specker in seiner „Krapfenparade“ an. Darunter auch ausgefallene Sorten wie Schwarzwälder-Kirsch. Eine Sache kommt dem Heilbrunner aber nicht in die Tüte: „Ich weigere mich explizit, mit Masken oder Spritzen verzierte Corona-Scherz-Krapfen anzubieten.“ Fasching hin oder her: „Das ist weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich lustig.“

Bei „Speckerbäck“ in Bad Heilbrunn kein Verständnis für Coronascherz-Gebäck

Konrad Stelmaszek, Obermeister der Bäckerinnung Miesbach/Bad Tölz-Wolfratshausen, muss bei der Vorstellung eines Impf-Krapfens hingegen lachen. „Gar keine so schlechte Idee, das muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen.“ Allgemein aber absolviere er sein gewohntes Programm. Also Krapfen mit diversen Marmeladen sowie Eierlikör- und Vanillefüllungen. „Und unsere heiße Liebe. Wer da an etwas Unanständiges denkt, täuscht sich. Das ist wie heiße Himbeeren mit Vanilleeis in Krapfenform.“ In diesen Tagen kämen sogar noch ein paar mehr Sorten hinzu. Mit dabei: Nutella. Weil sich wegen ausfallender Faschingsfeiern und leeren Büros schwer abschätzen lässt, wie viele Krapfen über die Theke gehen, bäckt Stelmaszek täglich mindestens zweimal – je nach Bedarf. Ein Faktor sei auch das Wetter. „Wenn’s draußen nicht schneit und die Straßen frei sind, kommen die Leute eher.“

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Trotz dem Coronaschleier über den anstehenden Faschingstagen hat Ludwig Schmid, Inhaber von SchmidBäck in Wolfratshausen und Geretsried, wie jedes Jahr ein ausgefallenes Krapfensortiment im Angebot. „Wir haben die festen klassischen Sorten und ein paar neue.“ Heuer beispielsweise Erdbeerlimes. Der Renner bei „Kindern der 90er-Jahre“ seien aktuell die Krapfen mit bunten Zucker-Knisterkristallen. „Das weckt bei vielen Kindheitserinnerungen“, merkt Schmid. In allen drei Filialen verzeichne er „einen Start auf hohem Niveau, sogar leicht über den Vorjahren.“ Er spüre: „Viele holen sich durch die Krapfen zumindest kulinarisch den Fasching ein bisschen nach Hause.“

Lenggries: Nachfrage nach Krapfen da, aber „Stimmung fehlt einfach“

Marina Burger führt gemeinsam mit ihrem Mann Manfred Burger die Wolfratshauser Bäckerei Burger. Bisher stößt das Schmalzgebäck Burger zufolge auf großen Anklang. Sogar manche Firmen würden trotz Corona für ihre Mitarbeiter Krapfen in diesen Tagen bestellen. „Wir sind guter Dinge. Bisher haben wir acht Sorten, wenn es so weiter geht können wir auf zehn erhöhen“, sagt sie. Die Nachfrage ist auch in Alfred Kellners Bäckerei in Lenggries da. „Aber die Stimmung fehlt einfach“, sagt er. Bisher seien Krapfen beinahe so beliebt wie in den Vorjahren. Er produziere knapp 20 Prozent weniger als noch 2020. Doch Kellner spekuliert auf einen größeren Einbruch in der Faschingswoche: „Da dort die üblichen Veranstaltungen ausfallen, wird es dann sicher noch mal weniger als in den Vorjahren werden“, meint er. Und trotzdem: „Da darf man dann nicht jammern, im Vergleich zu anderen Branchen können wir sehr zufrieden sein.“

„Zumindest kann der Fasching noch im Mund stattfinden“

Florian Maier ist Geschäftsführer von „Maiers Familienbäckerei“ in Reichersbeuern. Er berichtet, im Januar sogar mehr Krapfen als im Vorjahr verkauft zu haben. „Das hätte ich auch nie gedacht, aber auch für uns ist diese Saison eine Wundertüte.“ Aktuell verkaufe er zwischen 600 und 800 der süßen Teilchen pro Tag. „In der Faschingswoche waren es im Schnitt immer 1200. Ich weiß aber nicht, ob wir das heuer auch schaffen.“ Denn: „Uns fehlen dann die großen Bestellungen für Veranstaltungen“, sagt Maier. Auch Specker spürt es deutlich, dass es keine Feiern gibt. „Da hatten wir sonst Bestellungen von 100 bis 200 Krapfen pro Party“, sagt der Heilbrunner. Daher würde die Nachfrage nach den normalen Krapfen mit Marmelade etwas zurückgehen. „Die veredelten sind gleich gut gefragt.“ Man merke also: „Die Lust auf den Faschingsgaumenschmaus ist ungebrochen“, so Specker. Da pflichtet ihm auch Keller bei: „Man muss es positiv sehen: Zumindest kann der Fasching noch im Mund stattfinden.“

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