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Bad Tölz-Wolfratshausen: Bestatter lassen höchste Vorsicht walten

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Von: Andreas Steppan

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Abschied unter erschwerten Bedingungen: Die Särge, in denen die Körper von an oder mit Corona Verstorbenen liegen, werden besonders gekennzeichnet.
Abschied unter erschwerten Bedingungen: Die Särge, in denen die Körper von an oder mit Corona Verstorbenen liegen, werden besonders gekennzeichnet. © DPA

Der Umgang mit Corona-Toten gehört bei Bestattungs-Instituten im Landkreis mittlerweile zum Alltag. Dabei ist besondere Vorsicht geboten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Aus Corona-Hotspots in Sachsen waren zuletzt Bilder von sich stapelnden Särgen zu sehen: Man kam mit dem Beerdigungen von Covid-Opfern nicht hinterher. Von solchen Zuständen sind die Bestattungsinstitute im Landkreis glücklicherweise weit entfernt. Mit der Beisetzung von Corona-Toten sind sie allerdings mittlerweile allesamt regelmäßig konfrontiert.

Und auch dies läuft – wie praktisch alles in diesen Zeiten – nicht ganz alltäglich ab. Dass ein mit oder an Corona Verstorbener zu bestatten ist, das kommt bei der Trauerhilfe Denk „seit Anfang Dezember laufend“ vor, berichtet Alfred Sand. Er ist Betriebsleiter des Filialbereichs Tölz-Murnau, zu dem Niederlassungen in Bad Tölz und in Wolfratshausen gehören. Insgesamt aber halte sich die Zahl dieser Fälle „Gott sei Dank in Grenzen“, sagt er. Der Tölzer Bestatter Max Riedl erklärt, sein gleichnamiges Unternehmen habe heuer bislang rund 20 mit oder an Corona Verstorbene beigesetzt. „Vor zwei Wochen war etwa jeder Zweite, den wir bestattet haben, corona-positiv“, sagt unterdessen Thomas Balan vom Geretsrieder Familienunternehmen Klein. Mittlerweile nehme diese Zahl aber wieder ab.

Arbeitsaufwand bei Bestattungen ist größer geworden

Auch Valentin Zirngibl, einer der Inhaber des Bestattungsunternehmens Zirngibl, zu dessen acht Standorten Geretsried zählt, spricht von „aktuell vielen“ Fällen. Insgesamt bewege sich die Zahl der Bestattungen zwar im Rahmen der üblichen Schwankungen. „Aber der Arbeitsaufwand pro Bestattung ist größer geworden.“ Riedl bestätigt: „Die Versorgung der Verstorbenen erfolgt unter größter Vorsicht.“ Dass der Ablauf sich von anderen Fällen unterscheidet, wird klar, wenn auf dem Totenschein eine Infektiosität angegeben ist. Ob der Betroffene Corona hatte oder eine andere Krankheit – wie etwa Hepatitis oder Tuberkulose –, „das erfahren wir erst aus dem Gespräch mit den Angehörigen“, sagt Balan.

Der Ablauf ist für jede Infektionskrankheit prinzipiell gleich geregelt. Die Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens tragen, wenn sie den toten Körper abholen, Ganzkörper-Vollschutzanzug, luftdichte Schutzbrille, Atemschutzmaske, davor ein Gesichtsvisier, Schuhüberzüge und Handschuhe – „und zwar mehrere Paare, denn an Spreizeln oder Schrauben des Holzsargs ist ein Riss schnell passiert“, so Balan. „Es gibt aktuell keine abschließenden Studien, wie lange das Virus ansteckend ist“, sagt dazu Sand von der Trauerhilfe Denk. „Man geht aber davon aus, dass noch fünf bis sieben Tage nach dem Tod die Möglichkeit einer Infektion besteht.“

Wegen Infektionsgefahr: Corona-Tote dürfen nicht mehr angekleidet werden

Laut Thomas Balan werden deshalb als erstes Mund und Nase des Verstorbenen, dann der ganze Körper mit in Desinfektionsmittel getränkten Tüchern bedeckt. Zusätzlich komme der Leichnam in einen luftdichten Sack. „Leider darf der Tote dann nicht mehr angekleidet werden“, bedauert Bestatter Zirngibl. „Die Kleidung wird mit in den Sarg gelegt.“ Ist der Sarg einmal verschlossen, bleibt er laut Balan auch zu und wird mit einem hellroten Aufkleber „deutlich markiert“. Das bedeutet auch: Die Möglichkeit, am offenen Sarg Abschied zu nehmen, bleibt den Angehörigen in aller Regel verwehrt.

Auch die Trauerhilfe Denk vermeidet das laut Filialnetz-Chef Sand. Er ergänzt aber: Theoretisch sei eine berührungslose Verabschiedung am offenen Sarg laut den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts möglich. Das gelte es im Einzelfall mit Kommune beziehungsweise Friedhofsträger, mit den Geistlichen und Angehörigen abzustimmen.

Abschied am offenen Sag nicht mehr möglich

Auch die Gespräche mit den Hinterbliebenen folgen in Corona-Zeiten besonderen Regeln. Desinfektion, Spuckschutz und Maskentragen sind in allen Instituten Standard. Bei Angehörigen von Corona-Positiven „ist es gut für uns, wenn sie einen negativen Test mitbringen können“, sagt Balan. Man sitze doch immerhin ein bis zwei Stunde in einem Raum. In manchen Fällen führe man die Gespräche auch per Videokonferenz – etwa wenn die Hinterbliebenen selbst in Quarantäne sind.

Doch egal, was die Todesursache war: Der Abschied ist in Corona-Zeiten generell nicht leicht und an besondere Bedingungen geknüpft. An der Beerdigung teilnehmen dürfen höchstens 25 Menschen aus dem engsten Kreis. „Die Trauerarbeit ist extrem schwierig“, sagt Zirngibl – allein schon die Abwägung, wer dabei sein darf und wer nicht. „Bei großen Familien dürfen teils nicht einmal die Enkelkinder kommen.“ Auch Balan weiß: „Natürlich wünscht sich niemand für seine Mutter so ein Begräbnis.“ Dennoch reagieren die Hinterbliebenen ihm zufolge in aller Regel sehr verständnisvoll. Sie seien bereits mit strengen Corona-Regeln in Kliniken oder Pflegeheimen vertraut und wollten sich auch selbst schützen.

Bei Feuerbestattungen bestehe prinzipiell die Möglichkeit, die Urnenbeisetzung hinauszuschieben, bis diese Regelungen wieder gelockert sind, so sind, erklärt Sand. Bis zu einem halben Jahr könne die Urne im Krematorium oder im Bestattungsinstitut aufbewahrt werden. „Die meisten wünschen sich allerdings doch eine zeitnahe Bestattung“, erklärt der Tölzer Riedl, „weil der Abschied einfach dazugehört“.

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