1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

„Klopapier-Effekt“ beim Brennholz: Enorme Nachfrage in oberbayerischer Region - Kunden haben Angst

Erstellt:

Von: Elena Royer

Kommentare

„Heiß umkämpfte Ware“: Auf der Suche nach einer Alternative zum Gas wollen viele Menschen im Winter mit Holz heizen. Der Rohstoff das ist stark gefragt.
„Heiß umkämpfte Ware“: Auf der Suche nach einer Alternative zum Gas wollen viele Menschen im Winter mit Holz heizen. Der Rohstoff das ist stark gefragt. © Christin Klose/DPA

Wer in Bad Tölz-Wolfratshausen derzeit Brennholz kaufen will, hat schlechte Karten. Anbieter haben entweder nichts mehr vorrätig oder bedienen nur noch Stammkunden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – 30 Grad und mehr zeigt das Thermometer dieser Tage an. Ans Heizen müsste man eigentlich keinen Gedanken verschwenden, und doch tun genau das viele Menschen. Die Angst, im Winter zu frieren, treibt sie um. Ganz unbegründet ist sie nicht, denn seit Ende Juni gilt die Alarmstufe im „Notfallplan Gas“. Auf der Suche nach einer Alternative zum Gas wird der Brennholzmarkt überrannt. Auch die Anbieter im Landkreis können sich vor Anfragen kaum retten. Doch der Rohstoff ist knapp.

Hohe Nachfrage nach Brennholz - „Kunden haben Angst“

Das bestätigt Sonja Plank von der Firma „Holz Arena Heimkreiter“ in Bad Tölz. „Wir haben kein Holz auf Lager.“ Das ist der Satz, den sie auch ihren Kunden am Telefon immer und immer wieder sagen muss. „Wir sind seit Monaten ausverkauft.“ Plank, die bei der „Holz Arena“ für den Verkauf zuständig ist, merkt: „Die Kunden haben Angst.“ Denn zu dieser Jahreszeit sei die Nachfrage nach Brennholz in anderen Jahren erfahrungsgemäß niedrig. „Normalerweise kommen die Anfragen erst im Herbst, wenn es kühler wird“, sagt sie.

Interessenten am Telefon erklärt sie, sie sollen später im Sommer noch mal anrufen. Eventuell könne man dann schon sagen, wann es wieder Holz gibt. Ob und wie weit die Preise dann steigen werden, das kann Plank aktuell nicht sagen. „Ich denke aber schon, dass es teurer wird.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Bad Tölz finden Sie auf bei Merkur.de/Bad Tölz.

Brennholz-Preise steigen in die Höhe

Kein Brennholz auf Lager hat auch der Maschinenring Wolfratshausen. „Wir richten das Holz über den Sommer her und trocknen es, damit es im Herbst verwendet werden kann“, erklärt Moritz Kubin, Förster und Einsatzleiter beim Maschinenring. „Holz ist aktuell heiß umkämpfte Ware“, sagt er, denn schließlich rufen jeden Tag mehrere Interessenten beim Maschinenring an. Für ein Ster gemischtes Brennholz müssten Kunden derzeit etwa 140 Euro hinlegen. „Früher waren es 110 bis 120 Euro“, sagt Kubin.

Bei den Bayerischen Staatsforsten in Bad Tölz sieht die Situation ähnlich aus. „Die Nachfrage nach Brennholz ist sehr hoch“, bestätigt Robert Krebs, der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs. „Aber es ist jetzt nicht so, als ob die Welt untergeht.“

Viele Leute fragen nach ofenfertigem Holz, doch sie muss Krebs enttäuschen. „Wir haben entweder Vier-Meter-Abschnitte oder Holz zur Selbstaufarbeitung“, sagt er. Aber auch die Staatsforsten können nicht unbegrenzt Holz anbieten. „Wir arbeiten nach einem Plan“, erklärt Krebs. „Darauf basiert unser jährlicher Einschlag. Wir achten auf Nachhaltigkeit. Wenn das Holz weg ist, ist es weg.“

Deswegen bedienen die Staatsforsten derzeit, je nach Verfügbarkeit, bevorzugt ihre Stammkunden – „andere Interessenten in begrenztem Umfang“, erklärt Krebs. Wie bei vielen Anbietern sind auch bei den Staatsforsten die Preise gestiegen. „Aber alles mit Maß und Ziel“, betont Krebs. „Bei allen Baumarten kann man von einer Preissteigerung von 10 bis 15 Prozent sprechen.“ Allen, die noch auf der Suche nach Holz für den Winter sind, empfiehlt er, bei privaten Waldbesitzern anzufragen.

Brennholz stark gefragt: Auch Leute ohne Ofen bestellen Holz

Von einer „stark erhöhten Nachfrage“ spricht auch die Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. Peter Bonleitner, der Geschäftsführer der „W. P. Handels GmbH“, einer Tochtergesellschaft der Waldbesitzervereinigung, beobachtet: „Auch Leute, die gar keinen Ofen haben oder deren Ofen noch nicht geliefert wurde, bestellen jetzt Holz.“ Andere würden deutlich mehr ordern als sonst.

„Man kann fast schon von einem Klopapier-Effekt sprechen“, sagt Bonleitner in Anspielung darauf, dass die Menschen zu Beginn der Corona-Pandemie Klopapier horteten. Jetzt sei es Holz. „Aktuell können wir fast nur noch unsere Stammkunden bedienen“, sagt er. Denn zurzeit sei nicht die Hauptsaison, um Holz zu machen. „Ich könnte ansonsten jeden Tag zehn Lkw Holz verkaufen.“

Nicht mehr kaufen, als man braucht

Trotz der Unsicherheiten empfiehlt er, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Ich rate nicht dazu, sechs Ster zu kaufen, obwohl man eigentlich nur drei braucht“, sagt Bonleitner. „Das macht das Produkt nur teurer.“ Eine Preissteigerung ist bei der Waldbesitzervereinigung schon jetzt zu erkennen: Lag der Preis vor der Krise bei 100 Euro für ein Ster ofenfertiges Buchenholz, ist er aktuell mit 130 bis 140 Euro pro Ster deutlich gestiegen. „Richtung München und Richtung Tegernsee ist es noch teurer“, sagt Bonleitner.

Ob sich die Lage in nächster Zeit wieder entspannen wird? Mit entscheidend werde sein, wie sich die Gasliefrungen entwickeln, meint Bonleitner. „Außerdem müsste sich die politische Lage stark ändern.“

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare