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Keine kostenlosen Coronatests mehr: Teststationen in Bad Tölz-Wolfratshausen vor ungewisser Zukunft

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Von: Elena Royer

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Lange Schlangen vor den Teststationen: Dieses Bild wie hier in Wolfratshausen gehört der Vergangenheit an. Die ehrenamtlichen Betreiber wollen zum 11. Oktober aufhören. Der administrative Aufwand werde zu groß, heißt es.
Lange Schlangen vor den Teststationen: Dieses Bild wie hier in Wolfratshausen gehört der Vergangenheit an. Die ehrenamtlichen Betreiber wollen zum 11. Oktober aufhören. Der administrative Aufwand werde zu groß, heißt es. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Mit den kostenlosen Corona-Tests für alle soll ab dem 11. Oktober Schluss sein. Doch wie geht es dann bei den Teststationen in Bad Tölz-Wolfratshausen weiter? Das ist noch nicht bei allen Betreibern geklärt.

Bad Tölz-Wolfratshausen - „Wohin die Reise geht, weiß ich nicht“, sagt Apotheker Andreas Heinrich von der Kur-Apotheke in Bad Tölz. „Es ist völlig nebulös.“ Zum jetzigen Zeitpunkt steht für Heinrich noch nicht fest, ob er seine beiden Teststationen am Zentralen Omnibusbahnhof und am Vitalzentrum auch über den 11. Oktober hinaus betreibt. „Wir testen auf alle Fälle bis zum 10. Oktober“, so Heinrich. Für die Zeit danach fehlen dem Apotheker noch wichtige Infos. Er fühle sich „völlig allein gelassen. Ich habe schon recherchiert, aber ich weiß noch nicht, was ich für die Tests verlangen und wie die Abrechnung laufen soll.“ Am logischsten erscheint dem Apotheker aber die EC-Zahlung.

Aus für kostenlose Coronatests: „Das ist Wahnsinn“

Die kostenlosen Tests einzustellen, findet Heinrich „Wahnsinn“. Das ende in der nächsten Welle, ist er sicher. „Nach wie vor müssen wir die Pandemie bekämpfen“, sagt Heinrich. „Da ist es das falscheste Mittel, für Corona-Tests Geld zu verlangen.“ Außerdem befürchtet er: „Wahrscheinlich werden wir dann auch dafür verantwortlich gemacht, dass die Tests jetzt was kosten“, so Heinrich. „Ich trage gerne zur Pandemiebekämpfung bei, aber irgendwann ist sowohl mein Nervenkostüm als auch das meiner Mitarbeiter am Ende. Das haben wir nicht verdient.“

In Testzentren wie auf der Tölzer Flinthöhe sollen aus wettbewerbs- und abgaberechtlichen Gründen selbst zu bezahlende Tests nicht angeboten werden, lautet die Vorgabe des bayerischen Gesundheitsministeriums. Das teilt das Tölzer Landratsamt auf Anfrage mit. Aktuell sei die Nachfrage nach Tests auf der Flinthöhe „erstaunlich wenig“.

Corona-Schnelltest in Lenggries kostet voraussichtlich 20 Euro

In der Teststation der „Alten Apotheke“ in Lenggries ist die Nachfrage dagegen sehr gut. „Es gibt einen großen Bedarf. Meine Mädels sind gut beschäftigt“, sagt Apothekerin Eva Löhle. „Wir testen mindestens 150 Personen am Tag.“ Derzeit arbeite sie daran, eine Lösung für die kalte Jahreszeit zu finden, damit sie zum Testen in einen beheizten Raum umziehen kann. „Ich werde schon weitermachen“, sagt Löhle mit Blick auf den 11. Oktober. Was sie pro Test verlangen wird, hat sich die Apothekerin schon ausgerechnet. „Für einen Schnelltest gibt es keine preislichen Vorgaben“, erklärt sie. „Aber 20 Euro werden es bei mir schon sein, denn ich muss ja den Test, das Personal und die Schutzausrüstung zahlen.“

Auch wenn sich Löhle vorstellen kann, dass sich mehr Menschen impfen lassen, wenn die Tests kostenpflichtig werden, schätzt sie, dass sie trotzdem noch 100 Tests pro Tag durchführen wird. „Im Moment wird ja auf Kosten der Allgemeinheit getestet“, so Löhle. „Wenn man sich impfen lässt, ist es für die Allgemeinheit.“

Teststationen in Kochel und Wolfratshausen machen vermutlich nicht weiter

In der Teststation, die das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in Kochel betreibt, ist derzeit wenig los. „Die Testnachfrage sinkt ganz gewaltig“, sagt Philippe Goller, der Bereichsleiter für Zentrale Dienste beim BRK. „Das letzte Mal, als offen war, wurden nur 18 Tests durchgeführt.“ Ob in Kochel auch nach dem 11. Oktober noch Corona-Tests angeboten werden, steht laut Goller noch nicht fest. „Tendenziell wird das BRK eher nicht weitermachen, aber es gibt noch keine Entscheidung.“

Für die Bürger wäre es schade, wenn die Teststation in Kochel wegfalle, so Goller. Jedoch wäre es ihm zufolge „ein irrer Aufwand“, die Bezahlung abzuwickeln und zu prüfen, wer nach wie vor das Recht auf eine kostenlose Testung hat. „Da müssten wir mehr Personal einstellen.“

Gespräche über neue Lösung für Testangebot in Wolfratshausen

Robert Klingel, Vorsitzender der DLRG Wolfratshausen-Schäftlarn, ist für die Teststation in der Loisachpassage in Wolfratshausen zuständig. „Die Nachfrage ist abnehmend, aber immer noch relativ hoch“, sagt er. Trotzdem lassen sich noch etwa 90 Personen pro Öffnungstermin testen.

„Wir werden zum 11. Oktober nicht weitermachen“, kündigt er an. Der administrative Aufwand „übersteigt das, was wir leisten können“, so Klingel. „Das ist dann für uns nicht mehr machbar.“ Da in der Loisachpassage ehrenamtlich getestet wird, sei es auch schwierig mit der Preisbildung für die Tests. „Das funktioniert für Ehrenamtliche nicht“, sagt er. „Aber wir sind bestrebt, eine Lösung zu finden, damit es nach wie vor Testangebote gibt und befinden uns dazu im Gespräch.“

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