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Das Coronavirus hat Bayern erreicht - doch panische Reaktionen sind laut den Ärzten fehl am Platz.

“Fokussiert, aber gelassen“

Coronavirus: Hausärzte im Landkreis setzen auf Aufklärung - Kliniken sensibilisieren Mitarbeiter

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    Franziska Konrad
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Das Coronavirus beschäftigt momentan die Bevölkerung. Im Landkreis setzen die Hausärzte auf Aufklärung und Kliniken sensibilisieren Mitarbeiter. Auch für Klinikbesucher haben die Mediziner einen Ratschlag parat. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das Coronavirus hat Bayern erreicht und sorgt für Unsicherheit in der Bevölkerung. Panische Reaktionen seien aber völlig fehl am Platz, betont Dr. Matthias Bohnenberger, Sprecher der Hausärzte Tölzer Land. Der Facharzt für Allgemeinmedizin will das neuartige Virus beileibe nicht verniedlichen, stellt jedoch fest: „Es ist die Angst der Menschen vor dem Unbekannten, das ist das Besondere in der aktuellen Situation.“ Bohnenberger und seine Berufskollegen beobachten die Entwicklungen sehr genau, eine ihrer Quellen ist das Robert-Koch-Institut. „Wir klären unsere Patienten umfassend auf“, sagt der Arzt, der seine Praxis an der Tölzer Marktstraße unterhält. Bohnenberger rät grundsätzlich zu häufigem Händewaschen und appelliert an die Triefnasen: „Beim Niesen und Husten sollte man sich etwas vors Gesicht halten.“ Und: Statt jedem Gegenüber bei der Begrüßung die Hand zu schütteln, „sollte man sich einfach verbeugen und freundlich lächeln“.

Coronavirus in Bayern: Arzt rät vor panischen Reaktionen ab

Jeder rede über den Coronavirus, leider kaum jemand über die Grippe: „Im vorletzten Winter starben in Deutschland 25 000 Menschen an der Influenza“, zitiert Bohnenberger den Sprecher des Zentrums für Infektionsmedizin am Uniklinikum Freiburg, Prof. Dr. Winfried Kern. Und dass, obwohl man präventiv etwas gegen eine mögliche Grippeerkrankung tun könne, das heißt, sich impfen lassen könne.

Die Zahl derer, die mit Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen die Notaufnahme der Wolfratshauser Kreisklinik aufsuchen, hat sich laut Klinikgeschäftsführer Ingo Kühn in den vergangenen Tagen nicht signifikant erhöht. Er appelliert an die Patienten, sich zunächst an ihren Hausarzt zu wenden, der im Falle des Falles wisse, was zu tun ist. Kühn wiederholt: Die Kreisklinik sei für einen möglichen Virus-Ausbruch gewappnet. Die Mitarbeiter seien sensibilisiert, ein Isolationszimmer eingerichtet sowie reichlich Atemmasken eingekauft worden.

Dr. Hans-Wilhelm GerbigLeitender Arzt der ZentralenNotaufnahme in der TölzerAsklepios-Stadtklinik.

Wolfratshausen: Kreisklinik ist für möglichen Coronavirus-Ausbruch gewappnet

In der Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz ist es nicht anders. „Die Stimmung bei uns im Haus ist fokussiert, aber gelassen“, sagt Dr. Hans-Wilhelm Gerbig, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme, auf Nachfrage unserer Zeitung. Bislang sei die Zahl der Personen, die sich mit Symptomen einer Grippe oder einer Erkältung direkt an die Notaufnahme gewendet haben, „nicht höher als in den vergangenen Jahren“.

Gerbig betont: „Wir beobachten die Situation weiter sehr genau und sind gut vorbereitet.“ Etwa in puncto Isolationsmaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten. Die Mitarbeiter der Stadtklinik würden kontinuierlich geschult. Genauso gehört es laut dem Mediziner jedoch dazu, „Warnsignale zu definieren, um gegebenenfalls umgehend die erforderliche Diagnostik zu veranlassen“.

Bad Tölz: Stimmung in Asklepios-Klinik ist fokussiert - aber gelassen

Konkret bedeutet das: Erreicht ein Patient mit akuten Erkältungssymptomen die Notaufnahme, der sich nachweislich im Risikogebiet in China aufhielt, Kontakt zu Personen aus jener Region hatte – womöglich gar mit dem Coronavirus infizierten Personen – wird er umgehend isoliert. „Es werden unter anderem Abstriche im Nasen- und Rachenbereich gemacht“, erklärt der Leitende Arzt. Diese werden im zuständigen Referenzlabor in München analysiert.

Coronavirus: Klinikbesucher sollen sich Hände desinfizieren

Klinikbesucher könnten ihren Teil dazu beitragen, das Verbreitungsrisiko von Viren zu reduzieren. Ihnen rät Gerbig, beim Betreten und Verlassen des Krankenhauses und der Patientenzimmer stets die Hände zu desinfizieren. Gerbig: „Dadurch soll nicht zuletzt vorgebeugt werden, dass Keime ins Krankenhaus gelangen.“

Doch nicht nur Ärzte und Kliniken werden aktiv: Nachdem sich im Kreis Starnberg mehrere Fälle vom Coronavirus bestätigten, reagieren auch Kliniken und Betreiber im Landkreis auf die gefährliche Krankheit aus China.

kof/cce

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