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Ist seit 2011 Mitglied der Genossenschaftsbrauerei: Friedrich Merz, hier an der Seite seines Waakirchner Freunds Kaspar Seemann.

Klare Tendenz

Wer wird neuer CDU-Chef? Die CSU-Basis im Landkreis hat einen Wunschkandidaten

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AKK, Friedrich Merz oder Jens Spahn? Die CSU-Vertreter im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen können zwar nicht mitwählen, aber sie haben eine klare Tendenz, wer es werden soll.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Am Freitag entscheidet sich, wer die Nachfolge von Angela Merkel als Vorsitzende oder Vorsitzender der CDU antritt. Bei der Schwesterpartei CSU verfolgt man im Landkreis die Wahl gespannt – zumal einer der drei favorisierten Kandidaten im Isarwinkel gut bekannt ist. Dementsprechend hat in der Gunst der örtlichen CSU-Basis Friedrich Merz die Nase leicht vorn.

Friedrich Merz ist in der Region kein Unbekannter

Eindruck hinterlassen hat er bei zwei Gastspielen auf dem Reutberg. 2014 besuchte Merz, der seit 2011 Mitglied der Genossenschaftsbrauerei ist, die Generalversammlung im Festzelt. Im Sommer vergangenen Jahres war er Gast der Mittelstandsunion im „Reutbergstüberl“. Bei diesen Gelegenheiten war der Tölzer CSU-Parteivorsitzende Ingo Mehner „sehr angetan“ vom früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag. „Er hat die Fähigkeit, die Dinge auf den Punkt zu bringen und das Publikum zu begeistern.“ Auch Jens Spahn als Parteivorsitzenden hielte der Tölzer für „ein Aufbruchsignal“. Er sei als Persönlichkeit „spannend“ – ein Attribut, das Mehner für Annegret Kramp-Karrenbauer nicht verwenden möchte.

Ferner hat Friedrich Merz auch ein Haus in Gmund am Tegernsee, wo er immer mal wieder Zeit verbringt.

CSU-Kreischef Martin Bachhuber ist für Friedrich Merz „ohne Wenn und Aber“

Ebenfalls am Reutberg mit dabei war CSU-Kreischef Martin Bachhuber. Auch er spricht sich „ohne Wenn und Aber“ für Merz aus. Mit ihm, so die Hoffnung des Landtagsabgeordneten aus Heilbrunn, werde die CDU „ein Stück weiter in die Mitte rücken und wieder konservativere Wähler binden. Bislang ist ist die CDU ja eher Mitte links“, sagt Bachhuber.

Ganz klar ergreift der Kochler Bürgermeister Thomas Holz Partei für Merz. „Ich fand damals schon seinen Vorstoß für eine Steuererklärung auf dem Bierdeckel sehr charmant, und er ist ein Mann des klaren Wortes“, argumentiert der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende. Bei Kramp-Karrenbauer hätte Holz das Gefühl, „dass sich zum jetzigen Politikstil nicht viel ändern würde“ – dabei sei „neuer Schwung“ nötig. Spahn ist aus Holz’ Sicht „noch etwas zu jung“. Holz stimmt auch der Ansicht von Wolfgang Schäuble zu, dass eine CDU mit Merz an der Spitze wieder mehr Profil gewinne und so die politischen Ränder geschwächt würden.

Uschi Henseler: „Die Politik von Merz ist gar nicht meine Schiene.“

Anderer Ansicht ist die Lenggrieserin Uschi Henseler. Die Bezirksvorsitzende der Arbeitnehmer-Union (CSA) sagt: „Die Politik von Merz ist gar nicht meine Schiene.“ Mit seiner Anregung, die Deutschen sollten für ihre Altersvorsorge auf Aktien setzen, habe er sich als abgehoben erwiesen. „Weiß er überhaupt, wie einfache Menschen mit der Heizölrechnung zu kämpfen haben?“ Henseler bezweifelt auch, dass Merz gut mit Merkel zusammenarbeiten könnte. „Dann haben wir dieselbe Situation wie mit Söder und Seehofer.“ Kramp-Karrenbauer dagegen habe sie mit ihrer „unaufgeregten Arbeitsweise“ überzeugt, sagt Henseler. Allen drei Bewerbern räumt Henseler unterdessen nur eine Amtsdauer für eine Übergangszeit im Schatten der Ära Merkel ein.

Edmund Stoiber, ehemaliger Ministerpräsident aus Wolfratshausen, hält sich derweil diplomatisch zurück. Er teilt auf Anfrage des Tölzer Kurier mit: „Ich kenne und schätze alle drei Kandidaten seit vielen Jahren persönlich. Alle drei sind herausragende Persönlichkeiten der CDU. Ich bitte allerdings um Verständnis, dass ich mich als Ehrenvorsitzender der CSU in diesen innerparteilichen Wettbewerb um die Führungsposition der CDU nicht einmische.“

Nicht festlegen will sich auch Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan. „Die CSU wählt ihren Vorsitzenden und braucht keine Ratschläge. Bei der CDU ist das genauso.“ Er hoffe jedenfalls, dass die CDU geeint aus der Wahl hervorgehe und sich kein Lager als Verlierer fühlt.

Alle Infos zu Friedrich Merz‘ Kandidatur für den CDU-Vorsitz und zur Entscheidung am Freitag lesen Sie immer aktuell im Merkur.de-Politikressort.

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