Im Wolfratshauser Impfzentrum haben viele Menschen eine Astrazeneca-Impfung bekommen, obwohl sie teils noch nicht an der Reihe gewesen wären.
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Im Wolfratshauser Impfzentrum haben viele Menschen eine Astrazeneca-Impfung bekommen, obwohl sie teils noch nicht an der Reihe gewesen wären.

Sturm aufs Impfzentrum

Bad Tölz-Wolfratshausen: Darum wurden am Sonntag Menschen ohne Termin geimpft

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Am Sonntag gab es einen regelrechten Ansturm auf das Wolfratshauser Impfzentrum. Dabei wurden vielen Menschen Astrazeneca in den Oberarm gespritzt, die überhaupt keinen Termin hatten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Streng nach Reihenfolge wird in den Impfzentren in Bad Tölz und Wolfratshausen geimpft. Die Software BayImco sucht die aus, die laut Priorisierungsliste als nächstes an der Reihe sind. Das wurde immer wieder betont. Am vergangenen Sonntag hat man sich zumindest im Impfzentrum Wolfratshausen davon verabschiedet. Geimpft wurde, wer vor der Tür stand – und das waren einige.

Große Menge Astrazeneca stand zur Verfügung - und musste am gleichen Tag noch verimpft werden

„Es war krass“, so beschreibt Impfzentrumsleiter Maximilian Pfandl die Situation am vergangenen Sonntag. Alles begann damit, dass an diesem Tag eine relativ große Menge an Astrazeneca zur Verfügung stand. Diese musste auch unbedingt am Sonntag verimpft werden, weil der Einsatz des Vakzins für Erstimpfungen ab 19. April in den bayerischen Zentren untersagt war. Schon im Vorfeld seien Registrierte über 60 angerufen worden, um die Termine zu besetzen, sagt Pfandl. „Da aber einige gesagt haben, sie warten lieber auf Biontech und Moderna haben wir die Liste nicht vollbekommen.“

Offensichtlich sprach sich zeitgleich herum, dass es nicht besetzte Termine im Impfzentrum gab. Das bestätigt eine Ickingerin. Eine Freundin, die Tage zuvor im Impfzentrum gemeldet hatte, dass sie auch Astrazeneca nehmen würde, habe ihr erzählt, dass sie einen Anruf aus dem Zentrum bekommen habe, dass Termine frei seien und sie am Nachmittag geimpft werden könnte. Die Ickingerin rief darauf hin ebenfalls im Impfzentrum an – und bekam noch für den Nachmittag einen Termin, genau wie ihr Sohn. „Insgesamt weiß ich am Sonntag von mindestens fünf weiteren Familien aus unserem Dorf, die am Sonntag geimpft wurden“, sagt sie.

Sturm aufs Impfzentrum: Facebook-Post und Radiosender machte viele aufmerksam

Gleichzeitig sei von irgendjemandem auf Facebook ein Post aufgetaucht, „der dazu aufrief, zum Wolfratshauser Impfzentrum zu fahren“, so Pfandl. Man brauche keinen Termin und werde geimpft, auch wenn man unter 60 sei – hieß es dort. „Und dann hat das auch noch ein Radiosender so kommuniziert.“ Am Ende „standen 300 Leute vor der Tür, die geimpft werden wollten“, schildert Pfandl die Szene. „Es war wie beim Tischwechsel auf der Wiesn. Es war für uns nicht angenehm.“ Das Glück der Wartenden sei einfach gewesen, dass noch viele Impfdosen von Astrazeneca da waren. Dass sich genau darüber nun die Menschen ärgern, die darauf vertraut haben, dass alles streng nach Prio läuft und die brav warten, bis sie an der Reihe sind, kann Pfandl „zu 100 Prozent nachvollziehen“. Er könne nur darauf verweisen, dass man unter Zeitdruck gestanden habe.

„Mein Vertrauen in dieses Impfportal sinkt mit jeder Geschichte die ich erfahre.“

Eine, die sich tatsächlich darüber ärgert, ist die ehemalige Kreisrätin Mechthild Felsch aus Münsing. Sie kenne mittlerweile so viele Geschichte, wie Leute an Impftermine gekommen sind. „Ich habe mich bis jetzt an die Regeln gehalten, nur mein Vertrauen in dieses Impfportal sinkt mit jeder Geschichte die ich erfahre.“ Erzählt wird ihr beispielsweise immer wieder, dass man bei der Hotline des Impfzentrums Ratschläge bekomme, „wie man den Account entsprechend neu aufbauen und manipulieren kann, um schneller an die Reihe zu kommen“, so Felsch.

So sei das nicht, sagt Pfandl. „Ich habe das extra noch einmal mit unserem Call-Center besprochen.“ „Oft geht es aber um konkrete Fragen und um Unterstützung, weil viele beispielsweise nicht wissen, dass ihre Vorerkrankung die Prio nach oben schraubt“, sagt Pfandl. „Es ist aber auf keinen Fall so, dass wir den Leuten einfach sagen: ,Geben Sie mal das und das ein, dadurch kommen sie hoch.‘“ Und noch eine Frage kommt immer wieder auf: Was ist, wenn abends Dosen übrig sind? Wer bekommt die? „Wir reden hier über ein, zwei Dosen“, sagt Pfandl. Um diese nicht entsorgen zu müssen, „rufen wir Leute an. Hier gehen wir aber streng danach vor, wen uns BayImco vorgibt.“

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