So funktioniert es: Fahrlehrer Claus Galli (li.) erklärt Fahrschüler Maximilian Kuhl den Umgang mit einer Automatikschaltung.
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So funktioniert es: Fahrlehrer Claus Galli (li.) erklärt Fahrschüler Maximilian Kuhl den Umgang mit einer Automatikschaltung.

Neuerung beim Führerschein

Bad Tölz-Wolfratshausen: Führerschein-Prüfung im Automatik-Auto ablegen - dann mit Schaltgetriebe fahren

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Gute Nachrichten für Fahranfänger: Seit dem 1. April dürfen sie in einem Auto mit Schaltgetriebe fahren, auch wenn sie ihre Fahrprüfung in einem Automatik-Auto absolviert haben.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Neuerung beim Führerschein ist gebunden an eine Voraussetzung: Sie müssen mindestens zehn zusätzliche Fahrstunden nehmen und von der Fahrschule die Fahrtauglichkeit mit Schaltgetriebe bescheinigt bekommen. „Das ist grundsätzlich schon sehr sinnvoll“, sagt Sepp Kögl, Inhaber einer Fahrschule in Geretsried und Wolfratshausen. „Für einen Fahrschüler fällt weniger an, wenn er nicht mehr schalten muss.“

Neue Regelung gilt seit 1. April 2021

Ihre Fahrtauglichkeit mit Schaltgetriebe müssen die Interessenten in einer mindestens 15-minütigen Testfahrt mit dem Fahrlehrer nachweisen, erläutert Kögl. Bei Erfolg werde die Schlüsselzahl B197 im Führerschein eingetragen. Nachfrage nach einer Prüfung in einem Automatik-Auto gebe es quer durch alle Altersklassen, berichtet der Fahrlehrer. Etliche Menschen sähen keine Notwendigkeit, das Autofahren mit Schaltgetriebe zu erlernen. Andere Prüflinge hingegen hätten Probleme mit der Bewegungskoordination. „Denen rate ich dann auch, die Prüfung in einem Automatik-Auto abzulegen.“

Weniger Stress für Fahranfänger

Claus Galli von der Tölzer Fahrschule Spohr sieht die Neuerungen dagegen eher kritisch: „Ich halte sie nicht für besonders gelungen, weil ein Fahrschüler nach zehn Fahrstunden noch nicht wirklich eine Schaltkompetenz besitzt. Nach der kurzen Zeit bringen die meisten mit Müh und Not den richtigen Gang rein.“ Von der geforderten umweltschonenden Fahrweise könne nach dieser kurzen Zeit noch keine Rede sein. Hinzu komme ein anderer Aspekt: „Wenn die Eltern das Schalten miterleben, sagen sie: Mei Bua, du kannst ja noch gar nix.“ Dadurch würden die Fahrschulen in ein schlechtes Licht gerückt. Zugleich räumt Galli ein, dass die Nachfrage nach Führerscheinen mit dem Schlüsselzahl B197 groß sei: „Viele haben die Hoffnung, dass sie die Fahrprüfung leichter bestehen, wenn sie sich nicht mit dem Schalten beschäftigen müssen.“ Die Nachfrage gehe quer durch alle Altersklassen. Generell könne man aber sagen, dass die Fahranfänger mit schlechten Deutschkenntnissen eher Richtung Automatik-Fahrprüfung tendieren.

Kein großer Ansturm auf Automatik-Prüfung in Lenggries

Dies bestätigt Wolfgang Gritzuhn von der gleichnamigen Fahrschule in Lenggries: „Für die Fahrprüfung mit Automatikgetriebe interessieren sich vor allem Migrantinnen.“ Insgesamt gebe es aber keinen großen Ansturm darauf. Viel hänge davon ab, welches Auto zu Hause in der Garage stehe: „Wenn zu Hause ein Auto mit Schaltgetriebe steht, sagen die Eltern mit Sicherheit: was willst du mit Automatik?“

Zudem sei Ablegen eines Führerscheins immer eine Kostenfrage. Die Leute sagen: „Wenn ich eh zehn Stunden mit Schaltung fahren muss, dann kann ich die Prüfung ja auch gleich mit Schaltung ablegen.“ Wenn man sich entschließt, eine Prüfung im Automatik-Auto abzulegen und erst später zehn Fahrstunden mit einem Schalter nimmt, müsse man mit 500 Euro Aufpreis rechnen. Doch dies könne durchaus Sinn machen, sagt Gritzuhn. Ein Fahrprüfer habe mal zu einem zukünftigen Automatik-Fahrer gesagt: „Machen Sie ihre Prüfung mit einem Automatik-Auto. Bis Sie ein Auto mit Gangschaltung fahren müssen, haben Sie eh wieder alles vergessen.“ Es lohne sich, über diese Sichtweise nachzudenken. Zumal Gritzuhn erwartet, dass sich die Autos in Zukunft mehr in Richtung Automatik entwickeln werden, Hybrid- und Elektrofahrzeuge gebe es schon jetzt nur mit einem solchen Getriebe.

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