Statt seinen Müll in städtischen Grünanlagen zu entsorgen, sollte man ihn lieber mit nach Hause nehmen.
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Statt seinen Müll in städtischen Grünanlagen zu entsorgen, sollte man ihn lieber mit nach Hause nehmen.

Bereitschaft zur Veränderung

Bad Tölz-Wolfratshausen: Gemeinden hadern mit zu viel Müll im öffentlichen Bereich

Es ist immer wieder ein Ärgernis: Mal wird die Verpackung der Brotzeit beim Ausflug einfach ins Gebüsch geworfen, mal der Sperrmüll illegal im Wald abgeladen. Vielerorts im Landkreis hat sich diese Problematik in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verschärft. Die Lösungsansätze der Gemeinde sehen unterschiedlich aus.

Bad Tölz-Wolfratshausen - „Im Großen und Ganzen können wir uns eigentlich nicht beschweren“, sagt Birte Otterbach, Sprecherin der Stadt Bad Tölz. „Die Bürger achten meist gut auf die Sauberkeit der Stadt, auch einige Mitarbeiter im Betriebshof setzen sich sehr dafür ein.“ Dennoch gebe es immer wieder unrühmliche Ausnahmen. Das war besonders im vergangenen Sommer zu spüren. Die Menschen verbrachten die schönen Tage mehrheitlich in der Heimat und gerne im Freien. Vermehrt ließen sie sich in den städtischen Grünanlagen nieder, zum Beispiel an der Isar. „Manche haben dabei vergessen, ihren Müll wieder mitzunehmen“, so Otterbach.

Davon kann die Gemeinde Jachenau ein Lied singen. Vorwiegend in den Sommermonaten wurde der Ort überschwemmt von Besuchern – und Müll. „Besonders am Ufer des Walchensees“, sagt Felix Kellner, Geschäftsleiter der Gemeinde. „Hier waren einfach zu viele Menschen mit zu wenig Naturverständnis.“ Kellner sieht das Problem nicht nur bei den Tagesausflüglern. Auch Wohnmobile seien ein Problem. „Man fühlt sich, besonders am See, leicht einmal unbeobachtet und kommt in Versuchung, seinen Müll und die Toilette einfach in der Natur auszuleeren“, so Kellner.

Zu viel Müll, zu wenig Naturverständnis

In Wackersberg bedauert man, dass im vergangenen Jahr die Ramadama-Aktion nicht stattfinden konnte. „Normalerweise organisiert die Grundschule in Wackersberg solche Aktionen“, sagt eine Mitarbeiterin der Gemeinde. Ähnlich beurteilt man die Lage in Wolfratshausen. „Die Zahl illegaler Sperrmüll-Ablagerungen ist bei uns heuer deutlich gestiegen“, erklärt Matthias Schmidberger, Meister des Baubetriebshofs. Die Ursache hierfür sieht er in der Pandemie beziehungsweise dem Lockdown. „Viele Leute haben einfach Mal Zeit, richtig auszusortieren“, so Schmidberger – leider passiere das manchmal auf Kosten der Natur. Auch in Dietramszell ist das ein Problem. „Der Sperrmüll liegt dann meistens neben Altkleidercontainern“, so eine Mitarbeiterin der Gemeinde, „oder in der Natur.“

Wie man das Problem lösen kann, sehen die Gemeinden unterschiedlich. „Ich befürchte, dass durch mehr Mülleimer die Masse an Müll nicht sinken wird“, sagt Felix Kellner aus Jachenau. Im Gegenteil: „Viele Menschen könnten sich dadurch eingeladen fühlen, ihren Müll dazulassen“. Auch in Wackersberg wird das befürchtet. „Wir haben einfach bisher die Erfahrung gemacht, dass die Menschen den Müll vermehrt in öffentlichen Mülleimern entsorgen, anstatt ihn mit nach Hause zu nehmen.“ Dem wolle man mit weniger Mülleimern entgegenwirken. „Es muss einfach ein Umdenken passieren“, so die Gemeindemitarbeiterin aus Wackersberg.

Bereitschaft zur Veränderung

In der Jachenau sollen kommenden Sommer zumindest vermehrt Toilettenhäuschen aufgestellt werden. „Wir hoffen, dass dadurch zumindest weniger Menschen ihr Geschäft in der Natur verrichten“, sagt Kellner. In Bad Tölz dagegen setzt man, besonders im Sommer, auf Mülleimer- und Personalzuwachs, beispielsweise an der Isar. „Dort haben wir vor vier Jahren begonnen, im Sommer mehr Mülleimer aufzustellen“, sagt Pressesprecherin Birte Otterbach. Aber auch an das Bewusstsein der Bürger wolle man appellieren. Bereitschaft zur Veränderung sei vorhanden. „Vor allem bei der jungen Generation“, so Otterbach. „Immer häufiger organisieren Jugendliche eigene Ramadama-Aktionen in der Stadt.“ (Anna Nagy)

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