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DFB-Pokal: Viertelfinale abgesagt! Corona-Fälle bei Überraschungs-Team verhindern historisches Spiel

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Auch gefälschten Gutscheinen für FFP2-Masken sind die Schleierfahnder Thomas Wimmer (li.) und Thomas Haberger auf der Spur. Hier an die Wand projiziert: ein Symbol, das auf einem echten Gutschein nur unter UV-Licht sichtbar wird.
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Auch gefälschten Gutscheinen für FFP2-Masken sind die Schleierfahnder Thomas Wimmer (li.) und Thomas Haberger auf der Spur. Hier an die Wand projiziert: ein Symbol, das auf einem echten Gutschein nur unter UV-Licht sichtbar wird.

Ein Besuch auf der Grenzpolizeiinspektion Murnau

Bad Tölz-Wolfratshausen: Grenzpolizei stockt auf – Suche nach Corona-Sündern und Schmugglern

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Jeder weiß, dass es sie gibt. Zu Gesicht bekommen sie aber meist nur diejenigen, die sich in irgendeiner Form verdächtig verhalten. Was daher wenige wissen: Schleierfahnder sind auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen dauerpräsent. Und das nicht nur an den Grenzen zu Österreich.

  • Schleierfahnder sind dauernd im Tölzer Land unterwegs - erst neulich hatten Sie hier einen großen Aufgriff
  • Sie befassen sich mit Dokumentenkriminalität, illegaler Migration, Kfz-Schwerdelikten, Betäubungsmittelverstößen und grenzüberschreitende organisierte Kriminalität
  • Unsere Zeitung war auf ihrer Dienststelle in Murnau: Einblicke in die Polizeiarbeit im Verborgenen
  • Jetzt fahndet die Grenzpolizei auch nach Corona-Sündern
  • Mehr Nachrichten aus Bad Tölz und Umgebung lesen Sie hier.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Schleierfahnder der Grenzpolizei Murnau sind auch im Tölzer Land unterwegs. Erst kürzlich hatten die Beamten einen großen Aufgriff in Bad Tölz (wir berichteten). Dort erwischten sie einen von der Staatsanwaltschaft München II zur Fahndung ausgeschriebenen 43-jährigen Mann. Er wurde mit Haftbefehl wegen räuberischer Erpressung und Handels mit Betäubungsmitteln gesucht. Für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau ist die Grenzpolizeiinspektion (GPI) in Murnau zuständig. Dort gewährte Dienststellenleiter Thomas Haberger dem Tölzer Kurier Einblicke in verschiedene Bereiche der Fahndungsarbeit, die in der Regel für die Öffentlichkeit unsichtbar bleibt.

Grenzpolizeiinspektion Murnau: Schleierfahndung nach Waffen und Viren

Zu den Hauptthemen zählen vor allem Dokumentenkriminalität, illegale Migration, Kfz-Schwerdelikte, Betäubungsmittelverstöße und grenzüberschreitende organisierte Kriminalität. Für Haberger, seinen Stellvertreter Henning Stünkel und weitere 35 Mitarbeiter ist nun auch noch die Fahndung nach Corona-Sündern dazugekommen. Die erfolgt seither nicht mehr nur zivil, sondern auch in uniformierten Teams. „Wir müssen Präsenz zeigen“, erklärt Haberger. Die Aufstockung der Streifen aufgrund der Pandemie hält manche Gauner aber nicht davon ab, Drogen, Waffen und Diebesgut über die Grenzen zu manövrieren. Um ihnen das Handwerk zu legen, ist die GPI gerüstet.

Die Ausbeute der jüngsten Aufgriffe: Waffen, Drogen, gefälschte Kennzeichen warten auf den Staatsanwalt. 

Zweites Obergeschoss, langer dunkler Korridor, Backsteingemäuer. Haberger und Stünkel biegen zielstrebig in ein Zimmer auf der rechten Seite ab. Sie zeigen auf einen Mann, der konzentriert an einem der vier Computer sitzt. „Er ist eine Koryphäe in Sachen Dokumentenfälschung“, lobt der Dienststellenleiter. Das ist ein großer Teilbereich der Ermittlungsarbeit vor Ort. Thomas Wimmer blickt mit zusammengekniffenen Augen auf den Bildschirm. Neben ihm steht ein weißes Gerät, ein sogenannter Video-Spektral-Imperator. Darin eingescannt liegt ein bulgarischer Pass. „Dieses Gerät kann im Gegensatz zu einer forensischen Lupe speziell entfernte Schriften sichtbar machen“, erklärt Wimmer. „Kostet auch satte 36 000 Euro.“ Präzise untersucht er den dunkelroten Lappen weiter. Vergrößert ihn, beleuchtet ihn mit diversen Speziallichtern. „Ha, gefälscht!“ Er wirft die Papiere auf den langen weißen Besprechungstisch hinter sich und lehnt sich zurück. Das Profigerät projiziert auf einen Monitor eine gestrichelte blass-grüne Linie. „Würde man mit bloßem Auge nie sehen, aber die Line müsste durchgezogen sein. “Seit Corona sind weitere Falschdokumente auf den Markt gekommen. „Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht oder Gutscheine der Bundesregierung für FFP2-Masken“, sagt Stünkel.

Seit Corona sind weitere Falschdokumente auf den Markt gekommen

Bei den Aufgriffen kommt neben gefälschten Papieren auch allerhand anderes – meist illegales – Gut zusammen. Zwei Türen weiter ist diese sichergestellte „Ware“ verstaut. Haberger deutet zu einer Ablage. „Das stammt von Aufgriffen der letzten Wochen, was noch nicht bei der Staatsanwaltschaft liegt.“ Es sind Springmesser, Schlagringe, ein Luftgewehr. Dazwischen Marihuana, Ecstasy, Kokain, Handys und falsche Autokennzeichen. Beweise fürs Gericht.

In der Polizeiwerkstatt: Peter Kaul enttarnt ein scheinbares Handwerkerauto als großes Drogenversteck. 

Im Innenhof der GPI ist eine Werkstatt. Hier zerlegen die Beamten verdächtige Fahrzeuge im Zweifel in Kleinteile. Auf der Hebebühne steht ein weißer Fiat-Kastenwagen. Auf den ersten Blick handelt es sich um ein herkömmliches Maler-Auto: leicht verdellt, im Gepäck Farbeimer, Blaumann, und Pinsel. Ein Handwerkerauto? Von wegen. Polizeihauptkomissar Peter Kaul steigt auf die Ladefläche, setzt routiniert einen Schraubenzieher an der linken Innenwand an. Ein scheppernder Ruck, und siehe da: Ein geräumiges Versteck kommt hinter der Seitenwand zum Vorschein. „Ein Drogen-Paket nach dem anderen haben wir da rausgeholt“, sagt Kaul. „Man muss da suchen, wo man nichts sieht.“

Schmuggler haben raffinierte Verstecke: Handwerkerauto diente als Tarnung für Drogentransport

Weniger wild sehe es beim neuen Thema Coronanachweise aus. „Da kontrollieren wir potenziell jeden, ohne auffällige Anhaltspunkte“, erklärt Dienststellenleiter Thomas Haberger. Die meisten würden sich an die Vorgaben halten. Bei den Kontrollen werde aber nicht nur auf Corona-Regeln geachtet. „Sobald uns dabei etwas anderes verdächtig vorkommt, haben wir unsere Ausrüstung dabei.“ Vor einer Dursuchung mit Video-Endoskop, Wärmebildkamera oder Nachtsichtgerät sind Kriminelle nie gefeit. Denn egal, ob der geschärfte Blick auf Covid-19-Vergehen oder Schmugglerware gerichtet wird: Schleierfahnder bleibt Schleierfahnder.

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