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Gewalt in der Partnerschaft: Gerade in Corona-Zeiten ist die Gefahr für Frauen groß.

Interview

Häusliche Gewalt in der Corona-Krise: Die Gefahr steigt

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Das ständige Zusammensein daheim während der Corona-Pandemie hat auch seine Schattenseiten: Gerade Frauen, deren Männer zu Gewalt neigen, sind derzeit in großer Gefahr. Ein Gespräch mit Nicoline Pfeiffer vom Frauenhaus im Landkreis. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Ausgangsbeschränkungen in Bayern stellen viele Paare und Familien vor große Herausforderungen. Tag und Nacht sitzt man plötzlich aufeinander. Gerade für Frauen, deren Männer zu Gewalt neigen, bedeutet das eine große Gefahr. Darüber sprach unsere Volontärin Franziska Konrad mit Frauenhaus-Mitarbeiterin Nicoline Pfeiffer.

Frau Pfeiffer, wie wirkt sich die Ausgangsbeschränkung auf Frauen aus, die mit gewalttätigen Männern zusammenleben?

Je länger die Beschränkungen dauern, umso größer ist die Gefahr für diese Frauen. Schon vor der Corona-Pandemie war die Situation in diesen Haushalten konfliktgeladen. Jetzt sitzen alle den ganzen Tag daheim, die Frauen können ihren Männern nicht mehr ausweichen. Das verschärft die Situation extrem. Deshalb befürchte ich, dass die häusliche Gewalt in den kommenden Wochen stark zunehmen wird. Falls sich bei Frauen die Lage zuspitzen sollte, empfehle ich ihnen, sich telefonisch beraten zu lassen.

Nicoline Pfeiffer, Mitarbeiterin im Frauenhaus im Landkreis

Spüren Sie im Frauenhaus einen größeren Andrang?

Als wir kürzlich noch freie Plätze hatten, erhielten wir ziemlich viele Anfragen. Seitdem das Frauenhaus komplett belegt ist, ging die Nachfrage wieder zurück. Ich gehe jedoch davon aus, dass der große Ansturm, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, erst noch kommt.

Warum?

In der ersten Phase einer Krise glaubt man oft daran, diese Zeit gemeinsam mit dem Partner durchzustehen. Zudem sollen wir momentan den Kontakt mit fremden Menschen meiden, was aber im Frauenhaus der Fall ist. Für viele ist dies ein beängstigender Gedanke. Doch dieser Punkt ist lange nicht unser einziges Problem.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie noch?

Unser Frauenhaus ist ständig überfüllt. Während der Corona-Krise wird das nicht besser werden. Außerdem fehlt uns Fachpersonal. Aus Platzmangel einfach ein Hotel anzumieten, ist deshalb keine Lösung. Die Frauen, die zu uns kommen, sind oft sehr bedrückt und brauchen individuelle Betreuung. Es steckt also viel mehr dahinter, als nur eine Unterkunft anzubieten. Da hängt ein großer Rattenschwanz mit dran.

Haben Sie dafür eine Lösung?

An diesem Punkt bin ich momentan überfragt. Wir können im Frauenhaus keine Lösung aus dem Hut zaubern. Allein wenn wir Angebote für freie Wohnungen bekämen, in die die Frauen einziehen können, würde uns das schon ein Stück weit helfen. Das gilt auch für Spenden, die uns in der jetzigen Situation unterstützen. Langfristig hilft es wahrscheinlich nur, unsere Ressourcen zu verstärken. Aber das wird schwierig.

Wie schützen Sie die Frauen vor dem Coronavirus?

Gemeinsam haben wir das richtige Verhalten besprochen, etwa häufiges Händewaschen und den Sicherheitsabstand. Ansonsten müssen sich die Frauen wie alle anderen an die Ausgangsbeschränkungen halten. Und falls bei uns ein Fall auftritt, werden wir eine Quarantäne aussprechen.

Info

Das Spendenkonto des Frauenhauses lautet:

Frauen helfen Frauen e.V. Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen; IBAN: DE53 7005 4306 0570 0400 14; Bic: BYLADEM1WOR.

Der Verein bietet ein 24- Stunden-Notruftelefon für von Gewalt betroffene Frauen an, erreichbar unter der Telefonnummer 0 81 71/1 86 80.

Alle Infos zur Corona-Krise im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es in unserem Live-Ticker

Markus Bail ist Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Auch für die Sanitäter ist die Corona-Krise mit hoher Belastung verbunden - ebenso wie mit hohem Risiko.

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