Impfzentrum in Bad Tölz.
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In den Impfzentren in Bad Tölz (Foto) und Wolfratshausen werden laut Landratsamt aktuell etwa 600 Impfungen am Tag verabreicht.

Anmeldung ab sofort

Bad Tölz-Wolfratshausen: Corona-Impfungen bald daheim oder beim Hausarzt

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Im Landkreis sind die Impfungen in den Seniorenheimen auf der Zielgeraden, und in den Impfzentren werden pro Tag rund 600 Dosen verabreicht. Bald soll auch andernorts geimpft werden.

  • Bislang wird in Bad Tölz-Wolfratshausen entweder in Seniorenheimen oder in Impfzentren geimpft.
  • Das ändert sich in Kürze, denn es wird ein Hausbesuchsdienst für stark gebrechliche Senioren eingerichtet - ein in Oberbayern bislang einmaliges Projekt.
  • Außerdem laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit bald niedergelassene Ärzte in ihren Praxen impfen können.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Corona-Impfungen erfolgen im Landkreis bislang entweder in Senioren- und Pflegeheimen oder in den Impfzentren in Bad Tölz und Wolfratshausen. Das wird sich ändern. Zunächst geht ein Impfmobil an den Start, mit dem Menschen, die das Haus nicht verlassen können, daheim aufgesucht werden. Zum anderen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit die niedergelassenen Ärzte in ihren Praxen impfen können.

Den Hausbesuchsdienst hat Dr. Jörg Lohse gemeinsam mit dem Landratsamt auf die Beine gestellt. „Es ist das erste Projekt dieser Art in Oberbayern“, erklärt der Münsinger Hausarzt, der im Landkreis ärztlicher Koordinator der Pandemiebekämpfung ist. Das Angebot richte sich an bettlägerige, nicht mobile Senioren, die daheim gepflegt werden und das Haus nicht verlassen können. Diese Patientengruppe liege ihm sehr am Herzen. Weil sie sehr gefährdet sei, „wollen wir sie schnell durchimpfen und möglichst der dritten Welle zuvorkommen“, so Lohse. „Wir haben ein spezielles Impfteam mit lebenserfahrenen Ärzten zusammengestellt, das diese Patienten bedient.“

Für Hausbesuchsdienst zur Corona-Impfung soll man sich zeitnah beim Hausarzt anmelden

Sie werden in einem „Büro auf Rädern“ zu den einzelnen Adressen fahren. Ein BRK-Fahrzeug wurde laut Lohse dafür mit Drucker, Scanner und Laptop für die nötige Datenerfassung sowie mit Stühlen und Tisch ausgestattet.

Die Betroffenen oder deren Angehörige sollten sich ab sofort – möglichst zeitnah – bei ihrem Hausarzt melden. Der meldet die Daten an eine „Task Force“ am Landratsamt, die dann wiederum mit den Impfzentren Registrierung und Terminvergabe koordiniere. „Damit alles zügig vonstatten geht, müssen einige Dinge im Vorfeld geklärt sein“, ergänzt Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer. „So müssen die Impfaufklärung und die Einverständniserklärung erfolgt sein. Bei und nach der Impfung sollte auch eine vertraute Person anwesend sein.“ Lohse und Peischer stellen auch klar: Personen, die – auch mit Hilfe – noch den Weg bis zu einem Auto schaffen, müssen weiterhin ihr jeweiliges Impfzentrum aufsuchen. Gegebenenfalls gibt es beim Transport dorthin auch Unterstützung von Ehrenamtlichen.

Impfungen mit Biontech im D-Zug-Tempo, mit AstraZeneca in ICE-Geschwindigkeit

Daneben laufen laut Lohse seit drei bis vier Wochen intensive Vorbereitungen, damit in Arztpraxen geimpft werden kann. Das jetzige Prozedere in den Impfzentren sei „in Ordnung, solange eine Priorisierung notwendig ist, weil der Impfstoff knapp ist“, sagt der Münsinger. Dies werde sich aber wohl in den kommenden drei bis fünf Wochen ändern. Schon jetzt gebe es Unterschiede: Mit den mRNA-Impfstoffen (Biontech, Moderna) laufe die Impfung der Über-80-Jährigen „im D-Zug-Tempo“. Mit AstraZeneca, zugelassen nur für Unter-65-Jährige, impfe man dagegen „längst“ auch in den Prioritätengruppen 2 und 3 – in ICE-Geschwindigkeit.

Um den Impfstoff, der mit der Zeit immer reichlicher ankommen wird, in die Arme zu bekommen, hat Lohse schon viele Gespräche mit Kinder-, HNO- und Hausärzten im Landkreis geführt. Rund 45 stünden „in den Startlöchern“, um die Vakzine zu verabreichen. Das scheitere weder an der Bereitschaft der Ärzte noch an der Verteilung und Lagerung des Impfstoffs – „für AstraZeneca oder Johnson & Johnson reicht der normale Impfstoffkühlschrank“, so Lohse. Das einzige Problem sei im Moment die Bürokratie bei der Erfassung der Geimpften. Die nötige Software „BayIMCO“ sei nämlich „ausgesprochen träge und ausschließlich auf die Impfzentren ausgerichtet“. Nach Stand der Dinge müsste theoretisch zu jedem (Sammel-)Impftermin bei einem niedergelassenen Arzt eine Verwaltungskraft mit eigenem Laptop, Drucker und Scanner in der Praxis anrücken. „Wenn wir pro Tag 500 Leute in den Praxen impfen wollen, ist das nicht umsetzbar“, sagt Lohse. „So viele Verwaltungskräfte und Laptops gibt’s gar nicht.“

Hoffnung, dass ab Mitte April in Arztpraxen geimpft wird

Doch in den kommenden Tagen soll ein Hausarztmodell der BayIMCO-Software herausgegeben werden. Lohse hegt zumindest die „Hoffnung“, dass ab Mitte April in den Praxen geimpft werden kann. Dann liege es auch in der Verantwortung der Ärzte, wen sie impfen. „Die Priorisierung fällt dadurch nicht weg, aber man muss dann den Ärzten vertrauen“, sagt Lohse. Das sei auch okay, weil bis dahin die Impfung der „hochbrisanten“ Gruppe der Hochbetagten durch sei.

Fragen zu Hausbesuchen sollten per per E-Mail an hausimpfung@lra-toelz.de oder dr-lohse@web.de gerichtet werden.

  • Die Impfung von Bewohnern und Personal in den Pflegeheimen im Landkreis ist laut Landratsamt „auf der Zielgeraden“. So sei in 23 von 28 Einrichtungen bereits die Zweitimpfung erfolgt, in den anderen zumindest die Erstimpfung – jeweils mit dem Biontech-Vakzin. „Die meisten Menschen haben sich impfen lassen“, so Landrat Josef Niedermaier.
  • Die Impfteams würden nun die Heime in einer weiteren Runde ansteuern, um inzwischen dazugekommene Bewohner zu impfen.
  • Unter den Über-80-Jährigen, die nicht in einem Heim leben, seien mittlerweile 3600 Personen zumindest erstgeimpft. Das gelte auch für einen Großteil des medizinischen Personals.
  • In den Impfzentren im Landkreis würden aktuell etwa 600 Impfungen am Tag vorgenommen.
  • Bis Donnerstag seien insgesamt 7945 Dosen Biontech verabreicht worden, 1351-mal AstraZeneca und 400-mal Moderna.

Lesen Sie auch: Der Landkreis hat sich zum Ziel gesetzt, die Impfkapazitäten auf die Verabreichung von bis zu 1000 Dosen am Tag hochzufahren. Der Tölzer Gesundheitsamts-Chef Stephan Gebrande erklärt im Interview, dass Gaststätten und der Einzelhandel keine bekannten Ansteckungs-Hotspots seien. Aktuelle Zahlen zur Corona-Pandemie im Landkreis Bad Tölz-Wolftratshausen gibt‘s täglich aktuell im Nachrichten-Ticker.

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