Viele Senioren wollen die Corona-Impfung, aber viele hatten auch Probleme bei der Anmeldung.
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Viele Senioren wollen die Corona-Impfung, aber viele hatten auch Probleme bei der Anmeldung. (Symboldbild)

Ehrenamt

Hunderte Senioren bei Impf-Registrierung unterstützt: Modell macht Schule

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die Online-Registrierung für die Corona-Impfung stellt viele Senioren vor große Probleme. Hilfsangebote aus Bad Tölz-Wolfratshausen könnten jetzt Nachahmer finden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Anfangs standen die Telefone nicht still: Ehrenamtliche, die Hilfe bei der Online-Registrierung für einen Corona-Impftermin anboten, konnten sich im Januar vor Nachfragen kaum retten. Die vorläufige Bilanz: Hunderte Senioren im Landkreis haben den Freiwilligen zu verdanken, dass sie im System der Impfzentren eingetragen sind.

Hans Lincke von den Computersenioren Bad Tölz-Wolfratshausen.

Bei Hans Lincke läutet aktuell „nur“ fünf- bis sechsmal am Tag das Telefon. Noch immer rufen ihn Senioren an, die ihn um Unterstützung bitten. Vor ein paar Wochen erhielt er an einem Spitzentag noch 140 Anrufe an einem Tag. „Die konnte ich nicht alle entgegennehmen, ich habe es nur an der Rückrufliste gesehen“, sagt der Tölzer, der sich beim Verein Computersenioren Bad Tölz-Wolfratshausen engagiert. Damals, zum Start der Impf-Registrierung, war die Nummer des Impfzentrums dauerbelegt – und an der Registrierung im Internet verzweifelten viele Senioren. Zusammen mit seinem Vereinskollegen Wolfgang Martin hat Lincke im Lauf der Zeit tatsächlich alle zurückgerufen, die versucht hatten, ihn zu erreichen. So haben die Computersenioren laut Lincke knapp über 200 Personen bei der Online-Registrierung geholfen. „Es macht Spaß, wenn jemand auflegt und zufrieden ist“, so das Resümee des Tölzers.

Impf-Registrierung: Helfer waren von 7 Uhr morgens bis zum Abend beschäftigt

Darüber hinaus steht auf der Homepage der Computersenioren eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Online-Registrierung. „Bei uns sind Anfragen aus Nachbarlandkreisen eingegangen, ob diese Anleitung übernommen werden kann“, sagt Lincke.

Nachahmer könnte auch der Nachbarschaftshilfe-Verein „Bürger für Bürger“ in Wolfratshausen finden. „Wir haben etliche Anrufe von anderen Nachbarschaftsinitiativen bekommen, die sich nach unserem Modell erkundigt haben“, berichtet Vorsitzende Eva Rühling.

Eva Rühling, Vorsitzende Nachbarschaftshilfe „Bürger für Bürger“ Wolfratshausen.

Das besteht darin, dass die Wolfratshauser Aktiven – neben Eva Rühling vor allem Ernst Wieser und Agnes Zanein – selbst am Telefon die Daten der Impfwilligen aufnehmen und dann an die Mitarbeiter des Impfzentrums weitergeben, die sie wiederum ins System einspeisen. „In Hochzeiten war ich von morgens um 7 Uhr bis zum Abend beschäftigt, das war schon Wahnsinn“, sagt Rühling. Wie viele Menschen die Nachbarschaftshilfe unterstützten, „darüber haben wir keine Strichliste geführt“, sagt die Vorsitzende. Sie schätzt, dass es mindestens 150 bis 180 waren.

Aktuell „hat sich die Lage etwas entspannt“, sagt Eva Rühling. Beim Impfzentrum komme man mittlerweile auch telefonisch leichter durch. „Jetzt bekommen wir Anrufe von Menschen, die sagen: ,Bei mir hat sich noch jemand gemeldet, ich höre gar nichts‘. Die Leute sitzen zu Hause und warten.“

Eins-zu-eins-Betreuung im Mehrgenerationenhaus Bad Tölz

Eva Rühling plant derweil das nächste Hilfsangebot: einen Hol- und Bringservice für diejenigen Senioren, die weder selbstständig zum Impfzentrum fahren können noch jemanden haben, der sie hinbringt. „Dafür haben wir einen eigenen Bus und haben uns auch mit der DLRG kurzgeschlossen.“ Rühling betont lediglich, dass der Verein keine Krankentransporte übernehmen kann. „Voraussetzung ist, dass die Person in der Lage ist, selbst bis zum Bus zu gehen.“

Eine Eins-zu-Eins-Betreuung beim Anmelden bieten ehrenamtliche Helfer im BRK-Mehrgenerationenhaus in Bad Tölz an. Hier nimmt sich ein Helfer vor Ort je eine halbe Stunde Zeit, um mit dem Impfwilligen die Online-Prozedur – natürlich getrennt durch eine Plexiglasscheibe, mit FFP2-Maske und nach Desinfektion der Plätze, wie MGH-Leiterin Rita Knollmann betont.. „Etwa 25 Personen haben wir auf diese Weise bisher unterstützt“, sagt sie.

Einen regelrechten Ansturm auf das Angebot hat Rita Knollmann aber nicht registriert. Die bisherigen Termine seien alle voll gewesen, doch bei den nächsten seien schon wieder Plätze frei. „Unser Angebot werden wir weiterführen, solange es nötig ist – gerne auch bis Herbst.“

Kontaktnummern

Hans Lincke, Computersenioren: 08041/1395; Eva Rühling, Bürger für Bürger: 08171/9193420; Mehrgenerationenhaus Bad Tölz: 08041/7933588.

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