Der lange Weg zur Spritze: Wer sich für die Impfung registrieren lassen will, braucht einen Internetzugang oder viel Geduld. Foto. dpa
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Der lange Weg zur Spritze: Wer sich für die Impfung registrieren lassen will, braucht einen Internetzugang oder viel Geduld.

Corona

Bad Tölz-Wolfratshausen: Impf-Registrierung macht Senioren Probleme

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Menschen ab 80, die sich für die Corona-Impfung registrieren lassen möchten, haben es nicht leicht. Senioren ohne Internetzugang brauchen viel Geduld. Wer keine Angehörigen hat, die hier helfen, „geht im System verloren“, befürchtet die Lenggrieser Seniorenbeauftragte Birgitta Opitz.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nach den Bewohnern der Seniorenheime sollen im Landkreis nun alle Menschen ab 80 geimpft werden, die zu Hause leben (wir berichteten). Wer einen Termin in einem Impfzentrum in Wolfratshausen oder Bad Tölz möchte, muss sich registrieren. Empfohlen wird das online über die Plattform des Gesundheitsministeriums www.impfzentren.bayern. Es gibt aber auch eine Telefonhotline (0 81 71/3 86 36 10). „Wenn man die anruft, kommt die Bandansage, dass man sich im Internet registrieren muss“, sagt Margot Huber (82) aus Tölz. „Wir haben aber kein Internet.“ Sie wisse nun nicht, was sie machen solle.

„Mir ist vollkommen klar, dass das frustrierend ist“, sagt der Landrat

„Das Problem wurde heute früh im Landratsamt bekannt“, sagte Landrat Josef Niedermaier am Mittwoch. „Mir ist vollkommen klar, dass das frustrierend ist, wenn man in einer Hotline hängt und dann auf den Online-Weg verwiesen wird. Erst recht, wenn das ein Medium ist, mit dem man nicht vertraut ist. Aber wir werden diese Kröte wohl schlucken müssen, wenn wir vermeiden wollen, dass das Telefonnetz unter der Last der Anrufe in die Knie geht.“

Nur wer gar keine andere Möglichkeit hat, sollte die Hotline anrufen

Die gesamte Registrierung eines Impfberechtigten könne durchaus 20 Minuten und mehr dauern. Beispielsweise müssen Kontaktdaten, Medikamenteneinnahmen und Vorerkrankungen abgefragt werden. Am Telefon sei das nicht immer einfach. „Man versteht akustisch etwas nicht, muss nachfragen oder einfach nur fragen, ob ein Name mit ai oder ei geschrieben wird, wie zum Beispiel bei mir. Das dauert und blockiert die Leitungen“, erklärt Niedermaier. Bis zu vier Personen sitzen an der Hotline in Wolfratshausen, aber wenn man sieht, dass 2500 bis 3000 Personen bereits registriert wurden, verstehe man die Problematik. „Deshalb meine Bitte an alle: Versuchen Sie es digital, versuchen Sie, Hilfe bei Angehörigen zu finden, wenn das Internet Neuland für Sie ist.“ Nur wer überhaupt keine Möglichkeit habe, sich online zu registrieren, sollte bei der Hotline anrufen – und muss hoffen, eine freie Leitung zu erwischen, um eben nicht bei der Bandansage zu landen. „Das braucht Geduld“, so Niedermaier.

Seniorenreferentin sieht „Entwürdigung der Alten“

Dass es momentan fast nur über die Online-Registrierung geht, macht Birgitta Opitz, Seniorenreferentin des Lenggrieser Gemeinderats, fassungslos. „Das geht absolut an den Möglichkeiten, die viele dieser hochbetagten Menschen haben, vorbei.“ Wer keine Angehörigen habe, „geht im System verloren. Das ist eine Entwürdigung unserer Alten“. Auch Margit Lätsch, Vorsitzende des Dietramszeller Vereins „Miteinander, füreinander“ befürchtet, dass sich viele aus der Zielgruppe nicht registrieren können, wenn das in erster Linie nur online möglich sei. „Es gibt viele, die kein Internet und keine E-Mail-Adresse haben.“

Auf vieles hat das Landratsamt keinen Einfluss

Apropos E-Mail-Adresse. Die braucht man für eine Registrierung über das Portal des Ministeriums zwingend. Und pro Adresse kann sich nur eine Person registrieren. Auch das sei nicht optimal gelöst, sagt Niedermaier. „Das sind so Dinge, die werden nun beim Einsatz der Software offensichtlich. Natürlich ist das sehr, sehr ärgerlich, aber wir werden das nun wohl oder übel in Kauf nehmen müssen.“ Grundsätzlich werde das Landratsamt versuchen, „problematische Punkte, soweit es für uns möglich ist, zu korrigieren, abzufangen und abzuarbeiten“, so der Landrat. Einiges hänge jedoch tatsächlich an der Software. „In diesem Fall können die Mitarbeiter im Impfzentrum, die die Organisation übernehmen, tatsächlich keine abschließenden Lösungen anbieten. Darauf haben wir keinen Einfluss.“

Hat die telefonische Registrierung geklappt?

Rolf Biebl (84) aus Egling hilft das im Moment nicht weiter. Er hatte am 7. Januar die Hotline angerufen. Ein Bekannter hatte ihm die Telefonnummer genannt, die auf den Seite des Gesundheitsministeriums zu finden war. „Ich habe auch mit jemandem gesprochen, der meine Anschrift und mein Alter notiert hat“, sagt Biebl. Seitdem habe er aber nichts mehr gehört. Dass es nun heißt, dass eine Registrierung online erfolgen soll, beunruhigt den Eglinger. Er wisse nun nicht, ob er registriert sei oder nicht. Beantworten konnte diese Frage das Landratsamt am Mittwoch nicht abschließend. Man werde das aber klären, sicherte Pressesprecherin Marlis Peischer zu. „Es ist aber davon auszugehen, dass die Registrierung geklappt hat.“

Einen Überblick über die aktuelle Corona-Entwicklung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es hier.

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