Der Landkreis arbeitet derzeit an einem Alltagsradwegenetz. Das gefällt nicht jedem.
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Der Landkreis arbeitet derzeit an einem Alltagsradwegenetz. Das gefällt nicht jedem.

Aus der Infrastrukturausschuss-Sitzung

Bad Tölz-Wolfratshausen: Infrastrukturausschuss des Kreistags diskutiert über das Thema Radwegebau

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Eigentlich wollte Sachbearbeiterin Katharina Mair im Kreis-Infrastrukturausschuss nur einen Überblick geben, an welchen Kreisstraßen heuer Sanierungsarbeiten anstehen. Daraus entwickelte sich aber eher eine Grundsatzdebatte über Radwege.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Rund 3,8 Millionen Euro steckt der Kreis in den Bereich Kreisstraßen. Dazu gehören 550 000 Euro an Personalkosten für die Straßenmeistereien. „Der Landkreis hat keinen eigenen Bauhof. Die Aufgaben übernehmen die Straßenmeistereien in Tölz und Wolfratshausen, und wir zahlen dafür“, erklärte Landrat Josef Niedermaier. Investiert wird auch in den Fuhrpark: Für 250 000 Euro muss beispielsweise ein neues Winterdienstfahrzeug gekauft werden.

Heuer sind zwei große Baumaßnahmen geplant. Auf der Kreisstraße 7, die bereits im vergangenen Jahr wegen umfangreicher Arbeiten über Monate gesperrt war, steht die Fahrbahnerneuerung an. 900 000 Euro investiert der Kreis in die Deckenbaumaßnahme. Ausgebaut werden soll zudem die Töl 13 zwischen Reichersbeuern und der Bundesstraße 13 – für rund 1,4 Millionen Euro.

Etwa 3,8 Millionen Euro für Kreisstraßen

Beide Maßnahmen machten Max Korntheuer (ÖDP) hellhörig. Ob eigentlich bei einem Straßenausbau gleichzeitig geprüft werde, ob auch ein Radwegbau möglich sei, wollte der Kreisrat wissen. Geprüft werde das, sagte Mair. „Aber meistens ist der Grunderwerb das Problem.“ Hier gebe es keine rechtliche Handhabe, an Flächen zu kommen, wenn der Eigentümer nicht mitspiele. Theoretisch wäre zwar eine Trasse über ein Planfeststellungsverfahren durchsetzbar. „Aber das geht nur bei größeren Straßen“, sagte Niedermaier.

Michael Häsch (CSU) nutzte das Ganze für einige grundsätzliche Anmerkungen zum Thema Radwege und zum Alltagsradwegenetz, das der Landkreis schaffen möchte. Für die angedachten Radwege „verbrauchen wir einen Haufen Fläche“, merkte der Landwirt an. Man müsse hier schon mal abwägen, wo es neue Radwege wirklich brauche und wo es sinnvoller wäre, die Flächen der Natur oder der Landwirtschaft zu lassen.

Landrat: „Wir brauchen ein gescheites Netz“

Niedermaier sieht allerdings gerade in einem Alltagsradwegenetz die Zukunft. Es gehe hier nicht um den Freizeitverkehr, sondern darum, schnelle und kurze Verbindungen von A nach B zu schaffen. Natürlich müsse man die von Häsch geforderte Abwägung treffen, aber „wir brauchen ein gescheites Radwegenetz, das den Bedürfnissen der Alltagsradler entspricht“. Dazu gehören für Niedermaier ein begleitender Radweg im Zuge des B11-Ausbaus zwischen Heilbrunn und Königsdorf sowie Radwege an der Staatsstraße 2072 zwischen Tölz und Tattenkofen, zwischen Lenggries und der Jachenau sowie an der Töl 5 zwischen Heilbrunn und Penzberg.

Wie es mit dem Radweg an der B11 konkret aussehe, wollte Korntheuer wissen. Wie berichtet ist die Verkehrsbelastung auf der Bundesstraße in diesem Abschnitt nicht hoch genug, um den Bau eines Radwegs zu begründen – eigentlich. „Wir wollen diesen Radweg und versuchen gerade mit dem Staatlichen Bauamt das zu verargumentieren“, sagte Niedermaier. Und tatsächlich gebe es hier durchaus Handlungsspielraum, ergänzte Klimamanager Andreas Süß. „Es ist zwar mit Abstand die am wenigsten befahrene Bundesstraße im Landkreis, aber sie ist beispielsweise schlecht einsehbar.“ Daher können man in Sachen Dringlichkeit eines Radwegbaus „fachlich auch zu einer anderen Einschätzung kommen“.

Thomas Gründl (CSU): „Man kann doch keine Straße neu verlegen und keinen Radweg bauen.“

Dass an der B11 ein Radweg gebaut werden müsse, „ist für mich gar keine Diskussion“, sagte CSU-Kreisrat und Heilbrunns Bürgermeister Thomas Gründl. „Man kann doch keine Straße neu verlegen und keinen Radweg bauen.“ Auf den Nägeln brennt ihm aber vor allem die Verbindung von Heilbrunn nach Penzberg. „Bitte vergesst mir die Töl 5 nicht“, sagte Gründl. Dort scheitert der erste Abschnitt eines straßenbegleitenden Radwegs von Heilbrunn bis Langau derzeit an einem denkmalgeschützen Stadl, der direkt an der Kreisstraße steht. Diesen Abschnitt könnte man allerdings mit einer Schleife über Baumberg umgehen. Der zweite Abschnitt ab dem Kreisel in Richtung Penzberg liegt im FFH-Gebiet. „Hier ist ein landschaftspflegerischer Begleitplan notwendig“, erläuterte Mair den Sachstand.

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