Es geht nichts über Lüften: Auch im kommenden Schuljahr werden geöffnete Fenster zum Alltag der Schüler gehören.
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Es geht nichts über Lüften: Auch im kommenden Schuljahr werden geöffnete Fenster zum Alltag der Schüler gehören.

Fenster auf heißt die Devise

Bad Tölz-Wolfratshausen: Kreis-Ausschuss sieht Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für Schulen skeptisch

  • Melina Staar
    VonMelina Staar
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In seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Kreis-Ausschuss mit der Frage nach der optimalen Belüftungslösung für Klassenzimmer. Die Räte zeigten sich beim Thema Investition in Luftreinigungsgeräte skeptisch.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Wie kann Unterricht im kommenden Schuljahr funktionieren, wenn die Corona-Zahlen wieder steigen? Eine Möglichkeit, wie das klappen könnte, ist das derzeit viel diskutierte Aufstellen von mobilen Luftfilteranlagen in den Klassenzimmern. Damit beschäftigte sich am Montag auch der Bau- und Schul-Ausschuss des Kreistags. Er wünsche sich eine „Versachlichung“ des Themas, sagte Vize-Landrat Thomas Holz (CSU), der die Sitzung leitete, denn vielerorts war darüber heiß diskutiert worden. Für die sachliche Grundlage sorgte Hauptamts-Leiter René Beysel. Er machte zunächst deutlich, dass es besonders in Bildungsgebäuden wichtig sei, dass die Kohlendioxid-Konzentration nicht zu hoch sei. Um dies zu bemessen, wird die Pettenkoferzahl zu Rate gezogen, die besagt, dass der Wert von 1000 ppm – also 1000 Teile pro einer Million – nicht überschritten werden sollte.

Zur Mittagszeit besonderer Lüftungsbedarf in Klassenzimmern

Beysel zeigte anhand von Grafiken, wie sich die CO2-Konzentration in einem Klassenzimmer im Laufe eines Schultages – ohne entsprechendes Lüftungskonzept – verändert: Besonders auffällig: In den fünften und sechsten Stunden steigt die Konzentration auf über 2000 ppm. „Jeder von uns erinnert sich sicher an den Dampf nach der sechsten Stunde.“ Wie verändert sich das Ganze nun, wenn Belüftung – gekippte oder geöffnete Fenster oder Lüftungsanlagen – dazu kommt? Beysel erklärte, dass das Effektivste tatsächlich das Stoßlüften sei. „Lüftungsanlagen alleine schaffen auch nicht die 1000 ppm, man muss zusätzlich die Fenster öffnen.“

In 40 Prozent der Klassenzimmer ist „Premium“-belüftungsvariante bereits eingebaut

Die 400 Klassenzimmer an weiterführenden Schulen, für die der Landkreis zuständig sei, seien bereits ziemlich gut aufgestellt. So habe man in den vergangenen Jahren bei energetischen Sanierungen stets auch auf eine gute Lüftungsanlage geachtet, so genannte RLT (Raumlufttechnische)-Anlagen. Diese Anlagen sorgen für kompletten Luftaustausch und Wärmerückgewinnung. In 40 Prozent der Klassenzimmer im Landkreis sei diese „Premium“-Variante bereits eingebaut. Für weitere Schulen stehen entsprechende Maßnahmen noch bevor, bis 2028 sollen viele mehr auf einem sehr guten Stand sein. Alle Klassenzimmer seien schon jetzt der Kategorie 1, also gut belüftbar, zuzuordnen. Auch müsse man, so Beysel, Zugluft, Temperatur und Lärmpegel mit berücksichtigen. Letzterer liege bei einigen der förderfähigen Lüftungsgeräten bei 35 Dezibel, „für Schulbetrieb ist das zu laut“, sagte Beysel. Sollte sich der Landkreis für die Anschaffung der mobilen Luftfilter-Anlagen entscheiden, kämen Kosten in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro auf ihn zu – und die Aussicht, dass diese, aufgrund der hohen Nachfrage, nicht vor Januar 2022 geliefert werden können.

„Kinder sind keine Superspreader“

Dr. Stephan Gebrande, Leiter des Gesundheitsamts, gab dem Gremium weitere Informationen: „Kinder sind keine Superspreader und Schulen keine Hotspots.“ Er untermauerte dies mit Daten: Zwischen 30. Oktober 2020 und 8. März 2021 seien 53 Schüler positiv auf Corona getestet worden. Daraus hätten sich lediglich 17 Folgefälle ergeben. „Junge Leute stecken sich zwar an, aber nicht in der Schule.“ Die Kreisräte stimmten schließlich geschlossen dafür, die Ausstattung mit RLT-Anlagen für die kommenden Jahre weiter zu forcieren und entsprechende Förderprogramme in Anspruch zu nehmen. Mobile Luftreinigungsgeräte seien grundsätzlich nicht erforderlich und würden im Landkreis nur angeschafft, wenn das Kultusministerium garantiere, dass man dann nicht mehr in den Distanzunterricht müsse. Natürlich werden nicht alle mit dieser Entscheidung glücklich sein, sagte Holz. „Aber die Diskussion müssen wir aushalten.“

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